Schleudersitz Chefsessel

27. Mai 2012, 12:00
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Die Fluktuation in deutschsprachigen Vorstandsetagen liegt über dem europäischen Durchschnitt, so ein Ergebnis der aktuellen "Global CEO-Succession 2011"-Studie des Strategieberaters Booz & Company

Es ist wohl die dringende Suche nach Wachstum, die wieder gehörig Bewegung in die Chefetagen bringt. Dabei stellte die diese Woche erschienene "Global CEO-Succession 2011"-Studie des Strategieberaters Booz & Company, besonders starke Bewegungen im deutschsprachigen Raum (Österreich, Deutschland, Schweiz) fest.

Gab im Jahr 2010 dort nur jeder elfte Vorstandsvorsitzende seinen Posten freiwillig oder unfreiwillig ab, besetzten die größten Unternehmen im Jahr 2011 jede sechste Spitzenposition neu. Mit einer annähernden Verdoppelung der Fluktuationsquote von 8,7 auf 16,7 Prozent verzeichnet der deutschsprachige Raum, so die Studie weiter, im internationalen Vergleich den stärksten Anstieg. Global wuchs die CEO-Wechselquote von 11,6 auf 14,2 Prozent moderater. In Europa stieg die Quote von 10,2 auf 14,8 Prozent.

Trefflich streiten könnte man über die Argumente, die diesen Bewegungen zugrunde liegen könnten. Sprechen die einen von einer bislang nicht dagewesenen Währungs- und Politkrise Europas und interpretieren die rapide angestiegenen Wechsel auch in den deutschsprachigen Chefetagen als puren Aktionismus, argumentiert eine Gegenseite - und so auch Klaus Hölbling, Österreich-Chef von Booz & Company - das große Sesselrücken mit einer positiven Konjunktur-Entwicklung. Hölbling: "Da sich die Konjunktur vor allem in Österreich und Deutschland gut entwickelt hat, verwundert es nicht, dass die CEO-Fluktuation hier höher ist als im übrigen Westeuropa bzw. in den USA." Und: Die sich seit 2010 positiv entwickelnde Konjunktur biete nun wieder Anlass, durch geplante und geordnete Führungswechsel in Unternehmen den Weg für weiteres Wachstum zu bereiten, so Hölbling weiter.

Geplante Wechsel

Neben der steigenden Wechselquote in deutschsprachigen Chefetagen zeigt die Studie ebenso einen Trend zu mehr geplanten Wechseln: Der Anteil der "unfreiwilligen Personalrochaden", heißt es, habe sich von 20 Prozent im Jahr 2010 auf knapp zwölf Prozent annähernd halbiert. Im restlichen Westeuropa, so die Erhebung weiter, schieden 17 Prozent der CEOs unfreiwillig oder vor Ablauf der eigentlichen Vertragslaufzeit aus den Unternehmen aus. Österreich-Beispiele für geplante Wechsel etwa: OMV, Uniqa, Raiffeisen und EVN. In der Industrie und im Health-Care-Sektor wechselt das Führungspersonal am häufigsten, heißt es weiter. Die Wechselquoten in der produzierenden Industrie stiegen von 4,5 auf 26,1 Prozent; im Health-Care-Sektor von 26,9 (2010) auf 33,3 (2011) Prozent.

Als weiteres Kernergebnis wird die Performance der CEOs aus den eigenen Reihen - "Insider" - hervorgehoben. Sorgten in deutschsprachigen Unternehmen über vier Jahre hinweg extern rekrutierte Vorstandsvorsitzende (Outsider) konsequent für bessere Ergebnisse als Insider, kehrte sich dieses Verhältnis, laut aktueller Erhebung, im Jahr 2011 um. (haa, DER STANDARD, 26./27./28.5.2012)

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    Wege aus der Krise? Die dringende Suche nach Wachstum lässt Top-Manager kürzer auf ihren Positionen verweilen.

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