Tschechiens Präsident als Wahlkämpfer: Abstieg vom Hradschin

Kommentar | Josef Kirchengast, 29. Mai 2012, 21:12

Dankbarkeit scheint in Tschechien doch eine politische Kategorie zu sein

Der tschechische Präsident Václav Klaus ist nicht dafür bekannt, dass ihm Dinge so herausrutschen. Wenn der Konservative Klaus sich also den ehemaligen Sozialdemokraten-Chef und Expremier Miloš Zeman öffentlich als seinen Nachfolger wünscht, dann ist dies mehrfach bemerkenswert.

Klaus hatte 1998 mit Zeman den sogenannten Oppositionsvertrag geschlossen. Mit diesem demokratiepolitisch einzigartigen Konstrukt sicherte Wahlverlierer Klaus einer Minderheitsregierung unter Zeman zu, sie während der vollen Legislaturperiode nicht zu stürzen - die verbrämte Form einer großen Koalition. Klaus wurde im Gegenzug Parlamentspräsident, was seinen Ambitionen für das Amt des Staatsoberhaupts eine zusätzliche Bühne schuf.

Dankbarkeit scheint also doch eine politische Kategorie zu sein. Zumindest wenn sie die Chance eröffnet, einem Widersacher eins auszuwischen. Nichts anderes bedeuten Klaus' Worte, wonach Präsidentschaftskandidaten "für unser Land etwas getan haben" sollten.

Vor Zeman liegt in den Umfragen hinter zwei anderen Bewerbern Karl Schwarzenberg. Dem proeuropäischen Außenminister, der auch Tschechiens Teilnahme am Fiskalpakt wünscht, ist der Euroskeptiker Klaus in herzlicher Abneigung zugetan. Auch der brennende Wunsch, ihn als seinen Nachfolger zu verhindern, lässt den Präsidenten vom Hradschin in den Wahlkampf hinabsteigen. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 30.5.2012)

Klaus wird auch als "Füllfeder-Dieb" bezeichnet:

http://www.youtube.com/watch?v=b... ature=fvst
Seine kranken Aussagen bezüglich Umweltschutz, EU und Menschenrechten sind ebenfalls zum Kotz.n.

Wenn es Klaus vorrangig darum ginge,

Schwarzenberg zu verhindern, würde er wohl kaum Zeman, sondern einen chancenreicheren Kandidaten unterstützen. Er muss also noch andere Gründe haben.

Schwarzenberg

als Präsident wäre ein Grund, die tschechische Staatsbürgerschaft anzustreben (wenn das nicht bereits bei Havel geschehen wäre :-)

Finde die tschische Staatsbürgerschaft in jedem

Fall erstrebenswert, auch Schwarzenberg als Präsident könnte mir das nicht vermiesen.

Und wenn nach ihm ein weniger sympathischer Präsident kommt,

geben Sie die Staatsbürgerschaft wieder ab?

IMHO ein recht kurzsichtiges Kriterium, sich seine Staatsbürgerschaft auszusuchen. Stellen Sie sich vor, jemand wäre Amerikaner geworden, nur weil er den Clinton so toll fand - was hätte er dann nach Dubbyas Wahlsieg gemacht?

Kann Klaus schon verstehen,

wer will schon Lobhudler wie Schwarzenberg, die jeden Schmarrn aus Brüssel euphorisch begrüßen und dafür die allerlängst ersehnte und erkämpfte Souveränität leichtfertigst wieder verspielen; was da rauskommen kann haben wir schon beim Euro gesehen, ein noch nie dagewesener kolossaler Pfusch der kaum mehr zu reparieren ist und der danz Europa in den Abgrund zu reißen droht anstatt es zu fördern.

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