Mitten im Alltag des antiken Menschen

29. Mai 2012, 18:12
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In Ephesos widmet man sich dem Hafenverlauf der antiken Metropole und neu entdeckten, prunkvollen Gebäuden

Wenn Sabine Ladstätter vom "Hanghaus 2" in Ephesos spricht, dann wissen aufmerksame Zuhören nach wenigen Sätzen, was die Archäologin, Grabungsleiterin an dieser historischen Stätte, an ihrer Arbeit so spannend findet. "Wir kommen hier den Menschen in ihrem Alltag sehr nahe" , sagte sie kürzlich bei der Präsentation des aktuellen Grabungsprogramms. Hintergrund: Die Hanghäuser wurden zwischen 270 und 280 n. Chr. bei einem Erdbeben zerstört, womit Einkaufslisten und Kinderspielzeug begraben, aber auch erhalten blieben.

Vor genau 50 Jahren wurde das "Hanghaus 2" entdeckt, dessen Vertäfelungen aus Marmor und Mosaiken auf Luxus schließen lassen. Eine Membran schützt das "Hanghaus 2", Stege machen es für den Tourismus zu einer Hauptattraktion.

Schwerpunkt Hafenregion

Dank geophysikalischer Untersuchungen konnte südlich der Marienkirche ein nicht weniger prunkvoller, gut erhaltener Gebäudekomplex entdeckt werden, der offenbar aus der Spätantike kommt. Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Grabungssaison ist die Hafenregion. Warum liegt die antike Metropole, obwohl sie einst am Meer lag, heute sechs bis acht Kilometer davon entfernt? Grund dafür sind von Flüssen abgelagerte Sedimente, die zu einer Verlandung geführt haben.

Untersuchungen von organischem Material und von Pollen aus bis zu 18 Meter tiefen Bohrungen hätten gezeigt, dass im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. die Landwirtschaft stark intensiviert und die Hänge in der Umgebung der Stadt abgeholzt wurden.

Das habe zu einer verstärkten Erosion geführt, das abgetragene Material habe den Hafen zunehmend versandet. "Die Menschen haben sich selbst ihre eigene Lebensader abgegraben", sagt Ladstätter.

Schließlich wollen sich die Archäologen auch den Monumenten aus dem türkischen Ephesos ab dem 14. Jahrhundert widmen. Den über zwei Millionen Besuchern, die jedes Jahr die antike Stadt besichtigen, wolle man durch die islamisch-türkischen Monumente "einen kulturellen Einblick geben, Wissen vermitteln und damit vielleicht auch Vorurteile abbauen". (pi/APA, DER STANDARD, 30.5.2012)

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