Richtungsstreit um Zukunft des Wien-Museums

  • Das Wien-Museum könnte zum Zentralbahnhof übersiedeln, wo es von 
Hochhäusern umzingelt wäre.
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    Das Wien-Museum könnte zum Zentralbahnhof übersiedeln, wo es von Hochhäusern umzingelt wäre.

  •  Oder es bleibt neben der Karlskirche 
und erhält einen Zubau sowie einen neuen Solitär; unter dem Vorplatz 
könnte eine Ausstellungshalle errichtet werden.
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    Oder es bleibt neben der Karlskirche und erhält einen Zubau sowie einen neuen Solitär; unter dem Vorplatz könnte eine Ausstellungshalle errichtet werden.

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Der Kulturstadtrat ist vom Zentralbahnhof fasziniert, der Direktor möchte aber am Karlsplatz bleiben

Vor sieben Jahren, 2005, hätte sich Wolfgang Kos, der Direktor des Wien-Museums, vorstellen können, das Künstlerhaus gegenüber mit einer Dauerausstellung zu Wien um 1900 zu bespielen. Doch dann nahm er von der Idee Abstand: Die Chancen auf einen Neubau oder zumindest Zubau wären gegen null gesunken.

Tatsache ist: Das Gebäude am Karlsplatz von Oswald Haerdtl aus dem Jahr 1959 entspricht längst nicht mehr den Erfordernissen eines zeitgemäßen Museumsbetriebes. Es gibt viel zu wenig Platz für die Sammlungen, und die Publikumsbereiche sind ungenügend. Zudem ist der Nachkriegsbau sanierungsbedürftig.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) versprach, bis Ende 2010 die Frage, wo ein neuen Wien-Museum errichtet werden soll, geklärt und die Grundlagen für einen internationalen Architekturwettbewerb vorbereitet zu haben. Doch bis jetzt wurden keine Entscheidungen gefällt.

Den Vorwurf der Untätigkeit weist der Stadtrat im STANDARD-Interview von sich. In der von ihm eingesetzten Arbeitsgruppe hätten sich drei Standorte herauskristallisiert: Schwedenplatz, Zentralbahnhof und Karlsplatz.

Wenn man eine "Signalarchitektur" realisieren will, für die Kos plädiert, ist der Schwedenplatz, wie Mailath-Pokorny eingesteht, "sicher der attraktivste Standort". Die Realisierungschancen sind allerdings minimal: "Es gibt ungelöste Probleme hinsichtlich Statik, Widmungen und Möglichkeiten, die Bebauung zu verdichten. Die Wiener Linien müssten umgeleitet werden, man müsste den offenbar sehr lukrativen Standort einer Tankstelle ablösen etc."

Der Stadtrat schwärmt unüberhörbar für den Zentralbahnhof: "Wir sind mit dem Liegenschaftseigentümer, der Erste Bank, in tiefgehenden Gesprächen, wie diese Partnerschaft aussehen könnte. Beim Projekt Donauplatte wurde die Kultur nicht von Anfang an mitgedacht. Hier ist es anders. Zudem kann man an vorhandene Einrichtungen anbinden." Unter dem Arbeitstitel " Quartier Belvedere" könne ein neuer Kulturbezirk entstehen: "Das ist faszinierend. Er bestünde aus dem Belvedere, dem 21er-Haus, dem Wien- Museum und dem Heeresgeschichtlichen Museum. Es gibt zudem Überlegungen, rund um die Piazza zwischen Gürtel und Bahnhof auch noch andere Kulturinstitutionen einzubeziehen."

Kos: "Fehler rächen sich"

Kos ist vom Zentralbahnhof aber nicht begeistert. Das Museum wäre von Hochhäusern umzingelt. Und auch der Museumsfachmann Dieter Bogner bestätigte ihm, dass die zentrale Lage gerade für ein Museum, das die Stadt zum Thema hat, von entscheidender Bedeutung ist. "Direktoren und Inhalt kann man ändern", sagt Kos, "den Standort nicht. Museen sind Jahrhundertprojekte, bei denen sich Fehler in der Zukunft unerbittlich rächen."

Er bliebe lieber am Karlsplatz. Mailath-Pokorny verhehlt nicht, dass sich dort neue Möglichkeiten aufgetan hätten: "Das Winterthur-Gebäude zwischen Wien-Museum und Karlskirche kann mitgedacht werden. Man könnte das Gebäude redimensionieren, das würde die Freistellung der Karlskirche ermöglichen. Den Platz, den man verliert, müsste man irgendwo dazugewinnen - unterirdisch oder oben drauf. Das Projekt böte die Chance, am Standort zu bleiben, der natürlich der beste ist."

Kos wartet zudem mit einer Überraschung auf: Laut einer Bebauungsstudie von Lakonis, eines in Wien auf stadträumliche Fragen spezialisierten Büros, wäre ein solitärer Neubau 20 Meter neben dem unter Denkmalschutz stehenden Haerdtl-Museum möglich. Die Sicht auf die Karlskirche wäre von keinem Punkt aus eingeschränkt, zwischen den beiden Museumsflügeln würde ein Vorplatz entstehen - und unter diesem könnte, als Verbindungselement, eine große Ausstellungshalle errichtet werden. Der Direktor sieht alle Vorgaben erfüllt. Und er weist auf den spannenden Dialog zwischen Neu und Alt hin: "Die Kunst besteht im Weiterschreiben wichtiger historischer Bauten in der Architektursprache der Gegenwart und Zukunft."

Die Diskussion wird weitergehen. Wenigstens ist die Entscheidung für ein neues Depot gefallen. "Bei der Unterbringung von mehr als einer Million Objekte war tatsächlich Gefahr in Verzug, wie das Kontrollamt festgestellt hat", sagt Mailath-Pokorny. "Das Museum wird demnächst die Mietverträge für ein neues Zentraldepot unterfertigen." Kos bestätigt dies - und hat eine Sorge weniger. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 26./27.28.5.2012)

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ich würde es nicht so gut finden, wenn die museumsmeile ausgerechnet das wien museum verliert! warum das schöne winterthur von c.lippert abreissen, anstatt es einzubinden. die "freie" karlskirche ist sicher kein argument, denn was durch den abriss freigegeben würde, lässt auch keinen freien blick zu!
karlsplatz: never ending story seit sitte und wagner und wagner, eine befriedigende lösung bedarf eines genies!

Ich sage nur: wenn der ORF das Funkhaus in der Argentinierstrasse verlässt, wird man sich eine sinnhafte Nachnutzung einfallen lassen müssen. Ein Medien-Museum...?

Hin und her

.... Der Wind weht und mit ihm wackeln unsere Entscheidungsträger mal so mal anders aber gewiss unverbindlich.

wo ist david-lauritz?

FTW!

der nennt sich jetzt

konstantinus.

schau!

na, da hätt ich selber auch drauf kommen können, wenn ich nur bissl mehr noch den thread verfolgt hätt.
aber danke, is jetzt auch noch amüsant zum nachlesen

Bild 2 erinnert mich an eine Mischung aus Geschirrspüler und Klimaanlage und an R2D2. O_o

Paris...

... ach wie sehne ich mich nach Paris angesichts solcher Diskussionen... die Pyramide vor dem Louvre, oder praktisch jedes Museum oder öffentliche Gebäude.

tja, moderne contra historimus zeichnet wien seit jeher aus. sowohl zu zeiten wagners - wodurch etliche atemberaubende gebäude und plätze (TMW, kriegsministerium, stadtmuseum, akademie, rathausplatz, kaiserin-elisabethplatz, aspernplatz) nicht realisiert wurden - als auch danach.

wenn modernes realisiert wurde, dann großteils scheußliche ungetüme, für deren bau historische gebäude weichen mussten (matzleinsdorfer kirche, div. stadtbahnpavillons und bahnhöfe) - vor allem in den 3 jahrzehnten nach kriegsende!

man soll einen Teil ins Otto Wagner Spital am Steinhof auslagern,

das wäre auch eine interessante Nachnutzung dieser wunderschönen Jugendstilpavillions - wenn man schon das Spital dort auslagern muss!

Wetten, das geplante Hochhäuser - Meer kommt Nicht ...

Grund: = > Wirtschaftskrise

karlsplatz

ein museum so weit draußen ist meiner meinung nach etwas deplatziert - siehe die probleme die das 20er-haus hatte.

aber BITTE! nicht den karlsplatz zubauen! wenn das museum mehr platz braucht, dann brauchen wir eben einen neuen standort oder mehr fläche - keller oder dach

mehr platz kann man aber nicht aus der hosentasche ziehen, ausser er liegt weiter draussen oder man nimmt eine halbwegs freie fläche im zentrumsbereich.
ein klarer fall von katze-in-den-eigenen-schwanz-beissen.

mehr platz

steht teils schon im artikel: keller, dach, oder nachbargebäude.

gerade im bezug auf keller könnte man überlegen ob es sinnvoll bzw. technisch machbar wäre künstlerhaus und wien-museum mittels neuer unterirdischer ausstellungsflächen zu verbindinden.

dabei könnte man etwa die alten stadtbahnpavillons miteinbeziehen.

gegen das zubauen halbwegs freier ungenützer flächen habe ich nichts einzuwenden, aber der karlsplatz ist ein park, und kein parkplatz samt tankstelle wie etwa der schwedenplatz.

Heißt der Hauptbahnhof jetzt wieder Zentralbahnhof. ;)

Zum Thema: Alleine nur den Standard Südbahnhof anzudenken ist völlig daneben. Der Platz liegt für einen Bahnhof schon völlig ungünstig, erst recht für ein Museum.

Architektenlobby zerstört Wien!

Hotel Intercontinental, Wien-Mitte, Chipperfield Bau, Schwarzenbergplatz, , Wien-Museum, ...

Was will die Architektenlobby? Lieber im Zentrum als am Stadtrand möglichst große Klötze hinstellen (Groß = Status). Das gibt ihr aber nicht das Recht, Wien zu zerstören. Denkmalschutz der Gründerzeit braucht mehr Gewicht in Wien!

gründerzeit

ich bin absolut nicht der ansicht, dass historische gebäude einfach so gegen neubauten ersetzt werden können sollten, aber ich möchte das thema "gründerzeit" relativieren.

otto wagner konnte zahlreicher seiner genialen pläne deshalb nicht umsetzen weil die vertreter des fantischen historismus ihn mit zähnen und klauen daran zu hindern versuchten solch übermodernes zu realisieren:

http://www.austria-lexikon.at/attach/AE... 118199.jpg
http://www.ottowagner.com/assets/vi... rne-03.jpg
http://www.mediathek.at/virtuelle... rstl-2.htm
http://www.clarkart.edu/exhibitio... erMain.jpg

wenn es um den Platz des Eislaufvereins gehen wird,

da wird sich die Investorenlobby wieder prügeln, wer dort größere Klötze hinstellen kann...

vielleicht, aber nicht eine (inexistente) "architektenlobby", wie weiter oben ausgeführt. wenn wer innerstädtisch neue kubatur zulasten alter substanz (ob erhaltenswert oder nicht) schaffen möchte, dann in erster linie investoren... und dieser trend/druck wird dank der immens gestiegenen real estate preise in wien noch weiter steigen...

Rücktritt von Kos!

Zwangsbeglückung durch einen Alt-68, der die Zeichen der Zeit nicht versteht.

was du sprechda?

Otto Wagner Plan verwirklichen!

Im Berlin wurde das alte Stadtschloss, in Dresden die Frauenkirche wiederaufgebaut. In Wien hinkt man noch nach und glaubt modern zu sein, wenn man Shanghai kopiert.

Klar, dass die Architektenlobby aufschreit, weil es ihr Bauaufträge wegnimmt. Es geht aber um Wien, und nicht um die Interessen der Architektenlobby.

wiederaufbau...

wäre es wohl keiner, aber die projekte wagners zu diesem thema waren und sind städtebaulich die besten, die bisher publiziert wurden.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia... er_008.jpg

oder, was ich persönlich favorisieren würde: http://www.wienmuseum.at/uploads/p... museum.jpg

Zu guter LETZT!

Karlsplatz – du mein verlorener.... Der O. Haertl Bau… Denkmalschutz natürlich… – schon einmal umgebaut, erweitert – sensibler Eingriff jedoch, kann man nichts sagen. Sehen Sie von „vorne“ gar nicht. Nur von hinten. Sie müssen nach hinten gehen!
Der Anbau Winterthur eine andere Sache, vielleicht nicht so sensibel, aber eben selbstbewusst, damals. 1971, Georg Lippert. Naja damals war „man“ nicht so sensibilisiert wie heute. Den hat man einfach dazugeklescht, den Winterthur. 1971 Nicht nur nicht so sensibel auch nicht so raffiniert!
Aber heute, ganz was anderes:
Die Erweiterung der Erweiterung, der Zubau des Zubaus, die Aufstockung der Aufstockung. Das hat was! Das ist Wien 2012.
Und wir wissen wie es geht – besuchen Sie den Westbahnhof

westbahnhof

ich würde eher sagen, wir wüssten eigentlich wie es geht (siehe MQ, siehe U3 schottentor) aber wir haben ein talent darin an sich schöne gebäude verkommen zu lassen um dann jedwede verschlimmbesserung als meilenstein zu feiern!

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