In Linz beginnt's, das Scootering

29. Mai 2012, 17:00
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Es wächst eine neue Szene heran: Scootering. In Linz trafen sich ihre internationalen Größen zum Contest. Waghalsige Tricks und Airs zeigten die spektakuläre Seite des zu Unrecht belächelten Extremsports

Linz - Wenn man sich in der oberösterreichischen Bundeshauptstadt erkundigt, was denn im Jahr 2009 passierte, erhält man prompt die Antwort: "Wir waren Kulturhauptstadt Europas!" Damals wurden einige neue Besuchermagnete geschaffen. Linz war international im kulturellen Fokus. Aus dieser Zeit stammt die Linzer Skatehalle - die größte Österreichs.

Zeitsprung ins Jahr 2012. Die Zahl der Kulturtouristen ist zurückgegangen, dafür steht ein ganz anderer Event am Programm, der Jugendliche aus der ganzen Welt anlockt: ein internationaler Scootercontest. Wem die Worte "Scooter" und "Contest" in Verbindung noch gar nichts sagen, dem sei zur Erklärung kurz gesagt: Seit zehn Jahren formiert sich auf der ganzen Welt eine Szene, die den allseits bekannten " Tretroller" oder "Cityroller" anders benutzt, nämlich nach dem Vorbild von Skatern und BMX-Fahrern: für waghalsige Tricks.

Auflebender Szenesport

Und das Konzept funktioniert. Immer mehr Jugendliche lassen sich für den Extremsport begeistern. Besonders in den vergangenen zwei Jahren entdeckten viele junge Fahrer den Sport für sich.

Von vielen Skateboardfahrern wird der neue Sport belächelt. Dass er alles andere als lächerlich ist, davon konnte man sich in Linz überzeugen. Die Trendsporthalle stand am 12. Mai ganz im Zeichen von Scootering.

Zahlreich pilgerten die internationalen Scootering-Größen hierher und schreckten nicht davor zurück, viele Kilometer zurückzulegen: Da waren etwa die Elyts-Crew mit Fahrern aus Kalifornien und der Schweiz und das MGP-Team mit Jugendlichen aus Spanien und Deutschland.

Man merkt es schon beim Betreten der Halle - der Sport und die Begeisterung verbindet alle Anwesenden. Schon seit Anbeginn der Scooter-Zeit (also seit der Jahrtausendwende) dabei ist der Wiener Marko Szabo. Der 23-Jährige erlebte die Geburt des Sports mit und ist heute noch in dem Bereich tätig. "Es geht um den Spaß, die Kreativität. Die Szene ist echt familiär", sagt Szabo. Er erzählt, dass der Sport sehr verbindet: "Man lernt viele neue Leute aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kennen." Und die Weitgereisten heizten ein. Trotz des regnerischen Wetters draußen stand in der Trendsporthalle die heiße Luft.

Airs, Flow und Style

Das Publikum fieberte dem Bewerb der Profis entgegen. Sie haben sich ihre Sporen schon verdient und präsentieren nun im Dienst verschiedener Marken ihr Können. Die Bandbreite reichte von hohen Airs bis zu technisch schwierigen Tricks. Die Faktoren Höhe, Flow, Schwierigkeit und Style fließen in die Bewertung der Jury ein. Oft ist es schwer, schon vor dem Contest einen Favoriten zu benennen, denn alles hängt von der Meinung der Judges ab - ähnlich wie bei Wettbewerben wie dem Vienna Air King, wo Montainbikes durch die Luft fliegen, oder dem Air & Style in Innsbruck, wo Snow- und Skateboarder ihre Tricks zeigen.

Auch schon seit einigen Jahren dabei ist Max Kernmayer. Er verbindet damit seine zwei Leidenschaften: Fotografie und Extremsport. Besonders Wettbewerben wie dem in Linz kann er einiges abgewinnen: "Ich finde solche Contests wichtig, da sie die ganze lokale Szene zusammenbringen, internationale Pros anlocken und Aufmerksamkeit auf unseren Sport ziehen, der noch nicht bekannt ist."

Apropos lokale Szene: In Linz sind die heimischen Fahrer gut unterwegs. Am Ende schaute für den jungen "Local" Tobias Mayer aber nur der dritte Platz heraus.

Er ist trotzdem guter Dinge, denn seine Nachbarn auf den Podiumsplätzen können sich sehen lassen: Die internationalen Gäste Benjamin Friant aus der Schweiz und Petr Macháchek aus Tschechien besetzten die ersten zwei Plätze auf dem Stockerl. (David Tiefenthaler, DER STANDARD, 30.5.2012)

  • "This guy is crazy!" - Diesen Satz hörte man in Linz im Laufe des 
Scooter-Wettbewerbs dank der internationalen Fahrer und des hohen 
Tricklevels mehr als nur einmal.
    foto: david tiefenthaler/max kernmayer

    "This guy is crazy!" - Diesen Satz hörte man in Linz im Laufe des Scooter-Wettbewerbs dank der internationalen Fahrer und des hohen Tricklevels mehr als nur einmal.

  • Artikelbild
    foto: david tiefenthaler/max kernmayer
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