Kritiker ziehen düstere Bilanz der Ära Ackermann

29. Mai 2012, 15:39
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NGOs werfen dem scheidendem Bankenchef unsaubere Geschäfte vor

Frankfurt/Berlin - Kurz vor dem Abtritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann haben Kritiker eine vernichtende Bilanz seines zehnjährigen Wirkens gezogen. "Ackermann hat in seiner Amtszeit viel geackert, aber er hat das erklärte Ziel, ein intaktes Haus zu hinterlassen, verfehlt", urteilte Barbara Happe von der Initiative "Andere Banken braucht das Land" am Dienstag in Berlin.

Das Bündnis von Nichtregierungsorganisationen wirft dem größten deutschen Geldhaus unter anderem unsaubere Geschäfte mit der Rüstungsindustrie vor. Zudem sei die Bank über Agrarspekulationen mitverantwortlich für den Hunger in der Welt. "Rüstung, Kohle, Atom, Agrarspekulationen - letztlich ging es immer um Profitmaximierung", bilanzierte Happe. "Es gibt zahlreiche Selbstverpflichtungen, aber der Praxistest zeigt, dass es nicht stimmt."

Ruf auf dem Spiel

Ackermann hatte wiederholt betont: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen." Die Deutsche Bank in Frankfurt verweist auf jüngste Weichenstellungen. Wenige Monate nach dem Auftritt eines Streubomben-Opfers bei der Hauptversammlung des Konzerns im Mai 2011 kappte die Bank sämtliche Geschäftsbeziehungen auch zu Unternehmen, die neben anderen Produkten auch international geächtete Waffen wie Streubomben herstellen.

Zum Thema Agrarrohstoffe kündigte die Bank im März 2012 an, sie werde "in diesem Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen". Gleichzeitig analysiere eine Arbeitsgruppe weiter intensiv "Ursachen und Auswirkungen stark schwankender und vor allem steigender Preise für Agrarrohstoffe".

Die geballte Kritik von Organisationen wie Foodwatch, Urgewald und dem Dachverband der Kritischen Aktionäre vom Dienstag ist ein Vorgeschmack auf die Hauptversammlung der Deutschen Bank an diesem Donnerstag (31.5.): Ackermanns letzter Auftritt als Deutsche-Bank-Chef. Nach zehn Jahren im Amt (Mai 2002-Mai 2012) übernehmen nach dem Aktionärstreffen seine Vorstandskollegen Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Führung des Dax-Konzerns. (APA, 29.5.2012)

  • Aus dem Scheinwerferlicht: Josef Ackermann hat am kommenden Donnerstag seinen letzten Auftritt als Deutsche-Bank-Chef.
    foto: epa/steffen schmidt

    Aus dem Scheinwerferlicht: Josef Ackermann hat am kommenden Donnerstag seinen letzten Auftritt als Deutsche-Bank-Chef.

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