Österreichischer Anthropologe plünderte Gräber in Südafrika

25. Mai 2012, 18:47
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Rudolf Pöch hat seinerseits ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof

Wien - Dutzende Gräber von Angehörigen des südafrikanischen Volkes der San wurden 1908/09 von dem österreichischen Anthropologen und Ethnographen Rudolf Pöch (1870-1921) und seinen Mitarbeitern geschändet, menschliche Überreste trotz der Proteste von Verwandten und Nachbarn entfernt und für Zwecke der "Rassenforschung" nach Österreich gebracht. Auch nach südafrikanischem Recht waren diese Handlungen illegal, Pöch brach sein von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften finanziertes Forschungsprojekt vorzeitig ab und kehrte nach Wien zurück, wie Universitätsprofessor Walter Sauer, der Leiter des Wiener Dokumentations- und Kooperationszentrums Südliches Afrika (SADOCC), in der abgelaufenen Woche in einem Vortrag zur Wiedergutmachung kolonialen Unrechts der Habsburgermonarchie darlegte.

Als Sammler anthropologischen und ethnographischen "Studienmaterials" und Begründer des Instituts für Anthropologie und Ethnographie an der Universität Wien wurde Rudolf Pöch berühmt und nach seinem frühen Tod geehrt. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

SADOCC hatte bereits 2007 aufgrund der Forschungen der südafrikanischen Historiker Martin Legassick und Ciraj Rassool die pietätlosen Praktiken Pöchs erstmals in Österreich thematisiert. Im April 2012 fand zumindest die Geschichte von zwei von Pöch geraubten Leichen, jener des Ehepaares Klaas und Trooi Pienaar, ihren Abschluss durch die Rückgabe an Südafrika, wo die Wiederbestattung bevorsteht. Als Rechtsnachfolger der Habsburgermonarchie hat sich die Republik Österreich bei Südafrika entschuldigt. Nun gehe es darum, "die belastete Geschichte positiv zu bewältigen - zum Beispiel durch ein Kulturabkommen zwischen Österreich und Südafrika", forderte Walter Sauer, der an den Restitutionsverhandlungen im Fall Pienaar maßgeblich beteiligt war. (APA/red, derStandard.at, 26.5.2012)


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SADOCC

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