Tiroler Pirat Ofer als Vorstand abgewählt

25. Mai 2012, 18:48
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Zunehmend Querelen in Innsbruck, erste Gehversuche in Ober- und Niederösterreich

Innsbruck / Linz / St. Pölten - Alexander Ofer, seit 15. April einziger österreichischer Pirat mit politischer Verantwortung, soll als Gemeinderat in Innsbruck den Vorsitz im Kontrollausschuss der Stadt übernehmen. Nicht begeistert davon ist die VP, immerhin stimmenstärkste Fraktion. Stadtparteichef Franz Gruber glaubt nicht, dass der gelernte Koch Bilanzen lesen könne.

Ofer selbst fühlt sich geschmeichelt, dass er am kommenden Dienstag möglicherweise in diese Funktion gewählt wird. Ein bisschen schrecke ihn die viele Arbeit. Und er gibt selbst zu, nicht ganz fit im Bilanzlesen zu sein.

Nicht nur stadtpolitisch, auch parteiintern läuft's derzeit nicht rund bei der Piratenpartei Tirol (PPT): Frontmann Ofer hatte einer via Facebook einberufenen Vorstandssitzung am 19. Mai nicht beigewohnt, bei der ein neuer Vorstand gewählt - und Ofer abbestellt wurde. Er sagt, für ihn gelte die Versammlung nicht, diese Gruppe sei kein Teil der richtigen Piraten. Die ordentliche Versammlung sei für den 18. November geplant, das bleibe auch so. Er soll bei der Staatsanwaltscahft Anzeige wegen "Verdacht der Protokollfälschung"erstattet haben.

Am Samstag, formieren sich die oberösterreichischen Piraten offiziell. Man trifft einander zum ersten Landesparteitag im Volkshaus Pichling im kleinen Saal. Der fasst zwar nur 80 Personen, aber bei einem aktuellen Mitgliedsstand von 40 Oberösterreich-Piraten dürfte man das Auslangen finden. Ein konkretes Parteiprogramm gibt es derzeit noch nicht, aber zumindest die Richtung ist klar: Uneingeschränkter Datenschutz, freie Bildung und ein transparenter Staat.

Die Piraten in Niederösterreich hätten großen Zulauf, sagt Christoph Huter, Neovorstand seit knapp drei Wochen. Sozialhilfe-Empfänger wie Uni-Professoren würden als Interessenten zu den Stammtischen kommen. Bei den Landtagswahlen in zehn Monaten wollten sie als Themenpartei auftreten, und sich nicht einem Lager zuordnen. Er selbst habe sich nie mit anderen Parteien identifizieren können, sei aber immer zu den Wahlen gekommen. Als Weißwähler. Stammtische gibt es bereits in Baden und St. Pölten, in Krems soll demnächst einer eröffnet werden. "Vielleicht finden wir auch einen knackigeren Namen dafür", meint Huter. (ver, mro, juh, DER STANDARD, 26./27./28.5.2012)

 

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