Keine Hustenzuckerln

Kommentar25. Mai 2012, 18:51
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Ein Pharmaziestudium ist ein Pharmaziestudium und Medikamente sind keine Hustenzuckerln

Nicht dass Lobbying in Österreich ein Fremdwort wäre. Aber dass sich Politiker so offensichtlich vor den Karren eines Unternehmens spannen lassen, hat Seltenheitswert. Via Seniorenvertreter versucht dm, Stimmung für den Verkauf von rezeptfreien Medikamenten in Drogeriemärkten zu machen. Das wäre international nichts Neues, nach österreichischen Standards dennoch in mehrerlei Hinsicht unvernünftig.

Denn bei allem Bemühen, das das Unternehmen verspricht: Ein Pharmaziestudium ist ein Pharmaziestudium. Medikamente sind keine Hustenzuckerln, und dass der Apotheker vielleicht nicht bei jedem Aspirin fragt, bei wem, warum und in welcher Dosis es angewandt werden soll, ist ein Argument für mehr Vorsicht - nicht für weniger.

Sicherheit im Hinblick auf Wechselwirkungen soll die E-Medikation bringen. Die wäre durch den liberalisierten Medikamentenverkauf ad absurdum geführt. Bei dm hat man die Lösung parat: Der Drogeriemarkt möchte bei der E-Medikation einfach mitmachen. Geht's noch? Es gibt viele Bedenken, was den Datenschutz betrifft. Würde die Politik ernsthaft den Zugang zum System für ein Großunternehmen erwägen, wäre das das Ende des Projekts.

Bleibt noch das Preisargument. Kann sein, dass das eine oder andere Medikament bei dm billiger wäre als in der Apotheke. Aber bei der Gesundheit darf es nicht nur um Kosten gehen - Lobbying hin oder her. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 26./27./28.5.2012)

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