Überreste von 66 Muslimen beerdigt

26. Mai 2012, 19:13
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Tausende gedenken Opfern von Massakern in Visegrad

Visegrad - In Bosnien-Herzegowina haben am Samstag mehrere tausend Menschen an einer Beerdigung von 66 Muslimen teilgenommen, die 1992 während des Bosnien-Kriegs von bosnischen Serben getötet worden waren. Mehrere Imame sprachen in Visegrad Gebete für die Toten, wie ein Korrespondent berichtete. Die Überreste der Opfer waren im Sommer 2010 im Perucac-See im Osten des Landes gefunden worden. Das jüngste Opfer sei ein dreieinhalbjähriger Bub gewesen, sagte die Vorsitzende eines Vereins für Angehörige von Vermissten aus Visegrad, Hedija Kasapovic. Die Mutter des Buben, die ebenfalls getötet worden sei, sei noch nicht gefunden worden.

"Serbische Milizen haben in den ersten Monaten des Krieges meinen Sohn, meinen Mann, meine beiden Schwestern, meinen Bruder und andere Verwandte umgebracht", sagte Meva Ahmetagic, die insgesamt 13 Angehörige verlor. Am Samstag wurden eine ihrer Schwestern und ihr Schwager beerdigt. Nach dem Begräbnis zog sie mit den Trauernden zur Brücke über dem bosnisch-serbischen Grenzfluss Drina und warf 13 Rosen - für jeden Toten eine - ins Wasser.

1.500 Tote

In der Gegend um die Stadt Visegrad hatten bosnisch-serbische Milizen zu Beginn des Krieges Massaker an der muslimischen Bevölkerung verübt. Zwischen April und Juni 1992 wurden nach Angaben des Vereins für Vermisste rund 1.500 Menschen getötet. 600 Menschen würden immer noch vermisst. Nach Angaben von Überlebenden wurden die Leichen nach ihrer Ermordung in die Drina geschmissen und dann in den Perucac-See geschwemmt.

Insgesamt waren im Sommer 2010 die Überreste von 162 Leichen in dem Stausee gefunden worden. Die Sucharbeiten begannen, nachdem der Wasserstand wegen Reparaturarbeiten am Damm gesenkt worden war.

Vor dem Krieg waren etwa 60 Prozent der rund 21.000 Einwohner von Visegrad Muslime. Nach dem Massaker wurden die Überlebenden aus ihren Häusern vertrieben. Nach Angaben des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien wurden Bewohner in Häuser eingesperrt und diese angezündet, so dass die Menschen bei lebendigem Leibe verbrannten. Hunderte Frauen wurden zudem vergewaltigt.

Von den rund 100.000 Toten des Bosnienkrieges (1992-1995) werden nach Angaben des Vermissten-Vereins noch immer etwa 30.000 vermisst. Etwa 22.000 Leichen wurden bisher exhumiert. (APA, 26.5.2012)

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