ÖVAG mit Gewinn

29. Mai 2012, 12:57
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Die Rumänien-Tochter weist allerdings einen Verlust aus. Die Chefsuche dauert unterdessen länger

Die seit Ende April teilverstaatlichte Volksbanken AG (ÖVAG) weist für das erste Quartal 2012 ein positives Vorsteuerergebnis von 38,9 Mio. Euro (Vorjahr: 59,2 Mio. Euro) aus und ein Konzernperiodenergebnis (Nettogewinn) von 22,2 Mio. Euro (Vorjahresquartal: 50,2 Mio. Euro). Die Zwischenbilanz nach den ersten drei Monaten ist aber nicht mit den Vorjahreswerten vergleichbar.

Weil heuer am 15. Februar die Volksbank International (VBI) an die russische Sberbank verkauft wurde, war die ÖVAG Ende März schon viel kleiner als ein Jahr davor.

Rettungsaktion im April

In den ersten Monaten 2011 hatte die ÖVAG noch Gewinne ausgewiesen, bevor im zweiten Halbjahr Milliardenabschreibungen einsetzten, die einen Rekordverlust brachten, der allein nicht mehr bewältigt wurde. Heuer im April musste die ÖVAG mit Hilfe der Republik gerettet werden. Mit einem Kapitalschnitt wurden die Verluste abgebaut.

Nicht im Ost-Paket an die Russen verkauft wurde die Volksbank Rumänien. Sie war in der ÖVAG-Bilanz zu Jahresende auf Null abgewertet worden und ist jetzt nur mit dem Beteiligungsansatz bilanziert. Der Vorsteuerverlust der Rumänien-Tochter lag bei 7 Mio. Euro im ersten Quartal 2012. "Ursprünglich war man von einem größeren Verlust ausgegangen", schreibt die ÖVAG im Quartalsbericht. Insbesondere die Abarbeitung der Problemkredite sei über den Erwartungen gelaufen, wodurch der Anstieg der regulatorisch geforderten Risikovorsorgen deutlich unter Plan verlaufen sei.

Kreditrisikovorsorgen halbieren sich

Unter anderem als Effekt der Umstrukturierung haben sich die Kredit-Risikovorsorgen des ÖVAG-Konzerns im Erstquartal heuer auf 22 Mio. Euro mehr als halbiert.

Die Zahlen zum Quartal belegten nach Angaben der Bank vom Dienstag, dass die Stabilisierungsmaßnahmen - Kapitalschnitt und Kapitalerhöhung rückwirkend zum 31. Dezember 2011 sowie Verkauf der VBI, Verkauf der Beteiligungen an den Victoria Volksbanken Versicherungsgesellschaften und Verkauf der Selini Holding (ein letzter Rest der Immo-Europolis) - "greifen und zu einer deutlichen Stärkung des Kapitals beitragen".

Die bankrechtlichen Eigenmittel des ÖVAG-Konzerns wurden per März mit 3,2 Mrd. Euro beziffert. In die Berechnung sind schon die rückwirkenden Kapitalmaßnahmen (Kapitalschnitt und Kapitalerhöhung) einbezogen.

Die ÖVAG-Bilanzsumme lag zum 31. März bei 31,6 Mrd. Euro. Durch den Verkauf der Osttöchter in der VBI fielen 8,8 Mrd. Euro weg.

Chefsuche dauert länger

Die Neubesetzung der Vorstandsspitze der seit Ende April teilverstaatlichten Volksbanken AG (ÖVAG) dauert nun doch länger. Der vor drei Wochen als Berater hinzugezogene Head Hunter Korn Ferry hat in den heutigen Tageszeitungen die Position des "Generaldirektors" (CEO/CFO) und einen "Vorstand Verbundstruktur/COO" für die ÖVAG inseriert. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni.

Ursprünglich war für die heutige Aufsichtsratssitzung ein Statusbericht über die mögliche Vorstandszusammensetzung erwartet worden. Letzte Woche war dann davon Rede, dass sich der Aufsichtsrat zur Ausschreibung entschließen dürfte. Die Ausschreibung war nun schon heute in den Wirtschaftsteilen der großen Zeitungen nachzulesen.

Der Fast-Zusammenbruch der ÖVAG, die nur mit staatlicher Hilfe aufgefangen wurde, hat im April erste Rochaden nach sich gezogen. Der Aufsichtsrat wurde ausgewechselt. Neuer Bankpräsident ist seither Hans Jörg Schelling. Schon um seine Wahl hatte es im Vorfeld heftige politische Debatten gegeben. Schelling war der Kandidat der VP-Finanzministerin und der Volksbanken, die SPÖ wollte Gertrude Tumpel-Gugerell und nach deren Absage Franz Zwickl an der Spitze des Kontrollgremiums sehen. Zwickl ist jetzt Vizepräsident.

Der Kandidat der Finanzministerin für den ÖVAG-Vorstandschef (CEO/CFO) ist der frühere langjährige BAWAG-PSK-Vorstand und heutige Fimbag-Aufsichtsrat Stephan Koren. Die Volksbanken wollen als "Vorstand Verbundstruktur/COO" Rainer Borns vom Genossenschaftsverband.

Die Erwartungen

Vom künftigen Bankchef wird laut Ausschreibungstext jedenfalls u.a. folgendes Profil erwartet : "Langjährige Erfahrung im Topmanagement von Banken, sehr gute Kenntnisse des österreichischen Finanzmarktes, Erfahrungen in der Umsetzung von Restrukturierungen" und schließlich "exzellente Gestaltungs- und Motivationsfähigkeit".

Der neue Vorstand Verbundstruktur/COO wiederum braucht "mehrjährige Managementerfahrung im Banken- und Finanzbereich, fundierte Kenntnisse genossenschaftlicher Strukturen und Kenntnisse und Erfahrungen in der Weiterentwicklung von Verbundstrukturen". Neben Erfahrung in der Konzeption/Umsetzung von Organisations- und/oder IT-Projekten wird vom neuen COO auch "ausgeprägte Sozialkompetenz mit hoher Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft" erwartet.

Seit 1. Mai führt der frühere Vize Michael Mendel die Bank als Interims-Chef. (APA, 29.5.2012)

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