Erblindung aufgrund von Diabetes muss nicht sein

29. Mai 2012, 17:35
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Fortschritte in Diagnostik und Therapie der diabetischen Netzhauterkrankungen

Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann Gefäßveränderungen zur Folge haben. Ein Organ, das besonders unter diesen Gefäßveränderungen leidet, ist das Auge, konkret die Netzhaut. Zuckerkranke Menschen entwickeln oftmals Sehverschlechterungen, die auch zur Erblindung führen können. "In Europa ist Blindheit, die durch Diabetes verursacht wurde, die dritthäufigste Ursache nach der altersabhängigen Makuladegeneration und dem grünen Star (Glaukom). Weltweit sind rund 2,4 Millionen Menschen durch Diabetes erblindet", so Anton Luger, Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Medizinische Universität Wien und Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG) in einer Aussendung.

Diabetische Retinopathie

Bevor es zu einer Blindheit kommt, gehen mehrere Stadien der Netzhautveränderungen (diabetische Retinopathie) voran, in denen der weitere Verlauf ganz entscheidend beeinflusst werden kann. Manchmal liegt jedoch bereits bei der Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 eine diabetische Retinopathie vor, da Typ 2 Diabetes oftmals erst nach einigen Jahren erkannt wird. Dabei kommt es zu Veränderungen und Neubildung von Blutgefäßen, die die Netzhaut versorgen. Glaskörper-Blutungen, Abheben der Netzhaut und die Erhöhung des Augen-Innendrucks können schließlich zur Erblindung führen.

"Dem Entstehen, aber auch dem Fortschreiten der diabetischen Netzhautveränderungen, kann durch optimale Blutzuckereinstellung sowie konsequentes Anstreben der vorgegebenen Blutdruck- und Blutfett-Zielwerte entgegengewirkt werden. Unbehandelt führt die Augenerkrankung im Stadium der so genannten proliferativen Retinopathie, wenn es also schon zu Gefäß-Neubildungen gekommen ist, zu schweren Folgen: jeder zweite Patient wird innerhalb von fünf Jahren blind", so Luger.

Jährliche Augenkontrollen

Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer diabetischen Augenerkrankung ist daherdie Basis zur Verhinderung von Blindheit infolge von Diabetes. Dazu empfiehlt die ÖDG allen Diabetikern regelmäßige, jährliche Kontrollen des Augenhintergrundes beim Augenarzt. Werden bei den Kontrollen Veränderungen festgestellt, sind auch schon in frühen Stadien kürzere Kontrollintervalle erforderlich, um rechtzeitig mit gezielten Therapien gegensteuern zu können. "Augen-Kontrollen sind aber auch bei vollkommener Beschwerdefreiheit erforderlich, weil die diabetische Retinopathie anfangs meist symptomlos verläuft", erklärt Luger.

Fortschritte in Diagnose und Therapie

Mittlerweile kann Patienten bei einem rechtzeitigen Besuch beim Augenarzt ein gutes Sehvermögen und somit eine entsprechende Lebensqualität über Jahrzehnte hinweg erhalten bleiben. Eine moderne Diagnosemethode zur Erkennung der diabetischen Retinopathie ist beispielsweise die Optische Kohärenztomographie (OCT). Dabei handelt es sich um eine auf Laserlicht basierende, berührungsfreie Untersuchungstechnik, bei der das Netzhautzentrum gescannt und dreidimensional dargestellt werden kann. "Diese Technologie, die aus Wien stammt und sich international etabliert hat, gibt Augenärzten völlige neue Einblicke in den Ablauf der Netzhauterkrankung und die Effekte einer Therapie", so der Mediziner Matthias Bolz von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Medizinische Universität Wien.

Auch in der Therapie von diabetischen Augenerkrankungen hat sich in den letzten Jahren viel getan. So genannte monoklonale Antikörper, die direkt in das Auge mit einer Spritze injiziert werden, haben die Behandlung diabetischer Netzhauterkrankungen revolutioniert. (red, derStandard.at, 29.5.2012)

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