"Brot, Spiele wie im alten Rom"

Interview |
  • Werner Auer
    foto: siemens

    Werner Auer

Werner Auer, Chef des Anlagenbauers Siemens VAI, sieht Europa in einer Abwärtsspirale

Standard: Mexiko will das China Amerikas werden. Realistisch?

Auer: Hängt davon ab, was man darunter versteht. Politisch sicher nicht. Den Durchgriff, den es in China gibt, wird es hier nie geben.

Standard: Wie interessant ist Mexiko für ein europäisches Unternehmen wie Siemens VAI?

Auer: Es ist ein Markt mit 114 Millionen Einwohnern, 2030 werden es 126 Millionen sein. Mexiko hat eine sehr junge, fleißige Bevölkerung. Mit steigendem Wohlstand nimmt auch der Stahlverbrauch zu, weil sich eine breiter werdende Mittelschicht mehr Gebrauchsgüter leisten kann. Das heißt auch mehr Stahlproduktion - entweder durch Modernisierung bestehender Anlagen oder den Bau von neuen. Da kommen wir ins Spiel.

Standard: In Mexiko schließen jedes Jahr mehr Studenten eine Ingenieursausbildung ab als in vielen anderen Ländern. Warum?

Auer: Das hat mit dem gesellschaftlichen Stellenwert zu tun. Ingenieure sind in Mexiko hoch angesehen, wie die Ärzte. In Europa haben wir immer größere Probleme, Ingenieure zu bekommen. Es ist wie im alten Rom: Auch damals gab es Brot und Spiele. Anschließend kam der Untergang.

Standard: Sie fürchten, dass sich Europa deindustrialisiert?

Auer: Die Freizeitgesellschaft ist im Vormarsch. Jeden freitagmorgens tönt es aus dem Radio: Gott sei Dank, es ist Freitag. In Mexiko hingegen ist man gierig auf Arbeit.

Standard: Wie läuft das Geschäft für Siemens VAI im heurigen Jahr?

Auer: Gut wie im Vorjahr, da haben wir insgesamt an die 50 kleine bis mittelgroße Projekte abgewickelt. Heuer ist es ähnlich, wobei zusätzlich zwei bis drei Jumbos, also größere Projekte kommen könnten.

Standard: Auftragsstand, Umsatz?

Auer: Sorry, das geben wir nicht bekannt.(Günther Strobl, DER STANDARD; 26./27.5.2012)

Werner Auer (56) ist seit 1. Juli 2009 CEO der Siemens VAI Metals Technologies in Linz. Seine VAI-Karriere hat Auer 1982 nach Abschluss des Studiums der Energietechnik und Energiewirtschaft an der TU Wien begonnen.

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