Betrug mit "Schlüssel gegen Vorkasse"

  • Luxuswohnungen zum Superpreis, der Vermieter im Ausland: Bei solchen Offerten ist höchste Vorsicht geboten.

    Luxuswohnungen zum Superpreis, der Vermieter im Ausland: Bei solchen Offerten ist höchste Vorsicht geboten.

Die Wohnung supergünstig, der Vermieter leider im Ausland, den Schlüssel gibt's gegen eine Überweisung: Seit drei Jahren kommen solche Betrugsfälle in Österreich regelmäßig vor

Immer wieder werden in diversen Online-Immobilienportalen scheinbar extreme "Schnäppchen", also sehr günstig erscheinende Mietwohnungen in guter oder sogar bester Lage, angepriesen. Diese Wohnungen sind zumeist voll möbliert, auch das Internet ist laut Annonce meist schon vorinstalliert und könne auch gratis genutzt werden.

Nach einer ersten Kontaktaufnahme gibt der Vermieter dann an, sich im Ausland zu befinden. Gegen eine Mietvorauszahlung oder eine Art Kaution könne er den Wohnungsschlüssel per Paketdienst übermitteln lassen, bietet er an. Direkten Ansprechpartner in Österreich gibt es keinen. Nach der Bezahlung bricht der Kontakt dann ab; es gibt keinen Wohnungsschlüssel, und auch die Wohnung selbst ist oft gar nicht existent.

"Es bleibt oft beim Versuch"

Und: Das Geld ist weg. "Glücklicherweise bleibt es oft nur beim Versuch", sagt Silvia Strasser, Sprecherin des Bundeskriminalamts (BK) in Wien. Falls doch einmal jemand auf die Masche der Betrüger hereinfalle, sei wenigstens auch die Schadenssumme meist vergleichsweise gering - ein schwacher Trost für die, die es trifft.

Eine besondere Häufung dieser Betrugsfälle in Österreich sieht man beim BK derzeit nicht. Seit mittlerweile drei Jahren beobachte man allerdings eine im Wesentlichen gleich bleibende Anzahl, so Strasser auf Anfrage von derStandard.at.

Ebenso wie in Deutschland, wo der Makler-Verband IVD am Freitag eine Warnung veröffentlichte. "Die Alarmglocken sollten nicht nur bei unrealistisch niedrigen Preisen schrillen. Auch sollte Misstrauen herrschen, wenn der angebliche Wohnungseigentümer nur per E-Mail oder Telefon erreichbar ist und die Wohnung nicht persönlich zeigen kann - und es auch keinen Makler oder Verwalter gibt, der die Besichtigung übernehmen könnte", meint der IVD-Nord-Vorsitzende Axel Kloth. "Schlüssel gegen Vorkasse" nennt er das "Geschäftsmodell" der Betrüger - "mit Überweisungen auf ein Treuhandkonto ist die Kaution dann nicht mehr rückholbar".

"IT-Kriminalität" schon unter "Big Five"

Gerade beim Online-Kauf bzw. bei der Geschäftsanbahnung übers Internet sollte man ohnehin immer mit erhöhter Aufmerksamkeit vorgehen, sagt Polizei-Sprecherin Strasser. Vor einer ersten Geldüberweisung bzw. vor Abschluss eines Vertrages sollte immer auf einer Besichtigung der Immobilie bestanden werden.

Erst vor wenigen Tagen gab das BK eine Statistik über die Kriminalitätsentwicklung in Österreich heraus, in der die "IT-Kriminalität" bereits zu den "Big Five" der Deliktsbereiche gezählt wird. 1.926 Delikte wurden hier in den ersten drei Monaten 2012 zur Anzeige gebracht, was einem 79-prozentigen Anstieg zum Vorjahresquartal bedeutete.

Hier die Empfehlungen der Polizei im Wortlaut:

  • Betrüger agieren intelligent und nützen Schwächen bzw. Notsituationen der Opfer eiskalt aus.
  • Seien Sie bei allen Anmietungen aufmerksam und überprüfen Sie Ihren Geschäftspartner ("Know your customer"). Nehmen Sie auf jeden Fall persönlichen Kontakt mit dem Vermieter oder dessen Makler auf.
  • Bestehen Sie auf einer Besichtigung der Immobilie vor Abschluss eines Mietvertrages bzw. vor einer Bezahlung einer Kaution und überprüfen Sie die Berechtigung der Vermietung. Konzessionierte Immobilienmakler in Österreich sind von Gesetzes wegen zu einer derartigen Prüfung verpflichtet.
  • Seien Sie besonders vorsichtig bei Überweisungen an Vermieter oder Makler, die angeben, ihren Sitz im Ausland zu haben. (Die Verwendung eines Geldtransfer-Dienstleisters stellt möglicherweise ein noch größeres Indiz für eine Betrugshandlung dar!)
  • Falls Ihnen ein Vermieter unseriös vorkommt und Sie das Gefühl haben, an einen Betrüger geraten zu sein, brechen Sie den Kontakt sofort ab. Sollten Sie betrogen worden sein, so erstatten Sie Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle.

(Martin Putschögl, derStandard.at, 26.5.2012)

Hinweis

Anzeigen nimmt die "Meldestelle Against Cybercrime" im BK auch online entgegen: against-cybercrime@bmi.gv.at

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