Proteste gegen Ratzinger auf dem Petersplatz

15-Jährige war 1983 in Rom verschwunden - Dutzende demonstrieren bei Angelusgebet gegen den Papst: "Schande, Schande"

Rom - Dutzende Menschen haben am Sonntag gegen den Umgang von Papst Benedikt XVI. mit dem Fall des vor fast zwei Jahrzehnten in Rom verschwundenen Mädchens Emanuela Orlandi protestiert. "Schande, Schande", skandierten sie beim Angelusgebet auf dem Petersplatz, weil der Papst Emanuelas Namen bei der Verlesung der traditionellen Segenswünsche nicht erwähnte. Die 15-jährige Orlandi, Tochter eines Polizisten im Vatikan, war im Jahr 1983 in Rom verschwunden und nie wieder aufgetaucht.

"Wir sind aus ganz Italien hierhergekommen, um den Papst Emanuelas Namen aussprechen zu hören, aber wir werden einmal mehr enttäuscht", sagte eine Frau der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Zu dem Protest hatte der Bruder der Verschwundenen, Pietro Orlandi, aufgerufen. Auch Pietro Orlandi nannte die Haltung des Papstes am Sonntag "eine Schande". "Ein Wort des Gebets hätte gereicht", kritisierte er.

Seit Emanuelas Verschwinden gab es zahlreiche Spekulationen über den Fall. Unter anderem wurde gemutmaßt, die Mafia, der Geheimdienst oder Organisationen, die den Papst töten wollten, könnten hinter dem Verschwinden des Mädchens stecken. Emanuelas Bruder Pietro dringt seit Jahren auf weitere Untersuchungen zum Verbleib seiner Schwester und wirft dem Vatikan unter anderem Vertuschungsversuche vor. (APA, 27.5.2012)

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