Bankenreform in Spanien: Schluss mit Siesta

Kommentar29. Mai 2012, 21:14
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Spanien ist seit Monaten unter dem Druck der Finanzmärkte, denn die Salamitaktik schafft kein Vertrauen

Bankia, eine spanische Bank, braucht 23,5 Milliarden Euro Geld vom Staat. So weit, so beunruhigend. Doch wie die Regierung von Mariano Rajoy gebetsmühlenartig wiederholt, handle es sich um einen Einzelfall.

Das wäre schön, ist aber naiv. Spanien hatte bis 2008 eine der größten Immobilienblasen der Welt, doch die Banken haben die Verluste nur zögerlich in die Bücher genommen. Bis zu 100 Milliarden Euro an Abschreibungen stehen noch aus, schätzen Analysten. Das dementieren Regierung und Banken gerne, weil sie sich um schmerzvolle Anpassungsprozesse drücken wollen. Diese Strategie rächt sich. Spanien ist seit Monaten unter dem Druck der Finanzmärkte, denn die Salamitaktik schafft kein Vertrauen.

Will die Regierung aus dem Strudel aus fallenden Kursen und einem Run auf die Banken herauskommen, braucht sie endlich Mut. Vier Jahre nach Beginn der Krise heißt das: Tabula rasa. Alle Verluste müssen auf den Tisch. Bankaktionäre sollten für die Fehler der Vergangenheit aufkommen (wo es nötig ist, auch Bankgläubiger), der Staat muss in ernsten Fällen einspringen, die europäischen Institutionen müssen ein Sicherheitsnetz spannen.

Japan hat mit der Rekapitalisierung seiner Zombiebanken zehn Jahre gebraucht. Die Reformlethargie nach dem Immobilienboom hat dem Land zwei verlorene Jahrzehnte eingebrockt. In Europa dürfen die Fehler Japans nicht wiederholt werden. Bei Kreditkrisen gilt: Zeit ist Geld. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 30.5.2012)

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