Ratzingers Butler verhaftet

25. Mai 2012, 16:01
103 Postings

Verdächtiger wegen Weitergabe geheimer Dokumente von vatikanischem Staatsanwalt vernommen - Vatikanbanker geschasst

Rom - Im Skandal um die Weitergabe vertraulicher Vatikan-Dokumente an die Medien ist es am Donnerstag zu einer Festnahme gekommen. Der Haushofmeister des Papstes, Paolo Gabriele, wurde nach Angaben italienischer Medien von der vatikanischen Gendarmerie in der Wohnung festgenommen, in der er mit seiner Familie lebte. Der 40-jährige Römer arbeitete seit 2006 für den Papst, nachdem er im Dienst von Erzbischof James Harvey, dem Präfekten des Päpstlichen Haushaltes, gestanden war.

Gabriele wurde am Donnerstagnachmittag von dem Kommandanten der vatikanischen Gendarmerie, Domenico Giani, festgenommen und dann vom Vatikan-Staatsanwalt Nicola Picardi vernommen. Eine beträchtliche Menge an vertrauten Dokumenten wurden in der Wohnung des Kammerdieners des Papstes gefunden, berichteten italienische Medien. Zuvor hatte der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, die Festnahme einer Person in Zusammenhang mit dem Dokumenten-Skandal bestätigt. "Sie steht jetzt der vatikanischen Justiz zur Verfügung, um ihre Position zu klären", sagte Lombardi.

Pensionierte Kardinäle ermitteln

Die Weitergabe vertrauter Informationen beschäftigt den Heiligen Stuhl, nachdem der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi angebliche Geheimdokumente aus dem Vatikan veröffentlicht hatte. In einem Buch mit dem Titel "Sua Santita" (Seine Heiligkeit) publizierte er nach eigenen Angaben "Geheimpapiere von Benedikt XVI.". Dazu gehören Briefe und Faxe sowie Gesprächsvorlagen für den Papst. Unter anderem war ein internes Vatikanmemorandum für ein Treffen des Papstes mit dem italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano abgedruckt worden. Ende April hatte Benedikt XVI. drei pensionierte Kardinäle beauftragt, die wiederholte Weitergabe interner Dokumente nach außen aufzuklären.

Der Vatikan hatte vergangene Woche ein entschiedenes Vorgehen gegen die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente des Papstes angekündigt. Es handle sich hier nicht mehr um Journalismus, sondern um kriminelle Taten und um die Verletzung persönlicher Freiheitsrechte, hieß es in einem am vergangene Samstag vom Vatikan veröffentlichten Kommunique.

Spekulationen um Zusammenhang mit geschasstem Banker

Spekuliert wird nun, ob es einen Zusammenhang zwischen der Festnahme Gabrieles und der am Donnerstag beschlossenen Entlassung des Chefs der Vatikanbank IOR, Ettore Gotti Tedeschi, gibt. Dieser musste nach einem Misstrauensvotum des Aufsichtsrats am Donnerstag zurücktreten. Der Bankmanager, der mehr Transparenz in die Geschäfte der Vatikanbank bringen sollte, habe trotz wiederholter Mahnungen "bestimmte Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt", teilte der Vatikan am Freitag mit. In italienischen Medien wurde auch über einen möglichen Zusammenhang mit dem "Vatileaks"-Skandal spekuliert.

Interimistisch soll die Bank jetzt vom bisherigen Vizepräsidenten, Ronaldo Hermann Schmitz, Vertreter der Deutschen Bank im IOR-Vorstand, geleitet werden, berichteten italienische Medien. Es gehe jetzt darum, einen neuen Präsidenten zu finden, der sich um den Aufbau "wirksamer und breiter Beziehungen zwischen dem IOR und der Finanzwelt" bemühe, heißt es im Vatikan. Diese Beziehungen müssten "auf Grundlage von beiderseitigem Respekt vor international akzeptierten Bankenstandards" bestehen.

Machtkämpfe und Intrigen sollen zur Ausgrenzung des IOR-Chefs geführt haben, der in den vergangenen Monaten immer wieder mit dem vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, in Konflikt geraten war. Die Vatikanbank stand in der Vergangenheit bereits wegen undurchsichtigen Finanzgebarens in der Kritik, unter anderem im Zusammenhang mit Geldwäsche.   (APA, 25.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Papstbutler Paolo Gabriele (vorne links) soll seinem Chef die Unterlagen geklaut haben.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gefeuert: Vatikanbanker Ettore Gotti Tedeschi (rechts)

Share if you care.