Afghanische Familie bei NATO-Angriff getötet

27. Mai 2012, 16:24
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Behörden: Acht Zivilisten getötet - Sechs Kinder darunter - ISAF meldete vier tote Soldaten nach Anschlägen

Kabul - Bei einem NATO-Luftangriff in der ostafghanischen Provinz Paktia sind nach Angaben der Provinzregierung acht Zivilisten getötet worden, darunter sechs Kinder. Die Eltern und alle ihre Kinder seien ums Leben gekommen, als ihr Haus in der Nacht zum Sonntag bombardiert worden sei, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Rohullah Samun. Anderen Quellen zufolge waren sogar sieben Kinder betroffen.

Es sei unklar, was das Ziel des Angriffs gewesen sei. Ein Sprecher der NATO-geführten Schutztruppe ISAF sagte, man untersuche die Vorwürfe über zivile Opfer. Die ISAF teilte am Sonntag mit, bei mehreren Sprengstoffanschlägen am Vortag seien im Süden des Landes vier ihrer Soldaten getötet worden. Die Schutztruppe machte wie üblich keine Angaben zur Nationalität der Opfer.

Die ISAF informierte weiters, bei einem Einsatz in der nordafghanischen Provinz Kundus seien mehrere Taliban-Kämpfer getötet worden. In Kundus ist auch die Bundeswehr stationiert. Bei Einsätzen in anderen Landesteilen wurden nach ISAF-Angaben mehrere Aufständische gefangen genommen.

Seit Jahresbeginn kamen damit laut der unabhängigen Internetseite icasualties.org insgesamt 169 internationale Soldaten in Afghanistan ums Leben. In dem Land am Hindukusch sind derzeit rund 130.000 ausländische Soldaten stationiert. Bis Ende 2014 sollen alle NATO-Kampftruppen abgezogen werden.

Karzai ordnet Untersuchung an

Ein Sprecher der NATO-geführten Schutztruppe ISAF sagte, ISAF-Bodentruppen seien zur fraglichen Zeit in Paktia von einer großen Anzahl Aufständischer angegriffen worden und hätten Luftunterstützung angefordert und erhalten. Man prüfe, ob zwischen den Gefechten und den Vorwürfen über zivile Opfer ein Zusammenhang bestehe. Zivile Opfer bei ISAF-Operationen haben zwar abgenommen, sorgen aber immer noch für großen Unmut bei den Afghanen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai ordnete eine Untersuchung an.

Unterdessen gibt es nach Angaben des afghanischen Außenministers Salmai Rassul keine Fortschritte bei der Suche nach einer politischen Lösung im Konflikt in Afghanistan. "Wir haben den Prozess begonnen, aber wir sind noch nicht in greifbare Verhandlungen (mit den Taliban) eingetreten", sagte er am Sonntag in Kabul. (APA, 27.05.2012)

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