Doch noch Hesjedal - viertknappster Sieger aller Zeiten

27. Mai 2012, 18:45
  • Hesjedal ist erster kanadischer Sieger des Giros und kann sein Glück kaum fassen.
    foto: reuters

    Hesjedal ist erster kanadischer Sieger des Giros und kann sein Glück kaum fassen.

Bisheriger Leader Rodriguez im abschließenden Zeitfahren um 16 Sekunden abgefangen

Mailand - Nach 3.504 km oder mehr als 91 Stunden auf dem Rad haben am Sonntag 16 Sekunden über den Gesamtsieg beim Giro d'Italia entschieden. Das ist der knappste Abstand seit 38 Jahren und der viertknappste der mehr als 100-jährigen Geschichte der Italien-Rundfahrt. Im abschließenden Zeitfahren in Mailand fing der favorisierte Ryder Hesjedal noch den bisherigen Leader Joaquim Rodriguez aus Spanien ab und avancierte zum ersten kanadischen Giro-Sieger.

Bereits nach der Königsetappe am Samstag auf das Stilfser Joch hatte Hesjedals US-Team Garmin den Triumph gefeiert - beinahe zu früh. "Es war eine großartige Erfahrung. Ich habe jeden Tag mehr und mehr daran geglaubt", erklärte der frühere Mountainbiker. Rodriguez zeigte sich am Sonntag im 30,1 km langen Kampf gegen die Uhr stark verbessert, büßte aber 47 Sekunden auf Hesjedal ein. Mit 31 Sekunden Vorsprung war der Katalane in die Schlussetappe gegangen.

Erster großer Sieg für Hesjedal

So knapp war es beim Giro zuletzt 1974 zugegangen, damals distanzierte Rekordsieger Eddy Merckx den Italiener Gianbattista Baronchelli um zwölf Sekunden. Die immer noch engste Entscheidung gab es 1948, als Fiorenzo Magni elf Sekunden vor seinem Landsmann Ezio Cecchi die Oberhand behielt. Für Hesjedal ist es der erste Gesamtsieg bei einer großen Landesrundfahrt. "Ich bin gut vorbereitet zum Finale gekommen", sagte der 31-Jährige. "Die Beine waren gut, der Kopf ruhig. Das war eine wichtige Seite der Geschichte." Selbst der kanadische Premier Stephen Harper sandte umgehend Glückwünsche an seinen Landsmann.

Im Kampf um Platz drei fing der Belgier Thomas De Gendt, am Vortag Triumphator auf dem Stilfser Joch, noch Vorjahressieger Michele Scarponi ab. Am Ende fehlten dem Sensationsmann 1:39 Minuten auf Hesjedal. Auf den Plätzen vier bis sechs landeten mit Scarponi (2011), Ivan Basso (2006, 2010) und Damiano Cunego (2004) drei ehemalige Giro-Sieger aus Italien. Als bester Österreicher beendete der Tiroler Thomas Rohregger die Rundfahrt auf Rang 31.

Denifl bester Österreicher im Zeitfahren

Schnellster ÖRV-Profi im abschließenden Zeitfahren war Rohreggers engerer Landsmann Stefan Denifl. Der 24-Jährige verlor als 67. 3:04 Minuten auf Tagessieger Marco Pinotti aus Italien. In der Nachwuchswertung belegte der Tiroler Gesamtrang 17. "Mein Giro war in Ordnung, ich hätte sogar ein wenig mehr erwartet", gestand Denifl. "Aber ich denke, diese große Rundfahrt war ein wichtiges Rennen für den Rest der Saison."

Sein Vacansoleil-Teamkollege De Gendt überzeugte im Kampf gegen die Uhr mit 1:01 Minuten Rückstand und Platz fünf - unmittelbar vor Hesjedal (1:09). Alle fünf vor drei Wochen in Dänemark gestarteten Österreicher erreichten das Ziel, auch die NetApp-Fahrer Matthias Brändle und Daniel Schorn. Routinier Bernhard Eisel führte seinen Sky-Teamgefährten Mark Cavendish sicher durch die Berge. Der britische Sprint-Star verlor die Punktewertung auf der vorletzten Etappe aber um einen Zähler an Rodriguez.

Eine der großen Enttäuschungen war dagegen die vor der Saison als "Super-Team" gehandelte Equipe von RadioShack: Kein Etappensieg, Kapitän Frank Schleck (Luxemburg) stieg vorzeitig aus. Und zudem folgten öffentlich zur Schau getragene Spannungen zwischen dem Spitzenfahrer und Manager Johann Bruyneel. (APA/sid, 27.5.2012)

Radsport-Ergebnisse vom Abschluss des Giro d'Italia am Sonntag in Mailand:

21. Etappe - Einzelzeitfahren in Mailand (30,1 km):

1. Marco Pinotti (ITA) BMC 33:06 Min. - 2. Geraint Thomas (GBR) Sky +0:39 Min. - 3. Jesse Sergent (NZL) RadioShack +0:53 - 4. Alex Rasmussen (DEN) Garmin 1:00 - 5. Thomas De Gendt (BEL) Vacansoleil 1:01 - 6. Ryder Hesjedal (CAN) Garmin 1:09 - 7. Gustav Larsson (SWE) Vacansoleil 1:14 - 8. Maciej Bodnar (POL) Liquigas 1:15 - 9. Svein Tuft (CAN) Orica GreenEdge 1:22 - 10. Julien Vermote (BEL) Omega Pharma 1:23. Weiter: 26. Joaquim Rodriguez (ESP) Katjuscha 1:56 - 67. Stefan Denifl (AUT) Vacansoleil 3:04 - 76. Thomas Rohregger (AUT) 3:17 - 79. Matthias Brändle (AUT) 3:23 - 84. Daniel Schorn (AUT) 3:30 - 146. Bernhard Eisel (AUT) 5:11

Die knappsten Abstände zwischen Sieger und Zweitplatziertem in der Geschichte des Giro d'Italia (seit 1909):

11 Sekunden - 1948 Fiorenzo Magni (ITA) vor Ezio Cecchi (ITA)

12 Sekunden - 1974 Eddy Merckx (BEL) vor

Gianbattista Baronchelli (ITA)

13 Sekunden - 1955 Fiorenzo Magni (ITA) vor Fausto Coppi (ITA)

16 Sekunden - 2012 Ryder Hesjedal (CAN) vor Joaquim Rodriguez (ESP)

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19 Postings

War ein schöner Giro mit einem verdienten Sieger, auch wenn mir Rodriguez leit tut, aber auch Cavendish, der nur um einen Punkt das rote Trikot verpasst hat.

Obwohl es so knapp war und eigentlich Spannung, vermittelte mir der Giro dieses Jahr leider nicht das Gefühl, etwas großes zu erleben. Wenn ich an den Giro 2010 oder 2009 denke, dann verbinde ich Spannung, Dramatik und Action mit denen, aber diese Gefühle fehlen mir in diesem Jahr, was ich nicht verstehe. Ich habe einfach das Gefühl, dass diesem Giro dieses Jahr dieses gewisse Etwas gefehlt hat, auch wenn ich nicht weiß, was es genau ist.

Geht es anderen auch so oder ist mir dieses Jahr das Wesentliche entgangen?

Ich habe einfach das Gefühl, dass diesem Giro dieses Jahr dieses gewisse Etwas gefehlt hat, auch wenn ich nicht weiß, was es genau ist.

Ich glaube er war so "sauber" wie noch nie !!! Am Stelvio waren alle platt - no na....!!!
Also mich hat er wie immer begeistert - allein soviel verschiedene Etappensieger machen Freude ...!

Es ist eine emotionelle Frage, die Sie hier stellen. Muss natürlich auch so beantwortet werden.

Inhaltlich (Strecke, Dramatik) gibt es nichts zu meckern. Einfach wirklich gut und vermutlich, so wie immer, anspruchsvoller als die TdF. Trotzdem wird auch diese wieder DAS Highlight werden. No na.

Damit kann man, jetzt kommt meine Emotion durch, eigentlich lediglich die Berichterstattung ins Visier nehmen. Wir sprechen immerhin vom 2.wichtigsten Radereignis dieser Erde.

Wie wird das honoriert/ reflektiert?
Man muss sich Übertragungen mühsam suchen (cyclingfans.com und natürlich direkt bei der gazetta)

Und natürlich fehlen auch noch "große Namen" die polarisieren..

Kann mich also durchaus in Ihre Situation hineinfühlen. Faktisch s.o....

Geht mir absolut nicht wie Ihnen. Der Giro hat mMn alles gehabt was man sich wuenschen kann:

- spannend bis zur letzten Etappe
- ein verdienter Sieger
- eine Strecke bei der fast alle Etappen spannend waren
- Jungspunde die Aufzeigen (Phinney, Uran, Haneo)
- ein Ausreisser der ueber sich hinauswaechst (Rabottini, ...)
- tragische Helden (Cav, Scarponi)

und vieles mehr.

Chapeau Ryder Hejsedal, chapeau Giro d'Italia

Ich habe jetzt nachgedacht und ich glaube, ich weiß, warum mich der Giro nicht so beeindruckt hat. Die letzten Jahre wurde der Giro einfach unglaublich agressiv gefahren, ich erinnere mich nur an die Attacke von Di Luca in der Abfahrt, wo er mit Savodelli geflüchtet ist oder die Aktion letztes Jahr von Nibali, als er auch in der Abfahrt davongefahren ist. Beide mussten für ihre Aktionen bezahlen, Di Luca am nächsten Tag und Nibali noch am selben, aber genau diese Aggressivität hat den Giro ausgemacht. Dieses Jahr hatte ich das Gefühl, es ist wie bei der Tour. Alle warten bis zum Schlussanstieg und dann gibt es ein Ausscheidungsfahren oder es passiert gar nichts. Vielleicht habe ich aber nur einen falschen Eindruck von dieser Austragung.

Auch das kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ein paar Beispiele fuer agressive Fahrweise:

- De Gendt hat in einer waghalsigen Aktion in der 20. Etappe am vorletzten (nicht zu kleinen Berg) attackiert.

- Hesjedal in der 14 Etappe am Schluss und Etappe 17. bergab

- Cunego hat immer und ueberall attackiert.

Wenn sie allerdings meinen das von den vermeindlichen Topfavoriten (Basso, Scarponi, Rodriguez) keiner angegriffen hat, dann haben sie natuerlich recht.

Sehr schoener, spannender Giro mit einem verdienten Sieger.

Freu mich schon auf die Dauphine und natuerlich die Tour. Mein Tipp dort: Wiggins.

hochverdient! Bravo!

hesje hats verdient, rodi zu passiv in den letzten anstiegen bzw. hat das team katusha fast nie führungsarbeit geleistet

Nachdem die Strecke kurzfristig verkürzt wurde kam Pinotti "nur" auf einen Schnitt von 51,1 - aber natürlich immer noch ein Wahnsinnstempo! Gratulation an Hesjedal zum Gesamtsieg, hochverdient nachdem er grade in den Bergen sicher einer der Aktivsten war.

Dann waren es also nicht 30 km, sondern nur rund 28 km?
Wäre zumindest etwas realistischer. Einen Schnitt deutlich über 54 hätte ich bei einem Einzelzeitfahren nämlich noch nicht gesehen...

Lt. englischem Eurosport waren es im Endeffekt 28,2 km, die 51,1 km/h Schnitt sind dem Insert bei Pinottis Zieldurchfahrt entnommen.

Und wir wissen ja seit "Höllentour", was für Profis (k)eine angemessenen Zeitfahrleistung ist: http://www.youtube.com/watch?v=D8RpCoB_PUQ ;-)

immer eine Frage der Strecke und wenn's nur in eine Richtung geht, kann der Wind schon mal von hinten blasen

Lemond ist beim 8-Sekunden-Thriller im Schlusszeitfahren 1989 54,5 Schnitt auf 25km gefahren, Millar erreichte 2003 auf 49km 54,4km/h Schnitt.

Korrektur: "Der gedopte Millar erreichte 2003 auf 49km 54,4km/h Schnitt."

Naja, die Strecke war eben und praktisch ein Rundkurs. Da hilft Rückenwind nur über die halbe Strecke... ;)

bring ich auch zusammen!

im bikepark semmering;)

Nicht mal dort

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