"Ein Doppel ist wie eine Ehe"

Interview28. Mai 2012, 21:36
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Doppel-Spezialist Oliver Marach über seine Chancen in Paris, die Trennung von Alex Peya und das Schattendasein auf der ATP-Tour

Wien - 2012 war bis dato ein Jahr der Höhen und Tiefen für Österreichs Doppel-Spezialisten Oliver Marach. derStandard.at erwischte den 31-Jährigen kurz vor seinem Abflug nach Paris, wo die French Open vor der Tür stehen. Florian Vetter stellte die Fragen.

derStandard.at: In Nizza haben Sie das Finale erreicht. Es geht wieder aufwärts, oder?

Marach: Dafür, dass ich mit meinem Partner (dem Slowaken Filip Polasek, Anm.) zum ersten Mal gespielt habe und die Konkurrenz für ein 250er-Turnier sehr stark war, bin ich sehr zufrieden. Die Plätze waren aber in schlechtem Zustand. Bis auf den Centercourt, der abgedeckt wurde, waren alle Courts durch den Regen arg beschädigt. Wir mussten in der ersten Runde auf einen Trainingsplatz ausweichen, und das auch noch am Abend. Die letzte halbe Stunde haben wir ohne Licht gespielt. Nach dem Prestigeduell mit Julian (Knowle) ging es im Finale gegen die Bryan-Brüder. Das war eine enge Sache, im ersten Satz waren wir mit Break vorne, und im Tie-Break hat Bob Bryan beim Stand von 5:6 eine Service-Granate nach außen gespielt, nachdem ein leichter Volley unsererseits ins Netz ging. Die Bryans trafen auch fast 100 Prozent ihrer ersten Aufschläge.

derStandard.at: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die French Open? 

Marach: Die Zeit nach dem Ende der Doppel-Partnerschaft mit Alex Peya war sehr schwierig. Ich hatte für Paris nur drei Tage Zeit, einen Mitspieler zu finden. Die guten Paarungen sind fix vergeben. Mit Horacio Zeballos (Argentinien) werde ich nicht gesetzt sein. Wir verstehen uns aber gut, er war einmal Nummer 40 im Single-Ranking und ist jetzt aus den Top 100 gefallen.

derStandard.at: War die Qualifikation für Paris kein Problem?

Marach: Es war sehr knapp, dass wir in den Turnierraster bei den French Open hineinkommen. Die Rankings der beiden Spieler werden ja zusammengezählt. Ich bin zurückgefallen auf Platz 30, er auf 110. Der Cut bei den French Open ist zirka bei Platz 140. Das heißt, wir hättten in Runde eins auch gleich gegen einen Boliden spielen können. Nun treffen wir auf die Deutschen Kohlmann/Waske. Ich habe mit Zeballos noch nie gespielt, vielleicht ist das ein gutes Omen. Im Mixed-Bewerb spiele ich auch, mit Nuria Llagostera stand ich zwei Jahren im Semifinale.

derStandard.at: Warum ließen sich Oliver Marach und Alex Peya scheiden?

Marach: Wir hatten sehr hohe Erwartungen, die wir nicht erfüllen konnten. Dazu kam, dass ich sehr viel verletzt war. Im Dezember konnte ich einen Monat gar kein Tennis spielen. Ohne Spielpraxis haben wir in Neuseeland sogar Auckland gewonnen. Nach dem Erstrunden-Aus in Melbourne musste ich wegen einem Einriss in der Bandscheibe zwei Wochen pausieren. Nach dem Davis-Cup ereilte mich diese Verletzung erneut. Unsere Ergebnisse waren solid, gegen die Topteams hat uns aber einiges gefehlt. Wir fühlten uns unwohl. Zwei Tage nach Madrid haben wir dann per Skype-Videokonferenz das Ende beschlossen. Wir sind aber nicht im Streit auseinandergegangen. Alex hat mit Leander Paes bereits einen sehr guten neuen Partner gefunden.

derStandard.at: Ist Doppel-Spielen vergleichbar mit einer Beziehung?

Marach: Das Doppel ist wie eine zweite Ehe. Es gibt Ups und Downs. Es wird gestrittten, aber auch gelacht. Man muss mit dem Partner gut zurechtkommen, mit ihm reden können. Und man muss sich Fehler eingestehen können und Wege finden, Situationen zu verbessern. Das ist wie in einer Beziehung. Es geht natürlich auch anders. Die Polen (Mariusz Fyrstenberg und Marcin Matkowski, Anm.) spielen seit Jahren zusammen und geben sich am Platz teilweise nicht einmal die Hand. In Barcelona haben die beiden nicht einmal miteinander geredet. Dann wehren sie in der ersten Runde einen Matchball ab und gewinnen das Turnier.

derStandard.at: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Marach: Zuversichtlich. Ein fixer Doppel-Partner wäre wünschenswert, das wird es aber derweil nicht spielen. Mal schauen, wie ich mit Zeballos harmoniere. Das Masters muss ich wohl abhaken, außer ich gewinne ein Grand-Slam-Turnier.

derStandard.at: Fristet der Doppel-Bewerb weiterhin ein Schattendasein auf der ATP-Tour?

Marach: Es gibt Bemühungen, das Doppel attraktiver zu machen, aber es ändert sich nichts. Die Idee, bei den Nennungen das Single-Ranking stärker zu berücksichtigen, um Doppel-Spieler zu cutten, finde ich in Ordnung. Die ATP hat das Ziel, mit prominenten Einzel-Spielern im Doppel mehr Zuschauer zu gewinnen. Aufgewertet wurde der Bewerb aber nicht. Ich war zweimal beim Masters dabei, unter den Top 15 der Weltrangliste kannst du Geld verdienen, in den Top 30 ist es auch noch okay. Man darf halt die Ausgaben nicht vergessen. Für das Finale in Nizza habe ich 4.000 Euro bekommen. Da musste ich aber noch den Flug, den Coach und das Essen bezahlen. (Florian Vetter, derStandard.at, 28.5.2012)

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    Oliver Marach fightet zurück. Für den Finaleinzug in Nizza gab es gerade einmal 4.000 Euro auf die Kralle.

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    Ein Foto aus besseren Zeiten: In Auckland im Jänner noch Turniersieger, kurze Zeit später schon getrennt - Oliver Marach und Alex Peya.

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