Krebspatienten sollen eigene Reha bekommen

29. Mai 2012, 18:26
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Bis 2015 soll es 700 Plätze in ganz Österreich geben

Wien - Krebspatienten sollen künftig die Möglichkeit einer speziellen Rehabilitation bekommen. Manfred Felix, der Obmann der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), hat am Dienstag im Ö1-Morgenjournal angekündigt, dass bis 2015 österreichweit in sechs Einrichtungen 700 Betten zur Verfügung stehen sollen, die auf die Bedürfnisse von Onkologiepatienten zugeschnitten sind.

"Menschen mit Krebserkrankungen sind bisher größtenteils nur organbezogen behandelt worden", sagte Felix. Eine onkologische Rehabilitation umfasse neben dem körperlichen Aufbau aber unter anderem auch psychologische Betreuung. Denn die Menschen hätten nach ihrer Erkrankung natürlich auch mit vielen Ängsten zu kämpfen, betonte Felix.

In Österreich erkranken jedes Jahr rund 35.000 Menschen an Krebs. Mit den 700 Spezial-Plätzen könnten bei einem durchschnittlichen Reha-Aufenthalt von drei Wochen jährlich 11.000 Patienten betreut werden, rechnete der PVA-Obmann vor.

Umfassende Betreuung

"Nach einer Krebserkrankung müssen die Menschen wieder aufgepäppelt werden", sagt Richard Crevenna , der im Wiener AKH die Ambulanz für onkologische Rehabilitation leitet. Viele Patienten seien körperlich sehr schwach und müssten ihre Kraft und Ausdauer ebenso trainieren wie die motorischen Fertigkeiten - das wiederum erfordere auch eine spezielle Ernährung. Dazu komme noch die psychoonkologische Betreuung. " Der Grundstein für eine dauerhafte Umstellung des Lebensstils kann mit einer stationären Reha sicher sehr gut gelegt werden", betont Crevenna. Im AKH selbst gibt es rund vier Plätze für die ambulante Reha von Krebspatienten. "Für eine Alleinerzieherin mit drei Kindern ist es sicher schwer, sich für drei Wochen freizumachen", sagt Crevenna. "Aber es ist sehr gut, dass der extramurale Bereich nun ausgebaut werden soll."

Derzeit 230 Betten

Derzeit gibt es in Österreich rund 230 Reha-Betten für Onkologiepatienten. "Es ist wichtig, dass die Menschen wieder am gesellschaftlichen, aber auch am Berufsleben teilhaben können", sagt Rudolf Müller, Chefarzt der PVA. Der beste Zeitpunkt für eine Rehabilitation sei, wenn die Therapie des ursprünglichen Tumors abgeschlossen sei. Müller: "Aber es gibt auch etwa bei Brustkrebs Erhaltungstherapien, wo begleitend ein Reha-Aufenthalt möglich ist."

Woran es in Österreich noch immer mangelt, sind spezielle Reha-Angebote für Kinder - doch auch hier soll es nun Fortschritte geben. "Zuständig für Kinderrehabilitation sind die Krankenversicherungsträger, die Erfahrung mit Rehabilitation hat die PVA, und gemeinsam wollen wir in den nächsten Monaten fertige Projekte entwickeln und diese dann auch umsetzen", sagt Felix. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 30.5.2012)

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