Annan reist nach Damaskus

25. Mai 2012, 17:12
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Erneut Tote und Verletzte bei Demonstrationen in Syrien - Syrische Rebellen lassen verschleppte Libanesen frei

Beirut/Berlin - Mit Tränengas und scharfer Munition sind die syrischen Streitkräfte am Freitag gegen tausende demonstrierende Regierungsgegner vorgegangen. Dabei wurden nach Angaben von Oppositionsgruppen in der nordsyrischen Stadt Aleppo zwei Menschen getötet.

Das in Großbritannien ansässige Syrische Observatorium für Menschenrechte sprach von einem Toten und einem Verletzten. Ein Aktivist in der Stadt sagte, einer der Demonstranten sei später seinen Verletzungen erlegen.

Er bezifferte die Zahl der Protestierenden auf mehr als 10.000. Neben Aleppo kam es auch zu Demonstrationen in der Hauptstadt Damaskus und in der Provinz Daraa im Süden.

Annan am Montag erwartet

In einem Vorort von Damaskus wurde nach Angaben des Observatoriums vor einer Protestkundgebung ein Junge von Heckenschützen getötet. Verletzte wurden aus der Stadt Inchel und der Region Homs gemeldet.

In der Provinz Hama seien am Morgen fünf Menschen von den Regierungstruppen getötet worden, hieß es aus Oppositionskreisen. Unter den Opfern seien drei Söhne einer Familie. Sie seien zusammen mit einem 48 Jahre alten Mann auf einem Bauernhof in der Ortschaft Shaisar erschossen worden.

Seit Beginn der Proteste gegen Präsident Bashar al-Assad sollen mehr als 10.000 Menschen getötet worden sein.

Aus syrischen Regierungskreisen verlautete unterdessen, dass der UNO-Vermittler für Syrien, Kofi Annan, am kommenden Montag in Damaskus erwartet werde. Annan, dessen Friedensplan für Syrien von Experten inzwischen als wenig erfolgreich bezeichnet wird, will nach Angaben von Regimekritikern in Damaskus auch Oppositionelle treffen und mit den UNO-Militärbeobachtern sprechen.

Syrische Rebellen ließen an der Grenze zur Türkei elf verschleppte Libanesen frei. Die Gruppe solle von der Türkei aus in einer Privatmaschine des sunnitischen libanesischen Ex-Ministerpräsidenten Saad al-Hariri in die Heimat fliegen, sagte ein Vertreter der syrischen Opposition mit engen Kontakten zu der von desertierten Soldaten gebildeten Freien Syrischen Armee am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul. Auch Sicherheitskreise in Beirut bestätigten die Freilassung.

Die Gruppe libanesischer Schiiten war am Dienstag in der nordsyrischen Stadt Aleppo von Aufständischen entführt worden. Nach Angaben ihrer Angehörigen in Beirut befanden sie sich auf der Rückfahrt von einer Pilgerreise in den Iran, als ihr Bus von den Rebellen überfallen wurde. Die meisten Aufständischen in Syrien sind Sunniten, während sich das Regime von Präsident Assad auf die schiitisch-alawitische Minderheit stützt.

In den vergangenen Tagen war der Konflikt verstärkt in das Nachbarland Libanon übergeschwappt. Sunniten lieferten sich in mehreren Städten Straßenkämpfe mit Alawiten und anderen Anhängern des syrischen Regimes. Die libanesischen Sunniten sympathisieren mehrheitlich mit den syrischen Revolutionären.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat am Freitag erneut den syrischen Botschafter einbestellt. Hintergrund war der am Donnerstag veröffentlichte Bericht der Syrien-Kommission des UN-Menschenrechtsrats über schwere Menschenrechtsverstöße der syrischen Armee und Sicherheitskräfte. Nach Angaben des AA verdeutlichte der Beauftragte für Nah- und Mittelostpolitik, Boris Ruge, die Sorge der deutschen Bundesregierung über die anhaltende Repression durch Damaskus.

Der syrische Botschafter in Deutschland, Radwan Lutfi, wurde angesichts der anhaltenden Gewalt in seinem Land bereits mehrfach ins Auswärtige Amt einbestellt. (APA, 25.5.2012)

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