Stadtkino übersiedelt ins Künstlerhaus

25. Mai 2012, 18:40
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Das Gebäude am Karlsplatz soll mithilfe der Stadt in Etappen saniert werden

Nicht nur das Wien Museum, auch das Künstlerhaus auf der gegenüberliegenden Seite des Karlsplatzes muss dringend saniert werden. Die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler, der die Immobilie gehört, versuchte jahrelang, Kooperationspartner zu finden: Aufgrund der Hohlräume zwischen dem Keller des historistischen Gebäudes und der U-Bahn-Trasse könnte das Künstlerhaus unterirdisch erweitert werden - und größere Sammlungen beherbergen.

Beppo Mauhart, einst Chef von Austria Tabak, kämpft noch immer für die " große Lösung" (inklusive Restaurant auf dem Dach mit Blick auf die Karlskirche). Als Präsident von Wink, der Wirtschaftsinitiative Neues Künstlerhaus, schnorrt er emsig Geld für die Sanierung.

Doch alle Ideen (Einzug der Sammlung Essl, der Kunsthalle oder des Wien Museums) haben sich zerschlagen. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ist der Meinung, dass die "große Lösung", die er einst "sehr gut" gefunden habe, sich nicht realisieren lasse. Nun, nach vielen Gesprächen, scheint er dem Künstlerverein helfen zu wollen: "Wir haben uns auf eine stufenweise Sanierung des Künstlerhauses verständigt. Ich werde prüfen, ob es Mittel aus dem Altstadterhaltungsfonds geben kann. Und das Stadtkino wird ins Künstlerhaus übersiedeln, die Verträge liegen bereits vor, es fehlen nur mehr die Unterschriften."

Renovierungsmodule

Da eine Gesamtrenovierung in naher Zukunft nicht zu finanzieren sei, hatten Vereinspräsident Joachim Lothar Gartner und Geschäftsführer Peter Bogner dem Kulturstadtrat einen Fünf-Jahres-Plan mit " Renovierungsmodulen" vorgelegt. Zunächst müsse aufgrund statischer Probleme das Künstlerhaus Kino saniert werden; die Kosten betragen rund eine Million Euro. Im zweiten Schritt soll das Dach (Kosten: rund 1,8 Millionen Euro), im dritten die Fassaden und im vierten Schritt die Innensanierung folgen.

Die Übersiedelung des Stadtkinos ins Künstlerhaus wird allseits begrüßt. Denn auch das angemietete Kino am Schwarzenbergplatz müsste dringend renoviert werden. "Ich denke mir: Bevor man dort Geld investiert, ist es gescheiter, ins Künstlerhaus zu übersiedeln, wo die Sanierung tatsächlich einen Sinn macht", sagt Mailath-Pokorny. Zumal die technische Erneuerung des Künstlerhauskinos (neue Tonanlage, digitale Projektion, neue Bestuhlung) bereits durchgeführt wurde.

Bogner ist überzeugt, dass der "Kunstplatz Karlsplatz" eine zusätzliche Aufwertung erfahren würde, und Stadtkino-Geschäftsführer Claus Philipp würde am liebsten noch heuer, nach der Viennale, übersiedeln.

Knackpunkt ist aber das Geld. Das Künstlerhaus trug die Investitionskosten für die Digitalisierung und besteht auf einer Teilablöse. Man argumentiert, dass man der Stadt bei der Miete sehr entgegenkomme: Eine Kinobetreiber würde doppelt so viel zahlen. Mailath sieht keine gravierenden Probleme. Er kündigt eine Einigung noch vor dem Sommer an. (trenk, DER STANDARD, 25.5.2012)

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