Steirer für Skiunfall mit schwer verletztem Fünfjährigen verurteilt

25. Mai 2012, 13:30
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Kind hatte Schädel-Hirn-Trauma erlitten - Vier Monate bedingte Haft und 1.800 Euro Geldstrafe

Klagenfurt - Zu vier Monaten bedingter Haft und 1.800 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ist am Freitag am Landesgericht Klagenfurt ein 37 Jahre alter Baumeister aus Graz verurteilt worden. Er hatte am 27. Dezember im Skigebiet Hochrindl in Kärnten einen Fünfjährigen niedergefahren, der ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt und tagelang auf der Intensivstation lag. 10.000 Euro zur Wiedergutmachung hat der Angeklagte den Geschädigten bereits überwiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Zufällig anwesende Ärztin leistete Hilfe

Der Unfall hatte sich zehn Meter unterhalb einer mit einem Warnschild versehenen Geländekuppe ereignet, wo das Kind, das einen Helm trug, gestürzt war. Der Vater des Buben war gerade dabei, ihm aufzuhelfen, als der Steirer über die Kuppe sprang und in beide hineinkrachte. Das Kind wurde elf Meter weggeschleudert, eine zufällig anwesende Ärztin leistete Erste Hilfe. Der Bub musste im Klinikum Klagenfurt in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden. Der Vater wurde bei dem Unfall nur leicht verletzt. Der Bub ist nach wie vor in Behandlung, befindet sich aber auf dem Weg der Besserung, sagte sein Vater. Sein Wunsch sei es, sich bei der Ärztin zu bedanken. Ihre Identität ist jedoch nicht bekannt, sie war nicht Unfallzeugin, ihre Daten wurden daher nicht aufgenommen.

Außerachtlassen der FIS-Regeln

Laut Anklage hatte der Baumeister den Unfall unter Außerachtlassen der FIS-Regeln verursacht. Er sei zu schnell unterwegs gewesen und sei nicht auf Sicht gefahren. Der Verteidiger sagte, es gebe "nichts zu beschönigen", sein Mandant habe den Unfall verursacht. Er betonte allerdings, dass der Angeklagte kein Raser sei. Den ausgezeichneten Pisten- und Sichtverhältnissen entsprechend sei seine Geschwindigkeit "absolut nicht überhöht" gewesen. Mit den Geschädigten habe man "bestes Einvernehmen". Er habe auch Schmerzensgeld bezahlt, eine Diversion sei damit möglich. Der Angeklagte, selbst Vater von zwei Kindern, brach vor Richter Gerhard Pöllinger in Tränen aus, als er sich bei den Geschädigten entschuldigte und bei den Rettern bedankte.

Ein technischer Angestellter aus Klagenfurt, der den Unfall von einem 20 Meter entfernten Schlepplift aus beobachtet hatte, sagte aus, der dunkel gekleidete Skifahrer sei "extrem schnell" gewesen. "Er sprang über die Kuppe, rund acht Meter weit, und in eine Personengruppe hinein, ein Kind wurde mehrere Meter durch die Luft gewirbelt. Es hat laut gekracht, wie bei einem Autounfall", so der Zeuge. Er schätzte das Tempo des Skifahrers auf 40 bis 50 Kilometer pro Stunde.

Für den skitechnischen Sachverständigen war diese Einschätzung plausibel, weil der Angeklagte selbst gesagt hatte, er hätte bei der Kuppe "abgehoben". Dieses "Abheben" deute auch auf ein instabiles, unkontrolliertes Fahren hin, das nicht den FIS-Regeln entspreche. Die Kollision wäre bei geringerer Geschwindigkeit vermeidbar gewesen.

Angeklagter bisher unbescholten

Der Richter befand eine Strafe über dem Mindestmaß - bis zu zwei Jahre wären möglich gewesen - nicht als notwendig und verwies auf das äußerst reumütige und umfassende Geständnis sowie die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten. (APA, 25.5.2012)

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