Die Liebe und zwei Enden

25. Mai 2012, 19:18

Die Grazer Oper zeigt "Dido und Aeneas / DNA"

Graz - Die Geschichte der karthagischen Königin Dido, die aus Liebesschmerz in den Tod geht, war einer der produktivsten Opernstoffe des Barock. Seit Donnerstag steht die berühmteste musikalische Verarbeitung des Vergil-Stoffes am Spielplan der Grazer Oper: Henry Purcells Dido and Aeneas als Tanz- und Opernproduktion. Für den trojanischen Königssohn Aeneas nur ein Zwischenspiel, ist die Affäre für Dido todbringend. Sie nimmt sich auf dem Scheiterhaufen das Leben. Solch Affekte setzt Darrel Toulon als Choreograf und Regisseur in " Bewegungstheater" um und nähert sich damit an die Barockoper an.

Toulon verschränkt die Oper mit zeitgenössischem Tanz und verbindet so den zeremoniellen, allegorisierenden Ablauf dieser Gattung mit unserem modernen, psychologisch begründeten Erfahrungshorizont. Damit gelingt ihm ein ästhetisch dichter und stimmiger Abend. Toulon steht neben seiner temperamentvollen Compagnie ein junges Gesangsensemble zur Verfügung, das sich auch in die Bewegung einbringen kann. Als Dido und Aeneas integrieren sich die Sopranistin Nazanin Ezazi und Bariton Ivan Orescanin in das tänzerische Geschehen und verschmelzen immer wieder mit den Tanzsolisten, die ihrerseits das Liebespaar verkörpern.

Alfred Peters Bühne steht in perfekter Übereinstimmung mit den beiden Teilen des Abends. Wie die von Yumiko Takeshima entworfenen Kostüme in Braun- und Goldtönen zitiert sie die antike Thematik und die Entstehungszeit der Oper und schafft mit dem angedeuteten Scheiterhaufen ein suggestives Schlussbild.

Als Auftragswerk der Oper Graz kam nach der Pause Christian Josts DnA - six images of love nach den Texten von E. E. Cummings und dem Purcell-Librettisten Nahum Tate für Sopran, Bariton und drei Frauenstimmen zur Uraufführung. Josts Klangbilder illustrieren Liebesbegegnung, Begehren und Abwehr. Sopran und Bariton verweisen auf Purcell, doch geht es jetzt um ein modernes Liebespaar, das ein anderes Ende als jenes der Oper findet. (frak, DER STANDARD, 26./27./28.5.2012)

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