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Sigrid Kirchmann
Schlierbach - "Je älter ich werde, desto lieber erinnere ich mich an die Vergangenheit. Es war eine wunderschöne, traumhafte Zeit, die ich im Sport verbringen durfte." Das neue Leben der Sigrid Kirchmann freilich ist auch nicht schlecht. Sie serviert Käse vom Bauern, frisches Gebäck und Kaffee. Vom Garten ihres Hauses in Schlierbach hat man einen wunderbaren Blick auf das hier breite Kremstal. Laura (5) eilt mit der Gießkanne von Blumentopf zu Blumentopf. Lisa (7) befindet sich in der Schule.
Die Mama, die schon laufen war in der Früh, hat gut zwei Stunden Zeit, über das Leben zu plaudern, das verflossene im Spitzensport und das gegenwärtige in der Familie. Laura macht am Nachmittag mit dem Kindergarten eine Exkursion nach Linz ins Brucknerhaus. Auf Sigrid Kirchmann (46) wartet der Job. Sie unterrichtet Turnen an den berufsbildenden Schulen in Kirchdorf. Geografie-Stunden hält sie heuer keine, die werden aber wieder dazukommen. "Der Turnunterricht ist für mich keine Arbeit, sondern Hobby, Leidenschaft, Liebe." Sie unterrichtet nur zehn Stunden in der Woche. "In der übrigen Zeit organisiere ich das Haus, den Haushalt, die Kinder, den Mann."
Naturgemäß plaudert man über ihren großen Tag, den 21. August 1993. Es ist ein Samstag und passiert in Stuttgart. Kirchmann gewinnt mit der heute noch gültigen österreichischen Rekordmarke von 1,97 Metern WM-Bronze im Hochsprung. Es handelt sich um die erste österreichische Medaille bei einer Freiluft-WM.
Nachher gibt's eine kleine Feier. Jürgen Ortner ist schon dabei, ihr damaliger Lebensgefährte und heutiger Ehemann. DER STANDARD auch. Und man erinnert sich an die Mostbirnen, die den Beginn ihres sportlichen Weges markieren. In Ebensee am Traunsee, wo sie aufgewachsen ist. "Es waren richtige Mostbirnenschlachten mit den Nachbarskindern. Man musste auch flink sein. Die Birnen sind ja sehr hart. Wenn man getroffen wird, tut es echt weh. Das hat die Beweglichkeit gefördert." Mit neun Jahren wirft sie den Schlagball 44 Meter weit. Und mit den Buben spielt sie Fußball.
Das Kind kommt in den Sportverein, zur Union Ebensee, der sie heute noch angehört. "In Österreich", sagt sie, "ist alles nur Zufall." Und der will es, dass bei der Union ein engagierter Trainer werkt, Günther Lemmerer. Er ist vor zwei Jahren unverschuldet bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. "Das hat mich sehr getroffen. Ohne Günther hätte es mich nicht gegeben." Zum Spaß an der Bewegung gesellt sich der Ehrgeiz. Und aus der Allrounderin, die "aus der Laune heraus" 1985 den - bis vor zwei Tagen gültigen Rekord im Siebenkampf (5944 Punkte) fixiert, wird eine Hochspringerin.
Zwei Erlebnisse wirken als Triebfedern. 1982 wird sie in Lille bei der Gymnasiade als 16-Jährige mit 1,82 m Zweite. Und 1984 befindet sie sich unter 20 österreichischen Nachwuchssportlern, die anlässlich der Olympischen Spiele 1994 zu einem Jugendlager nach Los Angeles eingeladen werden. "Ich komm ins Stadion und seh Ed Moses laufen. Da hab ich mir gedacht, dort will ich auch hin." 1992 ist es so weit. Kirchmann wird bei Olympia in Barcelona Fünfte. "Da habe ich mir geschworen: Das nächste Mal gewinne ich eine Medaille. Und mein Wille ist geschehen." Zwar nicht bei Olympia, aber bei der WM. "Die Spiele sind pompöser, die größere Luftblase, aber die WM war besser besetzt."
In Stuttgart gibt es erstmals bei einer WM Siegesprämien. Weltmeisterinnen und Weltmeister erhalten einen Mercedes. Wie Haile Gebrselassie, der damals den ersten von vier WM-Titeln über 10.000 Meter gewinnt und mit seinem Lohn immer noch durch Addis Abeba fährt. Kirchmann bekommt wie die anderen Zweiten und Dritten nichts. Aber die Sponsorsummen steigen.
In den Neunzigerjahren gibt es in der Leichtathletik erstmals etwas zu verdienen, durch Antrittsgelder, Prämien. "Vorher war es nicht leicht", erzählt Kirchmann, die "ja aus bescheidenen Verhältnissen kommt". Vor allem für Frauen ist es nicht leicht, die dürfen damals noch nicht zum Bundesheer. "Da kriegt man die Ungerechtigkeit mit." Für die Finanzierung des Trainings sorgen der Verein, die Sporthilfe, das Land Oberösterreich, Sponsoren erwirbt man sich naturgemäß erst durch Erfolge.
"Man schummelt sich durch den Monat, kommt halbwegs über die Runden. Vor 20 Jahren habe ich gesagt: Drei Dachverbände kann sich außer Österreich kein Land der Welt leisten. Daraufhin ist der Druck so groß geworden, dass ich mich entschuldigen musste, um nicht Förderungen zu verlieren. Ich war ja in einem Abhängigkeitsverhältnis. Jetzt sag ich: Hoffentlich kommt einmal ein Sportminister und reformiert dieses System."
Kirchmann studiert in Salzburg Lehramt in Sport und Geografie in der Mindestzeit, unterrichtet auch während ihrer Karriere ein paar Stunden in der Woche, das Doktorat in Sportwissenschaften kommt später dazu. "Zwischen Training und Studium hat es kein Leben gegeben." 1996 erlebt sie den ersten sportlichen Tiefpunkt. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta reißt beim Einspringen die Achillessehne. Nach einem Jahr Therapie wird das Training immer mühseliger, der Schmerz häufiger. Das Comeback gelingt, bei der EM 1998 in Budapest springt sie auf Platz vier. Sie schafft die Qualifikation für Olympia 2000 in Sydney. Doch zwei Wochen vor den Spielen reißt die Sehnenplatte am Sitzbeinhöcker. Ende der Karriere. Erst folgt die Leere.
"Was tun mit der Zeit? Der Tag war plötzlich unstrukturiert." Der Schmerz lässt nach. Es kommt die Zeit für die Hochzeit, den Hausbau, das Kinderkriegen. Und die Struktur ist wieder da. (Benno Zelsacher; DER STANDARD, 29.5.2012)
Erich Amplatz strebte als Tischtennisspieler nach Perfektion. Er ist weit gekommen, aber erst als Guide für Fliegenfischer wird er seinen Ansprüchen vollkommen gerecht
Klaus Bodenmüller ist noch immer Österreichs einziger Mann mit einer Leichtathletik-WM-Medaille. Das Rampenlicht suchte er nie
Aus Elisabeth Bergmann, Österreichs erster Olympiateil- nehmerin in der Rhythmischen Sportgymnastik, wurde Elisabeth Salzer
Heinrich Schatzer war einst ein Star in einer Sportart, die Stadien füllte und Presse, Funk und Fernsehen beschäftigte. Heute ist er Nachwuchscoach in einer Sportart, die viele nicht einmal vom Hörensagen kennen. Und die also fragen: "Was ist Speedway?"
Sturm-Legende Manfred Steiner (63) war zwischen 1970 und 1986 der wohl am meisten gefürchtete Verteidiger im heimischen Fußball
Der Olympiasieger 1984 und 1988 coachte einen georgischen Judoka zum Olympiasieg 2012. Jetzt macht er die Aserbaidschaner fit für die Spiele 2016
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Andreas "Andy" Dittert ist Rekordtorschütze des Handballteams. Zuvor fuhr er Ski gegen Thomas Sykora. Danach stand er knapp vor einer Scheidung. Jetzt liest er "leidenschaftlich" Bibel. Handball reizt ihn wieder
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Seine Eltern wanderten von Österreich nach Kanada aus, Eddy Lebler wanderte zurück. Er wurde Publikumsliebling und Goalgetter in Klagenfurt und Villach. Auch heute lebt er in einer Seengegend
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Als Zehnjährige kam Julia Lautowa nach Österreich. Heute pendelt sie als Trainerin von Manhattan nach New Jersey
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Willi Pürstl war 1975 mit 19 Jahren der zweite Tournee-Sieger Österreichs. Es sollte sein größter Erfolg bleiben. Später verschlug es den Steirer nach Kanada. Pürstl wurde Kameramann und Geschichtenerzähler
Claus Tuchscherer (57) kombinierte für die DDR und galt nach seinem Absprung als Staatsfeind. Als österreichischer Skispringer stand er unter Spionageverdacht. Heute ist der Sozialarbeiter ein unermüdlicher Mahner.
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Nach der Karriere ist vor der Karriere. Aus dem Eisschnellläufer Michael Hadschieff wurde ein Laufbahnberater und Coach. Auch weil er sich selbst einst dachte: "Wozu brauch ich ein fertiges Studium?"
Als Schrittmacher für Roland Königshofer war Karl Igl dreimal Rad-Weltmeister in einer aussterbenden Disziplin
blödsinn!
jedes tennisturnier ist bedeutender. wien, linz, kitzbühel. wahrscheinlich hat sogar die österreichische fußball-liga mehr bedeutung. das niveau ist zwar schlecht, aber es gibt gutdotierte tv-verträge und dementsprechend auch eine mediale aufmerksamkeit.
götzis interessiert vergleichsweise niemanden.
Sport und Studium haben sie zu einer sehr bodenständigen und intelligenten Persönlichkeit gemacht.
Alles Gute weiterhin!
und die Sache mit Lemmerer ist echt traurig...
RIP Günther Lemmerer
http://lemmerer.wordpress.com/page/2/
WM 1993 in Stuttgart
1 Ioamnet Quintero Kuba CUB 1,99
2 Silvia Costa Kuba CUB 1,97
3 Sigrid Kirchmann Österreich AUT 1,97
4 Alina Astafei Rumänien ROU 1,94
5 Jelena Guljajewa Russland RUS 1,94
6 Antonella Bevilacqua Italien ITA 1,94
7 Tanya Hughes Vereinigte Staaten USA 1,91
8 Valentina Gotovska Lettland LAT 1,91
Olympia 1992 Barcelona
1 Heike Henkel Deutschland GER 2,02
2 Alina Astafei Rumänien ROU 2,00
3 Ioamnet Quintero Kuba CUB 1,97
4 Stefka Kostadinowa Bulgarien BUL 1,94
5 Sigrid Kirchmann Österreich AUT 1,94
6 Silvia Costa Kuba CUB 1,94
7 Megumi Sato Japan JPN 1,91
8 Alison Inverarity Australien AUS 1,91
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