Die neue Standortrechnung im Detail

25. Mai 2012, 22:47
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Wie der General auf St. Marx als günstigste Alternative kommt

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat Freitagabend der Stiftungsrats-Arbeitsgruppe Standort neue Berechnungen und Überlegungen zu den möglichen künftigen Standortvarianten des ORF übermittelt. Wrabetz spricht sich demnach für einen zentralen Standort aus und lässt eine klare Präferenz für einen Neubau in St. Marx erkennen. Nachfolgend Details aus dem 13-seitigen Bericht des Generaldirektors.

Studio-Konzept: Eine ORF-interne Arbeitsgruppe hat laut Wrabetz neue Konzepte für die zukünftige Studiolandschaft und auf Basis der Programmanforderungen "auf der grünen Wiese" ein neues Studiokonzept entwickelt. Im Falle eines zentralen Standorts könnten Anzahl, Fläche und Rundfunktechnik reduziert, an einem gemeinsamen Standort ein zentraler multimedialer Newsroom "als Herzstück" realisiert werden. Meinungspluralität im Informationsbereich müsse dabei gesichert werden. Mit einem zentralen Newsroom "lässt sich natürlich auch Personal einsparen". Synergien könnten etwa eine gemeinsame Wetterredaktion für Fernsehen, Radio und Online oder in der Sport-Ergebnisberichterstattung gefunden werden. Ein großes Publikumsstudio müsse der ORF künftig nicht mehr selbst betreiben, hier sind "Kooperationen mit privaten Betreibern anzustreben". Gleiches gelte für andere mittelgroße Publikumsstudios. Ein großes und zwei mittelgroße Studios würden demnach nicht mehr selbst betrieben, sondern bedarfsorientiert angemietet werden.

Übersiedlungsszenario Neubau: Der Ansatz für die Übersiedlung wurde überarbeitet. Demnach besteht die Möglichkeit, dass das Hauptgebäude des ORF-Zentrums am Küniglberg lediglich notsaniert wird. Jene Mitarbeiter, die diesen Sommer wegen der Sanierung in angemietete Büros in Wien übersiedeln, müssten nicht mehr unbedingt zurück auf den Küniglberg, sondern könnten gleich an den neuen Standort übersiedeln. Dies würde "geringere Standsicherheitssanierungen" am Küniglberg bedeuten.

Miet-Variante: Geprüft wurde auch eine Miet-Variante. Auf Basis einer langfristigen Vereinbarung könnte demnach ein Immobilienfonds die Baukosten finanzieren und eine Miete an den ORF verrechnen. Das Risiko von Baukostenüberschreitungen könnte so ausgeschaltet werden.

Synergien laufender Betrieb: Durch die Zusammenlegung der derzeitigen Standorte könnten vor allem in der Technik Synergie-Potenziale gehoben werden. "Damit kann einerseits Personal eingespart werden, andererseits werden Ressourcen für Innovationsprojekte und neue Ausspielwege frei." Das technische Personal an den Standorten ORF-Zentrum, Funkhaus und Heiligenstadt umfasst derzeit 393 Vollzeitäquivalente. "Eine Zusammenlegung an einem Standort würde Mehrgleisigkeiten beseitigen und gleichzeitig durch Synergien Einsparungen ohne Qualitätsverlust bei zumindest gleichem Service Level ermöglichen." Einsparungen würden eine Mindestreduktion von 33 Vollzeitäquivalenten ergeben. Auch im redaktionellen Bereich ließen sich Synergien nutzen. "Eine räumliche Zusammenlegung aller aktuell arbeitenden Redaktionen führt zu einer potenziellen Personalreduktion um jedenfalls weitere 21 Vollzeitäquivalente. Ob diese Reduktionen in der Redaktion dann tatsächlich realisiert oder in einen Ausbau der Information investiert werden, ist erst im Zeitpunkt der Realisierung zu beantworten." Klar sei, dass derselbe Output mit einer geringeren Kapazität erzielt werden kann. Bei gleichbleibendem Personalstand werde es möglich sein, redaktionelle Synergien zu heben, indem Recherche-Ergebnisse von allen Medien genutzt werden. Insgesamt würden Synergien im Betrieb pro Jahr zumindest knapp 5 Mio. Euro Einsparungen bringen.

Neuberechnung Kosten: Ergebnis der dargestellten Veränderungen: "Alle Szenarien liegen sehr nahe beisammen. Am günstigsten ist die Variante Neubau, gefolgt von der Sanierung konsolidiert und der Sanierung unkonsolidiert." Die durchschnittliche jährliche Kostenbelastung für Standort und Betrieb in St. Marx würde für den ORF nach Berücksichtigung der Neuberechnungen demnach bei 32,2 Millionen Euro liegen. Die jährlichen Kosten für eine Zusammenführung des Betriebs im ORF-Zentrum am Küniglberg kämen mit 32,3 Millionen Euro knapp teuerer, die Fortsetzung der gegenwärtigen Drei-Standort-Variante käme auf durchschnittlich 33,2 Millionen Euro im Jahr.

Optimierung Liegenschaftstransaktionen: Die Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft (WSE) hat eine Zusammenarbeit bei der Veräußerung der bestehenden ORF-Immobilien angeboten. Damit könne das Know-how der WSE genutzt und das Risiko für die Verwertung - insbesondere denkmalgeschützte ORF-Zentrum - reduziert werden. Mögliches Modell: ORF und WSE bringen ihre Liegenschaften Küniglberg, Funkhaus und St. Marx in eine gemeinsame Immobilien Gesellschaft ein. Diese sorgt für eine optimale Projektentwicklung und Verwertung. St. Marx soll dabei an eine Errichtungsgesellschaft verkauft werden, die an den ORF vermietet.

Schlussfolgerung: "Die vorgelegte Neuberechnung zeigt eine ökonomische Vorteilhaftigkeit der Konzentrationsvarianten, wobei wiederum der Neubau besser abschneidet als die Konzentration am Küniglberg. Somit ist die Variante Neubau aus strategischen und ökonomischen Gründen sinnvoll und ermöglicht die zukunftssichere Neupositionierung des ORF als trimediales Unternehmen." Durch das von der WSE angebotene Immobilienmodell würden die Verwertungsrisiken der bestehenden Liegenschaften, insbesondere des Küniglbergs reduziert, durch die Mietvariante für den neuen Standort wären auch Bau- und Finanzierungsrisiken nicht vom ORF zu tragen. Bis zur nächsten Arbeitsgruppensitzung am 4. Juni sollen weitere und detaillierte Planungen und Berechnungen sowie ein Zeitplan für mögliche Beschlüsse ausgearbeitet werden. (APA)

 

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