Das Glück des Jägers und der Zorn auf der Straße

29. Mai 2012, 18:20
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Wiener Autolenker attackierte Gegner mit Axt - gewalttätiger Streit kein Einzelfall

Wien - Zuerst stritt er mit einem anderen Autofahrer über Vorrangregeln und angemessenes Verhalten im Straßenverkehr - dann holte ein 33-Jähriger Montagabend in Wien-Favoriten eine Axt, attackierte die Insassen im Fahrzeug des Kontrahenten, verletzte diese und flüchtete. Dass Lenker, Radfahrer oder Fußgänger rot sehen, ist kein Einzelfall.

Seit Jänner 2011 gab es - laut Meldungen in der APA - rechnerisch jeden Monat einen Fall, bei dem Verkehrsteilnehmer einander mit Waffen bedrohten oder verletzten, aufeinander einprügelten oder Fahrzeuge beschädigten.

Tendenziell nimmt die Aggression zu, meint Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin beim ÖAMTC, konkrete Zahlen hat sie aber nicht. Zwei Faktoren ortet sie für das auch Road Rage genannte Phänomen. Der Druck durch Arbeits- und Freizeitstress steige, bei schlechtem Zeitmanagement nehme die Aggressivität bei Behinderungen zu.

Aggression durch Anonymität

Dabei spiele auch die Anonymität im Auto eine Rolle. Man lasse sich leichter dazu verleiten, es dem anderen "heimzahlen" zu wollen, da der direkte Kontakt fehlt. Nicht zu vergessen die Eigenschaft des Fortbewegungsmittel als Statussymbol. Zornig werden praktisch nur Männer, die sich offenbar bei vermeintlichen Fehlverhalten leichter persönlich angegriffen fühlen.

Dazu kommt die Platznot. Wie Ende März in Lustenau, wo ein 46-Jähriger einen 43-jährigen Deutschen wegen dessen schlecht geparktem Auto mit einer Eisenstange prügelte. "Wenn man quasi das Glück des Jägers hat, einen Parkplatz gefunden zu haben, und es kommt zu Schwierigkeiten, kann das ein Auslöser für Gewalt sein", sagt Seidenberger. (moe, DER STANDARD, 30.5.2012)

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    Rot sehen manche im Straßenverkehr nicht nur an der Kreuzung: Stress und Platznot führen zu Gewalttätigkeit.

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