Geldspritze für Griechen-Banken wohl bald weg

29. Mai 2012, 14:22
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Analysten von Raiffeisen Research befürchten, dass griechische Sparer das Geld binnen Tagen abziehen und außer Landes schaffen

Wien - Von einem Nervenkrieg vor den griechischen Parlamentswahlen am 17. Juni sprechen die Experten von Raiffeisen Research. Die 18 Hilfsmilliarden, die die griechischen Banken mit gestriger Anordnung vom Euro-Rettungsfonds EFSF ausbezahlt bekamen, könnten bald wieder weg sein - abgezogen von beunruhigten Sparern und möglicherweise wieder außer Landes.

In den en masse durchgeführten Umfragen lieferten einander die beiden Wahlsieger vom 6. Mai ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mal lägen die Konservativen vorn, mal die Linksradikalen. Dass Umfrageinstitute zuletzt am Sonntag die Konservativen mit leichten Vorteilen sahen, würde bedeuten, dass sich nach derzeitigem Stand eine Koalition zwischen den reformwilligen Parteien Nea Dimokratia und Pasok ausginge, schreibt Raiffeisen-Analyst Jörg Angele am Dienstag. Allerdings, so schränkt er ein, hätten sich auch die im Vorfeld des ersten Wahlgangs Anfang Mai durchgeführten Meinungsumfragen als wenig treffsicher herausgestellt.

Spannung

"Für Spannung bis zum Schluss bleibt also gesorgt. In der Zwischenzeit ziehen die Griechen unablässig Geld aus dem Finanzsystem ab und bringen es im Ausland in Sicherheit", so der Analyst. Die Funktionsfähigkeit des griechischen Bankensystems sei damit nicht mehr gegeben.

"Die Kapitalspritze von 18 Mrd. Euro, die den Banken gestern aus dem zweiten Griechenland-Hilfspaket gewährt wurde, ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es steht zu befürchten, dass dieses Geld binnen Tagen von den griechischen Sparern abgezogen und außer Landes geschafft wird."

Spanien im Krisenstrudel

Unterdessen türmten sich die Probleme in Spanien immer weiter auf. Letzte Woche sei klargeworden, dass sich die spanische Regierung mit ihrer Einschätzung zum Kapitalbedarf des angeschlagenen Bankensystems völlig verkalkuliert habe. Statt 15 Mrd. Euro, die man zur Stabilisierung des gesamten Bankensystems veranschlagt habe, brauche nun allein die viertgrößte und inzwischen teilstaatliche Bankia 19 Mrd. Euro. Für drei weitere verstaatlichte Institute sollen noch einmal 30 Mrd. Euro fällig werden. "Und es ist nicht klar, ob diese Summen ausreichen werden", gibt der Experte in Wien zu bedenken.

Zur Rekapitalisierung der Institute sind Staatsanleihen in Rede, die die Banken dann bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen frisches Geld hinterlegen können. Zwar lehne die spanische Regierung die Inanspruchnahme von EU-Hilfen offiziell weiter ab. Es wird aber auf die Zeitung "El Mundo" unter hier wieder unter Berufung auf Regierungskreise verwiesen, wonach hinter den Kulissen bereits über diskutiert werde, den Eurorettungsschirm EFSF um Hilfsgelder zu bitten. "Wir halten einen solchen Schritt in den nächsten Wochen für wahrscheinlich", schreibt der Raiffeisen-Analyst.

Das alles sind Belastungsfaktoren für den Euro. Dazu komme, dass die europäische Währung unter der anhaltenden Eintrübung der Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum leide. Der Euro dürfte noch weiter an Boden verlieren, bei einem "positiven" Wahlausgang in Griechenland aber dann kurzzeitig stark zulegen, glaubt Angele. Wegen der grundsätzlichen Probleme im Euroraum dürfte die Erholung bis Jahresende aber nicht so stark ausfallen wie bisher erwartet. Raiffeisen sieht den Euro/Dollar-Kurs Ende Juni bei 1,25 und ab September bis Dezember bei 1,28. (APA, 29.5.2012)

  • Die griechischen Banken haben 18 Milliarden an Kapitalspritze aus dem zweiten Hilfspaket erhalten. Analysten sind skeptisch, ob es lange in den Banken bleiben wird.
    foto: epa/orestis panagiotou

    Die griechischen Banken haben 18 Milliarden an Kapitalspritze aus dem zweiten Hilfspaket erhalten. Analysten sind skeptisch, ob es lange in den Banken bleiben wird.

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