Trübe Stimmung bei Goldinvestoren

31. Mai 2012, 08:42
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Das Edelmetall hat an Glanz verloren, ausgeprägte Dollarstärke und ein Streik in Indien schickten den Preis in den Keller

Wien - Die Stimmung am Goldmarkt war zuletzt arg getrübt. Im September 2011 hatte der Goldpreis mit 1.920 Dollar ein Rekordhoch erreicht. Bei 1.548,75 Dollar je Feinunze liegt derzeit der Preis. Weil Gold in Dollar gehandelt wird, wird das Edelmetall für Anleger aus Euroländern günstiger, wenn der Euro gegenüber dem Dollar steigt. Das ist derzeit keineswegs der Fall. Ein steigender Dollar-Kurs macht das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA hingegen unattraktiver.

Für jene, die sich in Sachen Goldpreis auf die Seite der Optimisten geschlagen hatten, ist das derzeitige Preisniveau eine herbe Enttäuschung: Bei 2.000 Dollar je Unze hat ihn der eine oder andere noch in diesem Jahr gesehen. In der weiter eskalierenden Euro-Schuldenkrise sollte der Preis vor allem eines - weiter steigen. Doch gegenüber dem Rekordhoch war die Unze vor wenigen Tagen um fast 400 Dollar billiger geworden. "Gold als sicherer Hafen", hat diese Devise ihre Gültigkeit verloren?

Profitieren von der Nachfrage

Dass Gold 2012 an Glanz verlieren wird, war von manchen Experten erwartet worden. Auch von einer Blase war unter Skeptikern die Rede. Nach einer Reuters-Umfrage von Mitte Dezember könnte der Preis sogar unter 1.500 Dollar sinken. Christoph Eibl, CEO und Partner des Schweizer Rohstoff-Hedgefonds Tiberius etwa zählt zu den Zweiflern. "Gold hat als Krisenwährung in den vergangenen zwei Jahren primär davon profitiert, dass die Anlegernachfrage sehr hoch ist. Mir sagt das: Der Preisanstieg ist überzogen, und der Goldpreis wird bestimmt fallen. Gold ist nicht mehr attraktiv", sagt Eibl im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Er rechnet eher mit 1.300 Dollar bis Ende des Jahres.

Langfristiges Ziel bleibt

Anders sieht das Ronald Stöferle, Goldanalyst bei der Erste Bank in Wien im Gespräch mit derStandard.at: "Auch wenn wir zur Jahresmitte die 2.000 US-Dollar nicht sehen werden, das langfristige Kursziel bleibt aufrecht." Die ausgeprägte Dollarstärke in den letzten Wochen und die Streiks der indischen Juweliere gegen eine Verdoppelung der Importsteuern waren für Stöferle ausschlaggebend für das Absacken des Preises. Die damit einhergehende Panikmache hinsichtlich des Goldpreises sieht Stöferle als Signal, dass sich die Korrektur schon dem Ende nähere. "Wenn man den Goldpreis in Euro anschaut - und das ist hierzulande der relevante Preis - ist de facto ohnehin nichts passiert. Wir sind jetzt knapp sieben Prozent unter dem Allzeithoch. Das ist eigentlich eine sehr kleine Korrektur."

Generell sieht Stöferle wenig Gründe für ein Ende des Bullenmarktes. Für den Experten bleiben weiterhin der mit Abstand wichtigste Faktor die Realzinsen. "Derzeit sind wir nicht nur in der Eurozone, sondern auch in den USA und was noch wichtiger ist, in den meisten asiatischen Nationen, wo ein Großteil der Nachfrage herkommt, im negativen Bereich. Solange die Realzinsen nicht bei ca. drei bis vier Prozent liegen, macht es Sinn, Gold zu halten." Folgerichtig hält Stöferle "relativ entspannt" an seiner zu Jahresbeginn aufgestellten Prognose fest und rechnet längerfristig mit 2.300 Dollar pro Unze. "Ob das 2013 oder 2015 ist, ist aber schwer zu sagen." (Regina Bruckner, derStandard.at, 31.5.2012)

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