Wenn Stronach lüftet

25. Mai 2012, 18:08
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Als durch die politische Szene irrlichternde Wutgreise haben in letzter Zeit Frank Stronach und Thilo Sarrazin wieder einmal an sich gearbeitet

Als durch die politische Szene irrlichternde Wutgreise haben in letzter Zeit Frank Stronach und Thilo Sarrazin wieder einmal an sich gearbeitet. Die Aufregung, die der Deutsche mit seinem ersten Buch erzeugt hat, konnte er mit seinem Zweitling nicht mehr bewirken, aber er ist nicht der erste Autor, dem es so ergeht. Anders Onkel Frank. Der ließ seine Beiträge in der bunten "Krone" bekanntlich zu einem kolumnistischen Manifest unter dem Titel "Eine Revolution für Österreich!" zusammenstoppeln und zwei Boulevardmedien beilegen, was in "News" für derartige Erregung sorgte, dass man den "Revolutionär" gleich zweimal hintereinander groß abfeierte. Er hat eben soviel zu sagen, dass es den Lesern nur häppchenweise zuzumuten ist.

Zuerst wurde Stronach in einer Titelgeschichte leicht irreführend als "Österreichs Pirat" mit schwarzer Augenklappe vorgeführt und die Enthüllung versprochen: "Wie der Milliardär die Politik mithilfe Schwarzeneggers aufmischen will." Dieses Versprechen wurde verstärkt um die Behauptung "Stronach geht ins Rennen", aber schwer relativiert durch das Eingeständnis: "Noch schweigt er", was ihm aber gar nichts half, denn "NEWS kennt die Hintergründe". Auch Arnie erfuhr einen deutlichen Absacker, wandelte sich doch seine Mithilfe vom Titelblatt ins Blattinnere in das "spektakulärste Gerücht: Schwarzenegger wirbt für Stronach". Dafür müsste er allerdings erst geworben werden, was aber - da "Stronach durch eine ähnliche Auswandererkarriere seelenverwandt" - kein Problem sein kann, wenn es nur je zu einem Enterversuch des Piraten kommen sollte. Einen Termin sollte man sich eintragen: "Ende Juni will Stronach 'die Sensation' präsentieren".

Als Notnagel für Schwarzenegger, oder auch als "das Atout in Stronachs Polit-Spiel" präsentierte "News" Herbert Paierl (Stmk.), dessen Qualifikation sich sehen lassen kann: Er "hatte seine erste große politische Karriere 2004 hinter sich". Trotzdem - er "gilt als Mastermind an der Seite Stronachs und für dessen politische Pläne Richtung Wahlen 2013", was nicht schlecht ist, aber von "seelenverwandt" doch entfernt. "Er kennt Stronach in- und auswendig, hat auch schon für Magna gearbeitet", was er mit politischen Größen wie Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler gemein hat. Aber bedeutsamer erscheint doch: "Die Familie Dichand, Eigentümer von "Kronen Zeitung" und "heute", schätzt Stronach. Und er sie." Praktisch "seelenverwandt".

Die Niederlage, die "News" mit der Feststellung "Noch schweigt er" einbekennen musste, auch wenn alles, was Stronach zu sagen hat, seit Monaten auf dem Tisch liegt, verschärfte sich ins schier Unerträgliche. Daher konnte in der nächsten Nummer "Stronachs Ansage" nicht ausbleiben. "Der Revolutionär. Frank Stronach lüftet erstmals ein wenig den Schleie", was er in Österreich politisch wirklich vorhat." Das Gespräch wurde mit einer Härte geführt, die sich der Interviewer sonst für Erwin Pröll vorbehält. Dementsprechend lüftete sich auch der "Schleier". Unter den Enthüllungen fanden sich Perlen wie: "Ich werde selbst keine eigene Partei gründen", oder: "Es sind in keiner Weise Vereinbarungen getroffen worden, aber ich schließe nichts aus!" Wer soll die so raffiniert geweckte Spannung noch bis "Ende Juni" ertragen?

Leute, die erwägen, beim Piraten anzuheuern, weil seine "Grundprinzipien auf sozialökonomischer Basis aufgebaut sind", also dem Niveau zeitgemäßer Piraterie perfekt entsprechen, sollten bedenken: "Ich bin immer auf der Suche nach guten Leuten. Es ist wichtig, dass sie einen guten Charakter haben und auch Erfahrung, damit sie unserem Land dienen können." Weniger als Grasser und Westenthaler sollten sie also nicht zu bieten haben.

Aber "News"-Redakteure können sich das Hirn aufreißen, "Die Presse" wird doch nicht zufrieden sein. Zwei längere Text- und Bildstrecken zu Frank Stronach, raffiniert aufbereitet in zwei aufeinander folgenden Nummern, ließen sie ratlos zurück. "Was genau will der gütige Onkel aus Amerika jetzt also? Man weiß es nicht. Manche seiner Ideen klingen durchaus vernünftig. Dass man nicht mehr ausgeben soll, als man einnimmt, etwa." Aber eben nur "durchaus", nicht wirklich "vernünftig: Dass ein Staat allerdings so geführt werden kann wie ein Unternehmen, wird wohl nicht einmal der "neoliberalste Neoliberale" behaupten". Da sollten "Presse" -Redakteure sicherheitshalber noch einmal bei ihrem Gastkolumnisten Christoph Ortner rückfragen. Falls sie nicht bis "Ende Juni" warten wollen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 26./27./28.6.2012)

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