IKG: "Viele Mitglieder sind sehr besorgt"

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  • "Entweder versteht Minister Darabos das nicht, oder er wurde falsch beraten."
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    "Entweder versteht Minister Darabos das nicht, oder er wurde falsch beraten."

Norbert Darabos' Kritik an Israel ärgert Oskar Deutsch, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien

STANDARD: Sie haben vergangene Woche von Verteidigungsminister Norbert Darabos eine Entschuldigung verlangt, weil er Israels Außenminister Avigdor Lieberman als "unerträglich" bezeichnet hatte. Gab es eine Reaktion?

Oskar Deutsch: Bis jetzt nicht. Stellen Sie sich vor, ein israelischer Minister würde Darabos so bezeichnen. Da gebe es in Österreich einen Aufschrei. Zu Recht! So etwas macht man nicht. Auch zu behaupten, dass Israel vorgebe, der Iran bedrohe das Land, um so von den internen politischen Problemen abzulenken, ist einfach falsch. Entweder versteht Minister Darabos das nicht, oder er wurde falsch beraten. Hat er je kritisiert, dass der iranische Präsident Ahmadi-Nejad Israel mit der Vernichtung droht? Kein Wort fiel da.

STANDARD: Fordern Sie seinen Rücktritt?

Deutsch: Nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Aber viele Mitglieder der Gemeinde sind sehr besorgt.

STANDARD: Inwiefern?

Deutsch: Dass in Österreich ein Minister, ein Sozialdemokrat so etwas sagen kann und es keine Konsequenzen gibt.

STANDARD: Wäre der Aufschrei ungleich größer, hätte das ein FPÖ-Politiker gesagt?

Deutsch: FPÖ-Politiker sagen das zurzeit nicht. Außerdem habe ich ja deutlich reagiert.

STANDARD: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur FPÖ beschreiben?

Deutsch: Parteichef Heinz-Christian Strache ist von Kellernazis umgeben. Seine Partei steht in Umfragen bei rund 25 Prozent. Die meisten dieser Wähler sind keine Antisemiten oder Nazis, sondern Protestwähler. Aber: Es gibt eine Basis in der FPÖ, die dieses Gedankengut in sich trägt und damit Politik macht.

STANDARD: Bei Ihrer Bestellung zum IKG-Präsidenten im Februar wurden Sie von den Parteien zu Antrittsbesuchen eingeladen. Auch von der FPÖ?

Deutsch: Ich habe Vertreter aller anderen Parteien getroffen. Über die Medien hat man mich seitens der FPÖ zu Gesprächen gebeten. Eine direkte Einladung habe ich nie erhalten.

STANDARD: Würden Sie annehmen?

Deutsch: Nein. Da müsste sich viel in der Partei ändern. Was für uns wichtiger ist: Nächstes Jahr wird in Österreich gewählt. Die Bevölkerung muss wissen, mit wem sie es in der FPÖ zu tun hat.

STANDARD: Was befürchten Sie bei dieser Wahl?

Deutsch: Es wird sicher eine Auseinandersetzung geben, bei der gegen Minderheiten losgegangen wird. Denn das hat die FPÖ immer gemacht. Sie wird wieder Hass schüren. Jetzt trifft es weniger die Juden, dafür die Muslime. Das ist genauso schlimm. In erster Linie sind die anderen Parteien gefragt, dem einen Riegel vorzuschieben.

STANDARD: Derzeit steht die Krypta am Heldenplatz in der Kritik. Ist es nicht grotesk, dass die höchsten Repräsentanten des Landes Kränze vor ein Denkmal hinlegen, das ein illegaler Nazi gebaut hat?

Deutsch: Ja, das ist es. Ich habe gelernt, den Dingen nicht nachzuweinen. Aber ich würde mich freuen, wenn es schnell Änderungen gibt, und bin sehr optimistisch.

STANDARD: Sie fordern eine Umgestaltung der Krypta?

Deutsch: Zum Beispiel.

STANDARD: Sind Sie zufrieden mit der Umbenennung des Lueger-Rings?

Deutsch: Ja. Noch besser wäre es aber, wenn auch beim Lueger-Platz und anderen Orten die Namen geändert werden.

STANDARD: Der Psychoanalytiker Martin Engelberg, der bei den IKG-Wahlen im Herbst gegen Sie antreten will, hat kürzlich geschrieben, dass es bei Gedenkfeiern auch innerhalb der jüdischen Gemeinde Ermüdungserscheinungen gibt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Deutsch: Bei der Befreiungsfeier im ehemaligen KZ Mauthausen waren tausende Menschen. Es gibt keine Ermüdung. Es gibt nur ein Verlangen, das Gedenken etwas anders zu gestalten. Das meine ich nicht nur bezüglich der Mitglieder der Gemeinde. Man sollte neue Wege des Gedenkens finden. Stillstand ist Rückstand.

STANDARD:Wie stehen die Verhandlungen der IKG mit den liberalen Juden von Or Chadasch über deren Anerkennung?

Deutsch: Der Antrag zur Gründung einer Gemeinde ist vom Kultusamt abgelehnt worden. Wir sind mit Or Chadasch in Diskussion.

STANDARD: Die IKG bemüht sich um Zuzug, um ihren Fortbestand zu sichern. Wie ist da der Stand?

Deutsch: Einerseits gibt es dank der sehr guten Infrastruktur einen leichten Zuzug aus Deutschland, andererseits setzen wir auf die Rot-Weiß-Rot-Card. Wir stehen mit der Innenministerin in Gesprächen. Unser Ziel ist es, jedes Jahr 200 Familien nach Österreich zu holen, also rund 500, 600 Menschen. Ich hoffe, das gelingt. (Peter Mayr, DER STANDARD, 29.5.2012)

Oskar Deutsch (49) ist seit Februar Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG).

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Ist Herr Deutsch jüdischer Österreicher oder jüdischer Israeli? Man könnte meinen, letzteres, er argumentiert als wäre er ein israelischer Diplomat, wenn er das Unrecht, das der Staat Israel den Palästinensern antut, einfach absichtlich ignoriert und die "Bedrohung" durch den Iran, der bei weitem nicht so bedrohlich ist wie man tut, so derartig aufspielt. Denn als Österreicher müsste er etwas sachlicher sein!

Ich nehme an, Österreich hat schon einen israelischen Botschafter? Und der heißt nicht Deutsch?

Das IKG ist ein österreichischer jüdischer Verein mit Sitz in Wien, und kein Israelischer.

Und nein, nichtisraelische Juden sind nicht automatisch Israelis. Das Judentum ist eine Religion und keine Staatsbürgerschaft.

darabos ist....

..wenn sich Kleingeist und Größenwahn treffen.
Das ist nicht einmal antisemitisch.Die Atommacht Iran wird als Popanz aufgebaut.Davor braucht sich Israel nicht fürchten.Eher vor den Geldflüssen an die Hamas und Hezbollah.Kann diese Kontobewegungen niemand stoppen ?Die wahren Abenteuer sind im Kopf.Die Gefahr des Erstarkens der Wahabiten und der Salafisten bedroht Israel.In Pakistan gibt es zuviele junge Männer ohne Zukunftsperspektive und jede Menge Terrorcamps .Das ist eine Bedrohung.Wenn der Iran die Bombe hat, kann dies sogar stabiliserend wirken, weil er dann ein Gegengenwicht zu den Saudis darstellt.
AhmadiNejad(j wir frz Journal)hat nie vom der Vernichtung Israels gesprochen.Drohgebärden aber inhaltslose.

Vernichtung Israels

Achmadinejad hat sehr wohl von der Vernichtung Israel gesprochen und zwar immer und immer wieder. Und dies sagt nicht nur er, sondern dies sagen auch die Mullas. Lassen Sie sich nicht von der linken Presse beeinflussen. Die Übersetzung von Farsi auf Englisch lautet auf "Vernichtung", Tötung", "Ausradierung", usw. der Juden und Israels.

Selbst die USA weiß: sogar wenn Iran das wollte, könnte der Iran technisch keine Atombomben herstellen! Sie haben keine Kanonen und Bomben dafür...

Nein, A. hat nicht von der Ausrottung von Juden gesprochen, sondern von einem Ende Israels als expansionistisches Staatsgebilde, wie es jetzt erscheint - Israel sollte endlich mit den Nachbarn Frieden schließen und sich anders konstituieren.
Gleichzeitig ist A. bewusst, dass er das militärisch niemals erzwingen kann und hat das auch nicht vor.

Seine Interviews wurden bewusst falsch übersetzt und widergegeben, um den Westen gezielt aufzuhetzen. Seriöse Reporter (z.B. aus ARD) haben das bestätigt.

Definitiv sagte er: Iran hat nicht vor, Israel mit irgendwelchen Atombomben anzugreifen. Das wäre eine Katastrophe, zudem liegen auch dem Islam sehr heilige Stätten in Israel.

Die Israelis sind einfach hysterisch!

schicken sie mir das original

abgesehen davon ist es nicht dasselbe wenn zwei das gleiche sagen.Der historisch kulturelle Context ist nicht unwichtig.Es ist etwas anderes das existenzrecht Israels zu verneinen oder das Lebensrecht der Juden an sich.Das sind zwei unterschiedliche Dinge.Für die muslimische Welt ist Israel ein Überrest imperialistischen Gehabes des Westens.Ein Vasallenstaat der aus kolonialem Interesse heraus entstand.Ob das historisch wahr ist, weiß ich nicht.aber viele Muslime glauben es.
Der europäische Antisemitismus ist da etwas ganz anderes und trifft direkt das Lebensrecht des Juden an sich. Im Kern geht es bei Ahmadinejad um einen Antikolonialen Diskurs nicht um einen Antisemitischen.Es is net ollas ans!

Dumme Aktion vom Darabos. Kritik an Israel darf nur hinter vorgehaltener Hand getätigt werden, und sogar einem Obama und Sarkozy ist es schwer peinlich, wenn man sie dabei erwischt.

Zur Strafe haben die Israelis jetzt eine Atomrakete auf Wien gerichtet...
(Siehe Samson-Option, http://en.wikipedia.org/wiki/Samson_Option)

Säbelrasseln

Wem nützt das öffentliche Drohen mit Kriegshandlungen? Es ist keine Information für den Gegner. Das ließe sich per diplomatischer Note besser machen. Ein kluger General würde auch dem Gegner seine Absichten nicht auf die Nase binden. Es ist für die eigene Bevölkerung gedacht. Die anderen sind die Bösen, wir sind die Guten. In diesem Punkt sind sich rechte Politiker in Israel und dem Iran einig. Gar nicht ins Bild passt da Kritik, die diese vereinfachte Darstellung entlarvt. Die israelitische Kultusgemeinde ist dabei nur ein Trittbrettfahrer, die versucht sich aus der Bedeutungslosigkeit herauszubringen.

Einmal mehr gilt (siehe Forentendenz): "Der Feind meines Feindes ist mein Freund"..

Nach dem Duchlesen der Postings muss ich sagen:
Zum Glück hat der "Staat" Österreich international nichts zu melden.

Ja, sind wir vor das die Zukunft der Menschheit in Washington, Peking und Moskau entschieden wird.

tragisch

ist die tatsache, dass die fremdenfeindlichkeit und der ausländerhass in israel eine hochblüte hat. liebermann ist wie strache ein populistischer hetzer, der leider die tragweite seiner eingeschränkten sicht nicht wahr- oder bewußt in kauf nimmt. die momentane israelische regierung versucht mit allen mitteln an der macht zu bleiben und die resultate sieht man. leider

Lieberman als Strache zu verharmlosen ist nicht rechtens.

strache und liebermann

sind hetzer und ich habe keine waage um die beiden zu wiegen, sind mir beide zuwider.

unter dem deckmantel des antifaschismus füllt sich dieses forum mit antiisraelischen und teilweise antisemitischen postings

das ist genau die richtung die minister darabos mit seinen unglücksseligen aussagen vorgegeben hat.
leben sie halt tagtäglich mit ständiger bedrohung durch selbstmordattentäter, raketenangriffen und bald mit der drohung der auslöschung des staates israel selber. dieses einseitige friedensgefasel ist in dem augenblick nichts mehr wert wenn sich ein einziger staat in der nachbarschaft israels militärisch im vorteil sieht. in dem augenblick würden die allermeisten darabos-fans nach einem liebermann schreien falls sie in israel davon betroffen wären.
diese achsowichtigen ratgeber aus österreich sind für israel mehr als entbehrlich.
und in diesem fahrwasser schwimmen offen oder verdeckt wirkliche antisemiten mit wie man im forum sehen kann.

Als Jude sage ich Ihnen:

Sie liegen vollkommen falsch!

Die derzeitige israelische Regierung ist schwer faschistoid (das Wort bitte im Duden nachschlagen, bevor sie jetzt losschimpfen).

Der israelischen Regierung kritisch gegenüberzustehen, bedeutet nicht Antisemit zu sein. Eine derartige Argumentation hat weder dem Staat Israel noch dem jüdischen Volk je geholfen. Oder glauben Sie entweder den Schwachsinn der "heiligen" Heiligen Bücher, dass wir Juden "auserwählt" sind?

Mehr gab und gibt es dazu nicht zu sagen.
MfG. C.

unter dem deckmantel des antifaschismus füllt sich dieses forum mit antiisraelischen und teilweise antisemitischen postings

Das Forum ist auch nur ein Spiegel der österreichischen Gesellschaft...
:(

sie bestätigen,

daß israel überheipt nicht willens zum frieden ist

und genau das ist das problem. typen wie liebermann sind da nur symptom

die antisemitismuskeule wirkt da nur noch lächerlich

Ja, ist Israel wird bedroht und jeder vernünftige Mensch versteht daher den Wunsch nach Selbstschutz.
Israel wurde allerdings bedroht, bevor der Lieberman die Bühne betrat.
Und seine Aussagen wie z.B. Todesstrafe für arabische Knesset-Abgeordnete die Kontakt zu ihren arabischen Brüdern unterhalten sind schlicht mehr als jenseitig.
So jemanden als untragbar zu bezeichnen ist noch eine Untertreibung.
Sicher wären viele Standard-Poster in Israel Lieberman-Anhänger und emotional ist das durchaus erklärbar. Aber es ist damit nicht richtig und die westliche Welt hat geradezu die Verpflichtung dies auch klarzustellen.

Und was ist ...

... mit Israels weit reichenden atomaren Waffen? Da scheiß' ich auf jeden Vorwurf des Antisemitismus. Wenn es ernst wird, zählt das nicht, sondern nur die Vermeidung des Wahnsinns. Dass die an jeder Schule aus unerfindlichen Gründen gelehrten 10 Gebote in Wirklichkeit nichts gelten, zeigt den Cargo-Kult Charakter auf das Deutlichste. Physik, Mathemathik und Wirtschaftsbetrug bringt uns ebenso wenig weiter, wie das Vergessen unseres Ursprunges. Also suchen wir unseren Ursprung - wenn ihr nicht zu feige dazu seid, ihr Krämerseelen. Pfui Teufel.

Grün, wiewohl sich Liebermann schon eine gewisse Kritik gefallen lassen müßte - ich bin mit seiner Politik auch nicht einverstanden!
Dass Darabos aber auch die Positionierung von Israel in der heiklen Iran-Frage als übertrieben darstellt, ist dann halt leider zuviel des Guten...
Die Reaktion von Herrn Deutsch (und anderen) finde ich allerdings auch übertrieben!
Mit den antisemitischen Tendenzen die dadurch geweckt wurden muss ich Ihnen leider recht geben!

Darabos

liegt völlig richtig. Und mit der primitiven Keule Antisemit zurück zu schlagen, zeigt nur einen niederen Horizont !

Strache ist nicht nur von Kellernazis umgeben..

Für alle, die es nicht verstanden haben: Er ist selbst einer.

Als die israelische Regierung im Jahr ihren Botschafter nach der Angelobung der schwarz-blauen Regierung abzog, hatte sie meine vollste Unterstützung

Ebenso wie Darabos meine vollste Unterstützung für die Kritik an Lieberman hat. Vielleicht liegt das an meinem Linksdrall, aber wenn man einmal kapiert hat, durch den Schleier der Nationalstaatlichkeit auf die gesellschaftliche Dialektik zu blicken, dann weiß man, dass es keine Rolle spielt, mit welcher Fahne sich Rechtsextremisten drapieren. Es ist notwendig, ihnen entgegenzuterten und zwar international solidarisch.

liebermann kritisieren ist eine sache...

...und in der form war es vielleicht nicht besonders intelligent, aber in der sache zumindest auch meine meinung über liebermann. aber den israelis verantwortung für die situation zuzuweisen, ohne klare worte zum iran und den vernichtungsphantasien achmadinedschads zu sagen, ist ... mehr als realitätsfremd. und damit ganz schön fraglich.

die politik der derzeitigen israelischen regierung ist grauslich, aber achmadinedschad und die politik der iranischen regierung um ein vielfaches grauslicher und gefährlicher für diesen planeten.

wenn sich darabos so raushängt, dann aber bitte die ganze situation benennen... ich finde auch, dass da ein schlechter beigeschmack bleibt (um meine formulierung foromattauglich zu halten).

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