Spanien bastelt sich staatliche Großbank

25. Mai 2012, 18:32
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Um die Anfang Mai teilverstaatlichte Bankia soll ein Bankgigant entstehen, in den weitere staatliche Probleminstitute integriert werden

"Wir haben das Konto für die Zukunft eröffnet." Der Satz mit dem die seit wenigen Wochen mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche spanische Bank Bankia-BFA (span. Banco Financiero y de Ahorros) auf ihren Plakaten wirbt, mag zynisch klingen. Denn ebendiese scheint der Kassenbund mit 32 Milliarden Euro an faulen Krediten aus der geplatzten Immobilienblase für Spanien verbaut zu haben. Bankia benötigt laut eigenen Angaben nicht neun Milliarden Euro - wie vom Wirtschaftsministerium verlautbarte - sondern insgesamt 20 Mrd. Euro an Staatsgeldern zur Sanierung. Etwas vorschnell hatte Wirtschaftsminister Luis de Guindos, um Investoren und Kunden zu beruhigen, verkündet: "Wir werden so viel Geld bereitstellen, wie es Bankia braucht."

Wer einen Blankoscheck vergibt, darf sich im Nachhinein nicht grämen. Mindestens 15 Milliarden Euro muss Spanien nun zusätzlich aufbringen. Hinzu kommen jene 4,5 Mrd. Euro aus dem Bankenrettungsfonds FROB, die Bankia rund ums Börsendebüt im Juli des Vorjahres gewährt wurden. Quasi das Startdarlehen, um die CajaMadrid mitsamt Bancaja nebst kleineren Sparkassen zu vereinen.

Dezidiertes Ziel des Fusionsreigens, der unter Ministerpräsident Mariano Rajoys sozialistischem Vorgänger José Luis Rodríguez Zapatero begonnen wurde, war und ist, die Zahl der Kreditinstitute Spaniens von über 40 auf maximal zehn - im Idealfall solvente - zu reduzieren. Mittlerweile ist der aufgestockte FROB ausgeschöpft und es ist unmöglich, Käufer für die Problembanken zu finden. Zudem soll auch die Ratingagentur Standard & Poor's in Kürze die Kreditwürdigkeit von sieben Instituten auf Ramschniveau kürzen.

Bankia-Aktien wurden ab Freitagmorgen am Madrider Leitindex IBEX-35 vom Handel ausgesetzt. Unklarheiten um die Bilanzen für 2011, die aktuell Goldman Sachs prüft, und deren konkrete Sanierungspläne schürten massive Zweifel unter Anlegern, was am Mittwoch einen Absturz von 7,5 Prozent auslöste.

De Guindos war gezwungen, einen Trumpf aus dem Ärmel zu schütteln: Ein massiges Institut aus Bankia-BFA und den in Staatsbesitz befindlichen CatalunyaCaixa und Novacaixagalicia soll die Lösung sein. Die neue Staatsbank wäre vom Volumen her größer als die iberischen Großbanken Banco Santander und BBVA mit 476 Milliarden Euro an Aktiva und 281 Milliarden Euro an Krediten.

Katalonien in der Krise

Die nächste Hiobsbotschaft für die Regierung kommt aus Katalonien. Ausgerechnet die reichste autonome Region bat am Freitag um Finanzierungshilfe. Kataloniens Präsident Artur Mas richtete einen dramatischen Appell an Madrid. "Uns ist es egal, wie sie es tun, aber wir müssen Zahlungen tätigen am Monatsende", mahnte er. Der Region gingen die Möglichkeiten zur Refinanzierung aus. Katalonien - das ein Fünftel des spanischen BIP erwirtschaftet - muss in diesem Jahr mehr als 13 Mrd. Euro umschulden.

Analysten befürchten, dass Spanien weitere Schulden aufnehmen muss, um die Kapitalspritze für Bankia und die Unterstützung Kataloniens zu bezahlen. Dabei hat die Zentralregierung wenig Spielraum. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind zuletzt wieder über 6,3 Prozent gestiegen. Gleichzeitig muss die Regierung dieses Jahr mehr als 45 Milliarden Euro einsparen. (Jan Marot, DER STANDARD, 26./27.5.2012)

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    Bankia braucht ein immer größeres Paket. Statt zunächst 4,5 Milliarden Euro muss der spanische Staat wohl 20 Milliarden in das Institut zuschießen. Dafür muss Spanien neue Schulden machen.

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