Schlecker vor Verkauf der Österreich-Tochter

29. Mai 2012, 17:58
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Am Freitag endet die Galgenfrist für den Drogeriekonzern. Die Zeichen für eine Zerschlagung mehren sich

Wien - Klaus Ferdinand Lughofer hat für Schlecker in Österreich so manch Fehde gefochten. Seit zehn Jahren vertritt der Anwalt die Drogeriekette in allen rechtlichen Belangen und entschärfte dabei Konflikte mit der Gewerkschaft rund um gesetzeswidrige Arbeitsbedingungen. Verschwiegenheit war ei- ne der obersten Prämissen für den Job, Kontakt zu den Medien tabu.

Doch nun ist er das Sprachrohr Schleckers hierzulande. Und tritt als solches gegen den Abwärtssog an, der den Konzern erfasste. Dieser sei in Österreich allein überlebensfähig, wird er nicht müde zu betonen, berichtet von tragfähiger Grundlage und der Chance, recht bald wieder gute Gewinne zu verdienen. Was ihn weiters positiv stimmt: "Es gibt Gespräche mit Interessenten." Mehr verrät er nicht.

Ideal-Investoren

Nur soviel: Ideal wären Investoren aus dem Handel, die die Filialen am Land nutzten und um eigene Sortimente ergänzten, etwa um Grundnahrungsmittel. Auch Österreich allein sei für die Industrie ein wichtiger Geschäftspartner.

In die Causa involvierte Handelsexperten schütteln darob den Kopf: Keiner wisse von konkreten Angeboten für die gesamte Gruppe, geschweige von Interessenten für die Österreich-Tochter, bei der sich die Lage noch diffuser darstelle: Übernahmeprozesse dieser Größenordnung würden nicht so abgewickelt. Dass sich jetzt noch ein weißer Ritter für Österreich finde, sei unrealistisch, so der Tenor der Branche. Wenn es Käufer gebe, dann nur, um das Unternehmen zu filetieren und verwerten.

Schlecker Österreich kauft nunmehr beträchtliche Teile der Waren nicht mehr über die deutsche Zentrale ein, sondern direkt. Allein über die Eigenmarken besteht aber hohe Abhängigkeit vom Mutterkonzern. Über das Interesse der Industrie, Schlecker zu unterstützen, um nicht von dm, Bipa und Müller alleine abhängig zu sein, herrscht Uneinigkeit. Keiner wolle sich nur noch drei Kunden ausliefern, sagen die einen. Die Margen seien bereits so dünn, dass die Bereitschaft, Schlecker finanziell entgegen zu kommen, überschätzt werde, meinen die anderen.

Zeit rennt

Die Zeit rennt. Am kommenden Freitag läuft die Galgenfrist ab, die die drei größten Gläubiger dem Insolvenzverwalter gaben. Liegt bis dahin kein verbindliches Angebot vor - etwa von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen oder US-Investor Cerberus - muss Schlecker den Betrieb einstellen. 14.300 Jobs stehen auf dem Spiel.

300 Millionen Euro soll der geforderte Kaufpreis betragen, wird kolportiert. Es ist die Summe, die Euler Hermes als größter Gläubiger und Kreditversicherer für Warenlieferung absicherte. Die Entscheidung über den Bestand des Drogerieriesen hänge in erster Linie von ihm ab, schreibt die Financial Times Deutschland. Berggruen soll bisher weniger als die Hälfte geboten haben. Die Risiken für Euler Hermes seien hoch, letztlich könne der Schaden für ihn bei ei- ner Zerschlagung geringer sein.

Ohne Gesamtinvestor fällt auch die Österreich-Tochter in die Insolvenzmasse. Ein Teilverkauf sei vorstellbar und spüle Geld in die deutschen Kassen, sagt Gerhard Weinhofer von der Creditreform. Aber auch er zweifelt an Interessenten aus dem Handel. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 30.5.2012)

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    Sperrt Schlecker zu, fällt der Drogeriemarkt gänzlich in die Hand weniger Konzerne.

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