Imagefragen, Häuptlinge und Indianer

  • "Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen."
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    "Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen."

Imageprobleme und fehlende Berufsbilder im Lehrbereich: Die Modul University Vienna lud zur Diskussion über Ausbildungsfragen und -defizite

Die Lehre im Tourismus werde "stiefmütterlich" behandelt, darin war sich das Podium der Tourismusexperten einig. Wozu man in Österreich eine universitäre Tourismusausbildung brauche, stellte Dagmar Lund-Durlacher, Leiterin des Department for Hospitality and Tourism Management der Modul University, ganz unmissverständlich klar: Ihre Absolventen und Absolventinnen seien nicht nur Know-how-Export und fit für internationale große Karrieren, sie würden auch von anderen Branchen sehr begehrt.

Dennoch sieht sie in Österreich ein "Forschungsdefizit" im Bereich Tourismus und mahnt Schwerpunkte in Tourismuspädagogik ein, auch um besseres Wissen für Lehrende liefern zu können.

Zu wenig Lehrlinge

"Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen", sagt der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Peter Peer, zu Personalmangel und Imageproblemen in den Rängen der "Indianer". Es stimme das Gefüge in der Ausbildung insgesamt nicht: Wer gut qualifiziert sei, wolle nicht mehr als Koch oder an der Rezeption arbeiten, die Berufsbilder in der Lehre seien zu wenig differenziert - dazu komme die demografische Kurve, und ja: ein großes Imageproblem. 21.000 Lehrlinge würden gebraucht, 18.000 gebe es. Peer: "Lehrstellen gibt es genug." Bloß, so Norbert Kettner, Geschäftsführer des Wien Tourismus, müsse man als problematische Faktoren auch das mangelnde Niveau der Pflichtschulabgänger plus die Tatsache, dass die Hälfte der Praktikanten nach ihrem Praktikum "nie wieder" sagen, einberechnen.

Dass hier die Betriebe in der Pflicht sind, wird nicht bestritten. es müsse "gemeinsam angepackt" werden, appelliert Peer - von besserem Marketing in der Anwerbung über Employer Branding bis hinein in organisationale Fragen der einzelnen Betriebe. Obwohl: Dass Human Resources eine Bedeutung hat, zeigt sich zumindest in den größeren Häusern, wie Karin Schweinegger, Director of Human Resources im Hotel Intercontinental in Wien, belegt.

Die Berufsschulen mussten Kritik hinnehmen, die Fachhochschulen blieben relativ verschont. Walter Säckl, Generalsekretär des Österreichischen Reisebüroverbandes, fragt sich allerdings, wo die Absolventinnen auftauchten: In seiner Branche jedenfalls nicht. Auch die Reisebüros hätten "am Counter" großen Mangel.

Dass Unternehmen sich etwa bezüglich der Öffnung für Ältere viel mehr engagieren und Ausbildungen verlaufender mitgestalten müssten, ergab sich daraus fast notgedrungen als "To do". (kbau, DER STANDARD, 26.5.2012)

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