Bildungsstandards: Ergebnisrückmeldung ähnlich wie im Rest Europas

25. Mai 2012, 14:43
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Rankings sind in fast keinem Land erlaubt

Wien - Bei Testungen zu Bildungsstandards werden in fast allen europäischen Staaten nicht nur die absoluten Ergebnisse der Schulen miteinander verglichen. Wie beim in Österreich derzeit umstrittenen "fairen Erwartungswert" gibt es auch in anderen Ländern zusätzlich einen Vergleich der Leistungen von Schulen mit ähnlichen Merkmalen. Das zeigt eine Erhebung des Informationsnetzes zum Bildungswesen in Europa "Eurydice" zu "Zielen und Organisation nationaler Lernstandserhebungen" in 30 europäischen Ländern (EU-27 plus Island, Norwegen und Liechtenstein).

In Österreich wurden am Mittwoch zum ersten Mal die Bildungsstandards getestet, alle 86.000 Schüler der 4. Klasse AHS, Hauptschule und Neue Mittelschule (NMS) haben dabei ihre Mathematikfähigkeiten unter Beweis gestellt. Im Dezember gibt es die Ergebnisse: Die Schüler werden nur ihr eigenes Ergebnis (inklusive Vergleich mit dem Österreich-Schnitt sowie der Schultypen) erhalten, die Lehrer die Einzelleistungen ihrer Schüler (in anonymisierter Form), der Direktor das Ergebnis seiner Schule bzw. der einzelnen Klassen, die Landesschulbehörden die Ergebnisse ihres Bundeslands bzw. der Schulen und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) einen Österreich-Bericht.

"Fairer Erwartungswert"

Zusätzlich wird der sogenannte "faire Erwartungswert" ausgewiesen, ein Vergleich der Schulen "unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen" wie der Größe der Schule, dem Schulstandort oder der Zusammensetzung der Schüler (Migrationshintergrund, Bildungsgrad der Eltern). In Deutschland wird ebenfalls ein Unterschied nach Schulformen gemacht: Dort wird laut Informationen der Kultusministerkonferenz etwa das Ergebnis einer Klasse mit dem anderer Klassen im selben Bildungsgang (Gymnasium, Hauptschule) sowie anderer Klassen aus einem Einzugsgebiet mit ähnlicher Schülerzusammensetzung verglichen.

Insgesamt erhalten in Europa in der Hälfte der untersuchten Staaten die Schulbehörden einen Überblick über die Leistungen der Schulen aus ihrem Zuständigkeitsbereich. Wie in Österreich sind Rankings wegen deren mangelnder Eignung als Maßstab für die Effektivität von Schulen nur in den wenigsten Ländern möglich bzw. erlaubt. Die Art der Datenpräsentation ist abgesehen davon sehr unterschiedlich: So werden in Schweden die Rohdaten der Schulen veröffentlicht, in Island hingegen die nach Merkmalen wie Schülerpopulation etc. gewichteten Indikatoren.

Einen nationalen Bericht über die Gesamtergebnisse gibt es in praktisch allen Ländern, häufig auch mit einem Überblick über die Veränderung der Ergebnisse im Zeitverlauf und einer Analyse von Hintergrundfaktoren, die sich auf die Leistungen der Schüler auswirken können, etwa Schulinfrastruktur oder Bevölkerungsmerkmale. Dabei werden die Tests laut dem Bericht durchaus auch als politisches Instrument eingesetzt: In manchen Ländern gelten sie demnach als "wichtiges Instrument, um auf Ungleichheiten in den Leistungsniveaus von Schülern und Schulen sowie auf die Faktoren aufmerksam zu machen, die derartige Unterschiede verschärfen können".

Differenzierung auch in anderen Ländern

Mit dem Testdesign, bei dem nicht alle Schüler einen identischen Test erhalten, sondern aus einem großen Pool verschiedene Fragenpakete derselben Schwierigkeitsstufen zusammengestellt werden, ist Österreich ebenfalls nicht alleine. Gut ein Drittel der Länder setzt auf eine Differenzierung der Tests, die laut der Studie das Abfragen möglichst vieler Kenntnisse und Fertigkeiten ermöglichen soll, um methodisch und statistisch zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. (APA, 25.5.2012)

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