Die letzte Show des Josef Ackermann

29. Mai 2012, 18:10
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Am Donnerstag endet die Ära von Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank, kein anderer hat das Geldhaus so geprägt wie der Schweizer

Applaus wird es geben, sicher auch ein paar Pfiffe, wenn Josef Ackermann am Donnerstag zum letzten Mal auf einer Hauptversammlung der Deutschen Bank spricht. Einmal noch soll es seine Show werden, will Ackermann seine Sicht der Dinge erklären. Die Nachfolger Jürgen Fitschen und Anshu Jain werden sich bescheiden müssen. Sie sind dann ab Freitag dran.

Zehn Jahre lang stand Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank (als erster Ausländer übrigens), kaltgelassen hat er in dieser Zeit die wenigsten. "Wir wollen im Konzert der Weltbesten dabei sein - mit Standort Deutschland", lautete sein Credo. Als Ackermann am 22. Mai 2002 den Chefposten antritt, ist die Deutsche Bank zwar auch ein renommiertes Geldhaus, doch der Abstand zur Konkurrenz nicht so groß. Dresdner Bank und WestLB agieren fast auf Augenhöhe.

Doch in Deutschland die Nummer eins zu bleiben ist "Joe" Ackermann nie genug. Er will, dass seine Bank an der Weltspitze mitspielt und den Vergleich mit Goldman Sachs oder JPMorgan Chase nicht zu scheuen braucht. Also setzt der Schweizer wie kein anderer zuvor auf das Investmentbanking und trimmt die Bank auf Rendite. Die kleinen Bankkunden sind Ackermann zunächst lästig, soll doch die Postbank mit ihren vielen Filialen darum kümmern. In seiner Bank liefert das Investmentbanking zeitweise 80 Prozent der Gewinne.

Keine Hilfe vom Staat

Erst später denkt Ackermann um und kümmert sich auch um das lange vernachlässigte Privatkundengeschäft. 2006 kauft die Deutsche Bank die Berliner Bank und die Norisbank. Die Privatbank Sal. Oppenheim folgt 2009, die Postbank 2010. Und dennoch: Als Ackermann die Bank 2002 übernahm, war eine Aktie knapp 70 Euro wert. Heute sind es 29 Euro. Der Tiefpunkt war am 23. Jänner 2009 erreicht. Damals war das Papier 15 Euro wert.

Diese für Ackermann unerfreulichen Zahlen werden jedoch für die Aktionäre der Deutschen Bank schöner, wenn man sie mit den Werten anderer deutscher Banken vergleicht. Die Aktie der Commerzbank etwa notiert bei 1,35 Euro. Im Gegensatz zur Commerzbank brauchte die Deutsche Bank, die nach der Bilanzsumme auch Europas größte Bank ist, keine Staatshilfe in der Finanzkrise.

Für die Deutschen war Ackermann in all den Jahren weit mehr als ein Banker: Ein Provokateur, das Gesicht des Raubtierkapitalismus. Da konnte eine Zeit lang noch so glänzende Zahlen vorlegen, er agierte ungeschickt. 2005 verkündete er auf der Hauptversammlung einen Rekordgewinn und gleichzeitig die Streichung von 6.000 Stellen in der Bank.

Victory-Zeichen im Gericht

Unvergessen ist sein Auftritt im Mannesmann-Prozess im Jahr 2004. Im Gerichtssaal zeigte Ackermann das Victory-Zeichen, angeblich wollte er nur Popstar Michael Jackson imitieren. Das Foto, das dabei entstand, ist in Deutschland jedoch immer noch Sinnbild für gierige Banker, denen die Rendite über alles geht - zumal Ackermann das ehrgeizige Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vertrat.

"Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen", sagte Ackermann einmal. Doch in aller Welt sind seit 2007 Klagen gegen die Deutsche Bank eingereicht worden, unter anderem vom US-Justizministerium, zahlreichen Versicherungen und Pensionsfonds. Dieses Erbe wird die Nachfolger von Ackermann noch lange beschäftigen. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 30.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    2004 zeigte sich Josef Ackermann beim Mannesmann-Prozess im Gericht in Siegerpose. Kein anderes Foto hat ihm so geschadet wie dieses.

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