Kritik an oe24.at-Liveticker: Begräbnis "absolutes Tabu"

29. Mai 2012, 22:03
  • Heftige Kritik an Liveticker: "Die Mienen der Trauernden sind schmerzverzerrt", war am Dienstag auf oe24.at zu lesen.
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    Heftige Kritik an Liveticker: "Die Mienen der Trauernden sind schmerzverzerrt", war am Dienstag auf oe24.at zu lesen.

  •  Kerzen und Zeichnungen vor dem Eingang zur Volksschule Wagram in St. Pölten.
    foto: apa-foto: roland schlager

    Kerzen und Zeichnungen vor dem Eingang zur Volksschule Wagram in St. Pölten.

Presserat-Geschäftsführer Warzilek: "Etwas massiv danebengegangen" - Fellner: "War nicht informiert" - Microsoft und bet-at-home.com setzen Werbeschaltung aus - oe24.at entschuldigt sich bei Usern

"Österreich" hat am Dienstag das Begräbnis des von seinem Vater getöteten Buben in St. Pölten live getickert und dafür heftige Kritik auf Twitter geerntet. "oe24 macht Liveticker zum Begräbnis eines Kindes. Wolfgang Fellner muss geächtet werden. Von allen, die in unserer Branche Geld verdienen", twitterte ORF-USA-Korrespondent Hanno Settele.

"Fellners 'live-ticker' vom Begräbnis des kleinen Mordopfers ist wirklich das Letzte. Der Mann hat jede Pietät und allen Respekt verloren", meinte Florian Klenk. "Wolfgang Fellner? Ein Schweinderl, das alles macht", so der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung "Falter". "Es ist ganz einfach: Das will niemand lesen. Und wer so etwas lesen will, soll nicht bedient werden", fasste "ZiB 2"-Moderatorin Lou Lorenz zusammen.

Presserat-Geschäftsführer: "Etwas massiv danebengegangen"

Auch Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Österreichischen Presserates, übte Kritik an der Liveticker-Aktion: "Man sieht, dass hier etwas massiv danebengegangen ist." Das sei seine persönliche Meinung und kein Vorgriff auf eine mögliche Entscheidung des Senats. Warzilek ortet einen postmortalen Eingriff in die Privatsphäre des Buben und auch einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen. "Die Trauerarbeit wird dadurch negativ beeinflusst", so Warzilek.

Begräbnis "absolutes Tabu"

Noch deutlicher wird Medienanwältin Maria Windhager (sie vertritt auch den STANDARD): "Ein Begräbnis ist ein klassischer Fall von Privatsphäre, die in der Öffentlichkeit stattfindet. Es ist ein absolutes Tabu, dort einzudringen, es sei denn, die Medien werden speziell zugelassen. Sich dem über einen Liveticker zu nähern ist genauso unzulässig und verpönt. Aus medienethischer Perspektive ist es selbstverständlich, dass man diesen Bereich achtet." Medienanwalt Alfred Noll: "Medienrechtlich ist das - leider - unbedenklich. Derlei wäre aber Anlass für den Gesetzgeber, den Umfang des Persönlichkeitsschutzes zu überdenken."

Fellner ließ Ticker einstellen: "Nicht adäquat"

Er sei über den Liveticker nicht informiert gewesen, sagte Wolfgang Fellner. "Als ich davon erfahren habe, habe ich den Ticker sofort einstellen lassen." Der Liveticker selbst habe "sicher nicht in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen eingegriffen. In dem ganzen Ticker steht wörtlich nichts anderes als auch in den APA-Meldungen oder den Berichten anderer Online-Medien", so Fellner. Er  persönliche halte einen "Liveticker von einem Begräbnis in diesem Fall, da es sich um ein Kind handelt, für nicht adäquat".

Fellner weiter: "Ich darf aber festhalten, dass etwa TV-Übertragungen von Begräbnissen weltweit üblich sind - und es sich in diesem Fall um eine öffentliche Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern gehandelt hat, die bewusst als öffentliches Ereignis organisiert war. Wenn man die Pietät streng auslegt, dürfte der ORF am Abend auch keine Bildberichte vom Begräbnis senden. Herr Settele hat ja die Möglichkeit, sich in seinem Haus für die Nichtausstrahlung der Bildberichte heute Abend einzusetzen."

Dienstagabend hieß es schließlich in eigener Sache: "oe24 entschuldigt sich bei seinen Usern". Man wolle bei Livetickern künftig "in verantwortungsvoller Form auf Pietät, Trauer der Betroffenen und journalistische Verantwortung" Rücksicht nehmen.

Werbekunde reagierte

Microsoft-Sprecher Thomas Lutz kündigte per Twitter an, Schaltungen auf oe24.at aus Anlass des Livetickers zu mit sofortiger Wirkung auszusetzen. Es gehe darum, "ein Zeichen zu setzen", dass Medien ein Höchstmaß an Pietät bei der Berichterstattung zeigen sollten. Auch bet-at-home.com reagiert, " bedauert die unglückliche Werbe-Platzierung auf und setzt diese mit sofortiger Wirkung aus." twittert der Wettanbieter, "sämtliche Ads" seien bereits storniert worden.  (fid/sb/ae/om, derStandard.at/STANDARD, 29.5.2012)

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das zombie-blatt

berichtet über ein begräbnis

Diese twitterwurscht nervt! Und permalinken geht auch nicht!

Kann man diesen Storify-Dreck bitte irgendwie deaktivieren? Bei jedem Wechsel auf eine neue Kommentarseite ladet es sich komplett neu und schiebt sich in den Vordergrund.

A) Warum sind alle so überrascht? Ist ja nur eine Frage der Zeit gewesen. Und da geht in Zukunft sicher noch "mehr".

B) Rührend finde ich, wie sich da die ganzen Mainstreamjournalisten hier künstlich über Fellner empören. Dabei gehören sie alle zum selben Milieu. Wenn nicht dann wäre sie nämlich keine Mainstreamjournalisten. Es macht sie nur fertig, das Fellner dem ganzen "professionellen" Journalismus die Maske vom Gesicht reißt, und zeigt was sie alle miteinander wirklich sind. Deswegen kreischen sie jetzt alle so hysterisch.

meine güte

das glauben sie wirlich?

das ist ja erbärmlich!

Wer glaubt dieser ganzen Fellner/Pelinka Partie noch (und den ORF wollten sie auch noch übernehmen). Alles voll geplant. War wie bei den ersten Palmas Plakaten. Heute regt sich auch keiner mehr darüber auf.

Palmas Plakate?

Und Urlaub machst du sicher in Palmers de Mallorca?

Finde ich auch pietätlos - und von Oe24 kann man sich ja nichts anderes erwarten...

...aber stellt sich die Frage, weshalb so manch ein Begräbnis sogar im Fernsehen live übertragen wird? OK, bei dem einen oder anderen mag es sich um angebliche Berühmtheiten handeln, aber unterm Strich kommt es aufs selbe heraus. Wieso macht es - objektiv gesehen - einen Unterschied, ob es ein ermordetes Kind oder ein vergifteter Michael Jackson oder eine zu Tode geraste Diana ist?

ich finde prinzipiell liveübertragungen von begräbnissen sind fürn a****. aber die österreich hat da noch einen großen batzen an pietätlosigkeit draufgelegt.

da gibt es nur eines, OE24 nicht kaufen!

Nicht anklicken, more like...

Ist eh gratis ...

... weil's keiner kauft

Die wird ja am Sonntag nicht einmal aus den Zeitungsständern gefladert.

wie weit muss ich denn noch runterscrollen das ich zu den standard-kommentaren komme? twitter blödsinn is mir doch egal hier!

das Wort "Schmierfink" trifft's nicht mal annähernd...

Den Rest des Postings erspar ich mir, da es sonst wieder nicht durch die Zensur geht.

Wo bitte ist der Unterschied zu einer Trauung, einer Taufe, einem Geburtstag...

Gehört alles zu Leben. Und wenn man auf neue Medien steht, dann muss man zur Kenntnis nehmen, dass halt nix mehr "privat" ist.

Die grundsätzliche Frage allerdings ist, ob die Trauergäste in ihrer Trauer gestört wurden.

Ob einer "Liveberichtertattung" die Gäste bei welch Veranstaltung auch immer zu stören, das geht nicht.

Und mal abgesehen davon, wer liest schon "Österreich"?

wurden sie

für dieses posting vom fellner bezahlt?

Nö. Ich bin der Überzeugung. Aber glauben Sie, der Fellner würde zahlen? *ggg*

"...es sich in diesem Fall um eine öffentliche Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern gehandel..."

ja geht's dem noch gut??

Gute Nachricht: Bald gibt es einen Liveticker zum Begräbnis von Fellners "Österreich".

Nächsten Sonntag schnapp ich alle Ö-Zeitungen vom Verkaufsständer und schmeiße sie ins Altpapier. Ohne zu zahlen.

Wer macht mit?

Guter Ansatz - NUR

haben die dann ja eine ERWEITERTE Lesergruppe - da alle Zeitungen entnommen worden sind

das brauchen sie nicht..

machen eh genug andere, gehen sie mal ubahn fahren.

nach dem fortgehen mach ich das so schon immer wieder^^

Das ist das Problem: die ÖSTERREICH muss liegen bleiben, damit dann auch die Auflagenzahlen stagnieren. Wenn man sie nimmt und umgehend in den Papierkorb wirft, zählt das zur ihrer Auflage dazu. D.h. mehr Einnahmen durch Werbende.

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