Keine Scheu vor Widersprüchen

25. Mai 2012, 19:42
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Wenn aus lieblichen Balladen heftige Feedbackattacken werden: die US-Sängern Erika M. Anderson aka EMA live in Österreich

Wien/Salzburg - Abseits des Skandinavien- und Electropop-Hypes präsentiert der Yeah!Club eine der interessantesten Musikerinnen der Gegenwart: Erika M. Anderson stammt aus dem US-Bundesstaat South Dakota, Anfang 2000 schloss sie sich der Experimentalrockcombo Amps For Christ an, da hatte sie den Mittelwesten gerade Richtung Kalifornien verlassen.

2006 gründete sie zusammen mit Lebensabschnittspartner Ezra Buchla sowie Schlagzeuger Corey Fogel die Gowns, deren Sound monoton dröhnenden Lärm mit fragilem Folk vereint. Als bei den Protagonisten Anderson und Buchla die Liebe flöten ging, pfiffen sie auch auf die Gowns. Unter dem Kürzel EMA knüpft die auch für Elektronik und Bass zuständige Anderson seit 2010 an vergangene Tage an und sorgt weiterhin für eine äußerst intensive Rockmusik zwischen den Polen Country, Grunge und Gothic. Durchaus in einer Liga mit den weiblichen Säulenheiligen Patti Smith, Nico, PJ Harvey oder Courtney Love.

Was als liebliche Ballade mit Wanderklampfe beginnt, kann bei EMA schon mal in laute Feedbackattacken ausufern. Überhaupt kennt Anderson keine Scheu vor Widersprüchen: Sie lebt gerne in Kalifornien, aber im Velvet-Underground-kompatiblen California, einem der zentralen Stücke auf dem 2011 erschienenen Debütalbum Past Life Martyred Saints, offenbart ihr Sprechgesang die Wut auf den Golden State: "Fuck California, you made me boring ...".

Butterfly Knife lässt ein Gothic Girl über Selbstmord nachdenken, Red Star verarbeitet die enttäuschte Liebe. The Grey Ship zerschreddert einen betörenden Blues mit sägender Violine und schneidender Gitarre, wie es auch Lydia Lunch mit Teenage Jesus & The Jerks nicht besser hinbekommen hätte. Heute und morgen ist Erika M. Anderson live in Österreich zu erleben. (dog, DER STANDARD, 26./27./28.5.2012)

Samstag: Wien, Flex, 20.30, Sonntag: Salzburg, Rockhouse, 20.30

  • Auf den Spuren von Patti Smith und PJ Harvey: die US-Sängerin Erika M. 
Anderson. 
    foto: cobra camanda

    Auf den Spuren von Patti Smith und PJ Harvey: die US-Sängerin Erika M. Anderson. 

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