Die blau schimmernde Vogelspinne und der "wandelnde Kaktus"

28. Mai 2012, 20:28
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International Institute for Species Exploration erstellt eine Hitliste der ungewöhnlichsten Spezies des vergangenen Jahres

Tempe - Orwell hatte recht: Alle Tiere sind gleich - aber manche Tiere sind gleicher als andere.  Das International Institute for Species Exploration (IISE) der Universität Arizona in Tempe hat eine "Top Ten"-Liste der ungewöhnlichsten im vergangenen Jahr entdeckten Spezies erstellt; passives Wahlrecht genossen Tiere, Pflanzen und Pilze. Etwa 18.000 neuentdeckte Arten gab es, das IISE erstellte seine Liste schließlich aus 200 Nominierungen. Anmerkung: Bilder der Großen Zehn finden Sie hier, Fotorechte haben wir leider nur zum bereits hinlänglich bekannten Burnmesischen Stumpfnasenaffen.

... der durfte auf der Liste natürlich nicht fehlen. Rhinopithecus strykeri muss angeblich bei Regen niesen, weil ihm Wasser in die nach oben zeigenden Nasenöffnungen läuft - eindeutig belegt ist dies jedoch noch nicht. Der Affe lebt in Gebirgswäldern und ist vom Aussterben bedroht.

Aus der Kategorie Krabbeltiere

Bei ihrer Auswahl für die Hitliste der Entdeckungen orientierten sich das internationale Team an mehreren Kriterien. "Spezies, die unsere Aufmerksamkeit erregten, weil sie besonders ungewöhnlich waren oder bizarre Merkmale hatten", habe die Gruppe ausgesucht, sagte das Jurymitglied Mary Liz Jameson von der Wichita State University nach einer Mitteilung. Wie die Vogelspinne Pterinopelma sazimai, der man eine gewisse Schönheit nicht absprechen kann: Die nur in den hohen, regenreichen Bergen Brasiliens vorkommende Spezies besticht mit einer blau schimmernden Behaarung.

Vorsichtig pirscht sich indes die Wespe Kollasmosoma sentum an ahnungslose Ameisen heran. Wie ein Sturzbomber düst sie dann auf ihre Opfer zu und legt ein Ei in ihnen ab. Die tödliche Attacke dauert im Schnitt nur 0,052 Sekunden und verwandelt die Ameise in einen Wirt für die Larve der Wespe, wie Forscher ermittelten.

In einer südafrikanischen Goldmine stießen Wissenschafter 1,3 Kilometer unter der Erdoberfläche auf einen tierischen Schatz. Der "Teufelswurm" ist nach Forscherangaben der am tiefsten lebende mehrzellige Erdbewohner. Der einen halben Millimeter lange Fadenwurm wurde Halicephalobus mephisto getauft - in Anlehnung an einen der vielen Namen des christlichen Teufels. Den Spitznamen "Wandernde Wurst" muss sich indessen der Tausendfüßer Crurifarcimen vagans aus Tansania gefallen lassen, der es immerhin auf 16 Zentimeter Länge bringt.

Die Nichtmobilen

Der Spongebob-Pilz bekam seinen Namen Spongiforma squarepantsii, weil er wie ein Schwamm aussieht und sein Körper wirklich wie ein Schwamm zusammengedrückt werden kann und danach wieder die alte Form annimmt. Selbst die mikroskopisch kleinen Sporen des Pilzes sehen wie ein Schwamm aus. Aber die Forscher fanden auch noch eine andere "Ähnlichkeit" zwischen der Cartoonfigur und dem Pilz: Die Pflanze riecht nach Früchten - und Spongebob lebt in einer Ananas.

Von allen 25.000 bisher bekannten Orchideenarten ist die Bulbophyllum nocturnum aus Papua-Neuguinea die einzige, die ausschließlich nachts blüht, schreiben die Wissenschafter. Sie öffnet ihre Blüten abends um etwa 22.00 Uhr und schließt sich am nächsten Morgen. Das gelb blühende Mohngewächs Meconopsis autumnalis hingegen stammt aus Nepal und hätte schon längst als bislang unbekannte Art klassifiziert werden können - erst jetzt, als Botaniker zum dritten Mal Proben der Pflanze einsammelten, wurde ihr Status erkannt.

In der Zeit zurück

Das etwa 520 Millionen Jahre alte Fossil Diania cactiformis ist bisher vor allem unter dem Namen "Wandelnder Kaktus" bekannt, gehört aber zu den Lobopoden, einer im Kambrium verbreiteten und heute ausgestorbenen Tiergruppe, die weitläufig mit den Gliederfüßern verwandt war. Das Geschöpf war sechs Zentimeter lang und hatte dutzende Beine, die optisch eher an Blätter erinnern. Das Fossil wurde in Chengjiang im Südwesten Chinas gefunden. 

Und zu guter Letzt wäre da noch die Würfelqualle Tamoya ohboya aus der Karibik: Ihre gebänderten Tentakel sind durchaus hübsch - doch auch wenn ihr Nesselgift nicht so stark ist wie das einiger verwandter Spezies, möchte man damit doch lieber keine Bekanntschaft schließen. So erklärt sich nämlich auch der Name, der - mit Erfolg - von der Biologielehrerin Lisa Peck vorgeschlagen wurde. "Oh boy!" dürften diejenigen ausrufen, die mit einem Exemplar der Spezies schmerzhafte Bekanntschaft schließen. (APA/red, derStandard.at, 25.5.2012)

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