Bessere Kommunikation als Folge von Amokläufen

29. Mai 2012, 21:27
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Metalldetektoren und Wächter sind 13 Jahre nach Littleton nur selten zu sehen

13 Jahre ist es her, dass Eric Harris und Dylan Klebold in die Columbine High School marschierten und zwölf Schüler und einen Lehrer umbrachten, bevor sie sich erschossen. Das Blutbad von Littleton im US-Bundesstaat Colorado ließ den Ruf nach strengeren Kontrollen laut werden. Heute stellen Experten ernüchtert fest, dass sämtliche Vorschläge rasch an ihre Grenzen stoßen.

Mancherorts ließen besorgte Direktoren Metalldetektoren aufstellen, um zu verhindern, dass Waffen in die Klassenzimmer geschmuggelt wurden. Die meisten sind wieder verschwunden - Amokläufer reihen sich nicht in eine Warteschlange ein. Wächter, die mit gut sichtbarer Waffe Patrouille laufen, sind ebenfalls selten zu sehen.

Ins Zentrum rückt der Versuch, früh zu erkennen, wenn ein Heranwachsender abzudriften beginnt. Lehrer sollen melden, wenn sie offene oder versteckte Drohungen erkennen. Meist wird dann ein Psychologe eingeschaltet.

Kontrast zwischen Theorie und Praxis

Doch was in der Theorie funktioniert, geht in der Praxis oft schief. Den markantesten Beweis lieferte Seung-Hui Cho, der im April 2007 auf dem Campus der Virginia Tech University 32 Menschen erschoss. Hochschullehrer waren irritiert von den abstrusen Gewaltparolen, die sich wie ein roter Faden durch Chos Essays zogen. Konsequenzen blieben aus.

Was sich seit Columbine verbessert hat, ist die Kommunikation. Sobald Direktoren oder Polizisten Gefahr im Verzug sehen, senden sie SMS auf die Handys ihrer Schutzbefohlenen, Notfallpläne wurden adaptiert.

Der Kern des Problems aber bleibt ausgespart: die Leichtigkeit, mit der sich ein Gewehr erwerben lässt. Zwar starten Waffenhändler bei jedem Kunden eine Anfrage, computergesteuert bei einem Zentralregister. Die rote Lampe leuchtet aber nur auf, wenn jemand vorbestraft ist (Cho zum Beispiel war es nicht). Und selbst dann gibt es einen Schleichweg. Die Gun Shows, rustikale Flintenmessen mit hurrapatriotischem Getöse, verzichten oft darauf, Angaben zu prüfen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 30.5.2012)

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