Imagefragen, Häuptlinge und Indianer

25. Mai 2012, 12:57
  • "Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen."
    foto: standard/corn

    "Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen."

Imageprobleme und fehlende Berufsbilder im Lehrbereich: Die Modul University Vienna lud zur Diskussion über Ausbildungsfragen und -defizite

Die Lehre im Tourismus werde "stiefmütterlich" behandelt, darin war sich das Podium der Tourismusexperten einig. Wozu man in Österreich eine universitäre Tourismusausbildung brauche, stellte Dagmar Lund-Durlacher, Leiterin des Department for Hospitality and Tourism Management der Modul University, ganz unmissverständlich klar: Ihre Absolventen und Absolventinnen seien nicht nur Know-how-Export und fit für internationale große Karrieren, sie würden auch von anderen Branchen sehr begehrt.

Dennoch sieht sie in Österreich ein "Forschungsdefizit" im Bereich Tourismus und mahnt Schwerpunkte in Tourismuspädagogik ein, auch um besseres Wissen für Lehrende liefern zu können.

Zu wenig Lehrlinge

"Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen", sagt der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Peter Peer, zu Personalmangel und Imageproblemen in den Rängen der "Indianer". Es stimme das Gefüge in der Ausbildung insgesamt nicht: Wer gut qualifiziert sei, wolle nicht mehr als Koch oder an der Rezeption arbeiten, die Berufsbilder in der Lehre seien zu wenig differenziert - dazu komme die demografische Kurve, und ja: ein großes Imageproblem. 21.000 Lehrlinge würden gebraucht, 18.000 gebe es. Peer: "Lehrstellen gibt es genug." Bloß, so Norbert Kettner, Geschäftsführer des Wien Tourismus, müsse man als problematische Faktoren auch das mangelnde Niveau der Pflichtschulabgänger plus die Tatsache, dass die Hälfte der Praktikanten nach ihrem Praktikum "nie wieder" sagen, einberechnen.

Dass hier die Betriebe in der Pflicht sind, wird nicht bestritten. es müsse "gemeinsam angepackt" werden, appelliert Peer - von besserem Marketing in der Anwerbung über Employer Branding bis hinein in organisationale Fragen der einzelnen Betriebe. Obwohl: Dass Human Resources eine Bedeutung hat, zeigt sich zumindest in den größeren Häusern, wie Karin Schweinegger, Director of Human Resources im Hotel Intercontinental in Wien, belegt.

Die Berufsschulen mussten Kritik hinnehmen, die Fachhochschulen blieben relativ verschont. Walter Säckl, Generalsekretär des Österreichischen Reisebüroverbandes, fragt sich allerdings, wo die Absolventinnen auftauchten: In seiner Branche jedenfalls nicht. Auch die Reisebüros hätten "am Counter" großen Mangel.

Dass Unternehmen sich etwa bezüglich der Öffnung für Ältere viel mehr engagieren und Ausbildungen verlaufender mitgestalten müssten, ergab sich daraus fast notgedrungen als "To do". (kbau, DER STANDARD, 26.5.2012)

Share if you care
21 Postings
"Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen"

... weil er nicht (mehr) sexy ist, ganz einfach. Wochenende, abends etc. arbeiten (ohne extra Vergütung), Bezahlung ist extrem schwach, Trinkgelder sind sehr viel weniger als früher, die Gäste werden immer schwierige- man wird teilweise behandelt wie ein Sklave - etcetc. Bei angemessener Bezahlung sieht man über die Nachteile für eine Zeitlang hinweg, früher war die Stimmung auch noch viel besser, heute muss mit minimalem Personalstand ein Servicelevel aufrechterhalten werden der den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Unbezahlte Überstunden sind an der Tagesordnung etcetc. Schöne Grüsse von einem noch im Tourismus tätigen Leser!

Es geht nicht um's Image und die Optik.

Sondern einzig und allein um angemessene Bezahlung und korrekte Behandlung der Arbeitnehmer.

Aber das wollen's überhaupt gar nicht einsehen.

Gelegentlich muss man halt auch in Betracht ziehen, einen Beruf attraktiver zu machen und nicht zur attraktiver darzustellen.

modul, ischl, klessheim ...ect heißt vollzeit praktika in ö. mit 400,- entlohnung

heißt freundlicht bleiben wenn gäste ...demütigen, zudringlich ....

heißt den noblen zeitungen bügeln...

auf "saison gehen"
das machen jene ohne aussicht auf erbe oder finanzunterstützung der altvorderen-
weil es die einzige möglichkeit ein bißerl geld zu verdienen für fleißige leut aus wenig begüterten verhältnissen

Die hat aber so einen harten Zug um den Mund und sieht ein wenig nach strenger Erziehung aus.

Etwas Strenge muss sein, das kann Dir jeder erfahrene Wiener Kaffeehaus-Ober erklären... :)

Wen wunderts?

Stress + körperlich harte Arbeit, oft unangenehme Vorgesetzte, brutale Arbeitszeiten, permanente Freundlichkeit gefragt und dafür ein oft recht dürftiges Gehalt.

Klar ist das nicht überall so aber tendentiell kommt das wohl hin. Für einige motivierte Junge ist das auf Saison gehen vielleicht noch eine schöne Sache aber auf Dauer...

diese imagefrage tellt sich der branche wohl schon seit der abschaffung der sklaverei
wobei ein gewisser teil der hoterlerie/gastwirtschafts....eigentümer
das personal anständig zu entlohen mit gotteslästerung gleichsetzt

Sagt wer?

Jeder, der als Arbeiter oder Angestellter in einem Wiener Hotel arbeitet, weiß um die Verhältnisse.
Und jetzt wollen wir es anders machen?
Glaub doch kein Mensch.
Die Prämien sind viel zu verlockend.
Und schön reden kann man das auch nicht.
Wer im Mercure Europaplatz gelitten hat, findet diese Ansage von P.P auch ziemlich dreist.

Wir schaffen es nicht, den Beruf sexy darzustellen", sagt der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Peter Peer

es wohl wenige Berufe die mehr "unsexy" sind wie eine Koch/Kellner Lehre...

Welcher vernüftige Mensch hat darauf Lust:
* geteilte Arbeitszeit (2x pro Tag in die Firma gehen)
* Dienst an SA/SO/Feiertagen
* Dienst bis nach 22 Uhr
* sehr oft gratis (!!!) Überstunden machen
* neben der Berufsschule (MO-FR) auch am Wochenende arbeiten
* miserables Betriebsklima
* oft betrunkene Gäste
* extrem stressiges Arbeitsklima
* üble gelaunte Vorgesetzte
* kein Feiertagszuschläge
usw.

mit Grauen erinnere ich mich an meine Lehrzeit zurück, damals wollte mich der Chef während ich die Berufsschule machte am SA/SO von zuhause abholen und mich in die Arbeit bringen (habe natürlich nicht aufgemacht).

Ich nur jedem von einer Koch/Kellner Lehre ABRATEN!

1975 mit lehre fertig geworden

anschließend super 14 monate in genf "hôtel de bergues" 5 stern betrieb - restaurant/bankett (natürlich mit entsprechenden französisch vorkenntnissen)
dann london - auch 5 stern "the dorchester" 4 jahre ms europa (einziges kreuzfahrtschiff 5 sterne plus!) mit 26 jahren konzessionsprüfung, mit 29 jahren restaurantleitung im damals größten österreichischen gastrokonzerns.
JA GASTRONOMIE KANN SEXY SEIN - es kommt immer darauf an was man selber daraus macht und warum man in diese branche geht!

wie gehts der familie?

Da hatten wir wohl ein ähnliches Schicksal

Berufschule bis Samstag nachmittag, Sonntags in der früh bis am späten Nachmittag in der Küche gestanden, am Montag um 05.30 wieder in die Berufschule (war eine echte Erholung im Vergleich zum Arbeitsalltag) gefahren. In der Saison (Juni bis September)war eine 7 Tage Woche sowieso die Regel anstatt die Ausnahme.
Ab dem 2. Lehrjahr abends oft die Küche alleine geschupft, Lehrlingsentschädigung waren (1978) im 3. Lehrjahr knapp 1000 Schillinge im Monat.

Nach der Gesellenprüfung, wie die meisten meiner Kollegen, sofort aufgehört.

"Sexy darstellen", Arbeitsbedingungen und Bezahlung verbessern, auf das Managementgequatsche kann verzichtet werden

kollektivvertragslohn 1205 euro als koch, was soll man da noch sagen...

und das auch im Sacher, oder andere Spitzengastronomie

wie bescheuert kann man sein, wenn man sich dann über mangelnde Lehrlinge wundert.

In Deutschland jammerns auch über einen Technikermagel, dabei gibts den garnicht, nur die wollen halt vernünftig verdienen.

Das Zauberwort lautet "Marktsättigung". Der Markt beruht auf Wettbewerb, den kann es nur geben solange es "Mangel" gibt, somit nicht alle Bedürfnisse nach Arbeitskräften befriedigt sind. Um diesen Mangel bzw. die beschränkten Güter ideal zu verteilen bedient man sich Angebot und Nachfrage als Güterverteilungssystem. In der Folge gibt es zwar reale Mängel, in der Marktwirtschaft jedoch nicht, da jedes Gut, das begehrt wird in Form von Geld (Nachfrage) auch jemandem zukommt. Es kann niemals Arbeitskräftemangel geben, das ist das Gute an unserem System, wer was anderes behauptet ist eigentlich marktfeindlich. Wollen Sie in Ihrem Hotel einen Arzt an der Rezeption stehen haben, müssen sie nur entsprechend zahlen ;)

genau das meine ich

Mangel heißt man zahlt zu wenig.

Arbeitskräftemangel kann es theoretisch schon geben, nämlich wenn die Arbeitskraft nur zu einem Preis eingekauft werden könnte, der dann wieder die Möglichkeit in Frage stellt, das Produkt mit (hinreichendem) Profit loszuschlagen. Das ist aber derzeit nicht so sehr das Problem - und notfalls gibt es auf absehbare Zeit irgendwo anders auf der Welt reichlich Arbeitskräfte, die billig genug sind, denn auch der Arbeitsnmarkt ist längst globalisiert.

Pervers ist das Ganze dann, wenn es um Güter wie Nahrung oder Medizin geht. Kostet ein Stück Brot 10 Euro (nur ein Beispiel) und Sie haben nur 8 Euro haben sie eben nicht genug Nachfrage und wollen das Brot garnicht. Das natürliche Bedürfnis nach Nahrung findet dabei nur insoweit Berücksichtigung, als das es sozusagen der Anreiz ist überhaupt Nachfrage, somit die Bereitschaft Geld auszugeben begründet. Wer kein Geld hat, der hat auch keine Nachfrage und will damit auch gar nicht Essen, ist somit an seinem Hungertod selber Schuld, nennt man dann Eigenverantwortung. (Bissal ausschweifend)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.