Athens Linken-Chef will weiter Schulden aufkündigen

29. Mai 2012, 15:19
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Tsipras sieht Sparpolitik als "falsches Medikament" an - Forderung nach Marshall-Plan für Südeuropa

Athen/Wien - Im Falle eines Wahlsiegs am 17. Juni wird Alexis Tspiras das Sparabkommen zwischen Griechenland und der EU-Kommission, Zentralbank und IWF aufkündigen. Das betonte der Chef der griechischen Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) in einem Interview mit "stern.de". "Die Sparpolitik hat sich als falsches Medikament der Therapie erwiesen. Nicht nur für Griechenland, auch für Portugal, Spanien und Italien."

Der 37-Jährige warnte vor einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. "Die Euro-Zone stellt eine Kette aus 17 Gliedern dar. Geht eines kaputt, schadet das der ganzen Kette. Europa befindet sich am Scheideweg - wie nach der Krise 1929, die es auf sehr dunkle Wege geführt hat."

Kalter Krieg

Tspiras vergleicht die derzeitige Lage in Europa mit der Situation im Kalten Krieg. "Beide Seiten halten Atomwaffen in den Händen. Unsere Kreditgeber besitzen als Atomwaffe die Einstellung ihrer Zahlungen. Wir dagegen drohen damit, die Begleichung der unserer Staatsschulden zu stoppen. Allen ist aber bewusst, drückt einer auf den roten Knopf, dann gibt es keine Sieger. Nur Verlierer." Daher glaubt der Politiker, dass selbst ein Scheitern des Sparprogramms nicht das Ende der Kreditzahlungen an Griechenland ist.

Tspiras fordert für sein Land und andere südeuropäische Länder eine Art Marshall-Plan sowie die Ausgabe von Eurobonds. Gleichzeitig möchte er strukturelle Reformen in Griechenland auf den Weg bringen. Der deutschen Kanzlerin Angela Merkel wirft er vor, dass sie an der falschen Politik festhalte und Europa damit in Schwierigkeiten bringe. "Die deutsche Kanzlerin hat eine enorme historische Verantwortung hat. Nicht nur für das deutsche Volk, sondern für alle Völker Europas." (APA, 29.5.2012)

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