Knalleffekt in Mordfall Rhodes: Mehrere Täter vermutet

25. Mai 2012, 10:53

Britische Forensik-Spezialistin: Tierschützerin wurde vor ihrem Tod schwer misshandelt - Schwester wegen Rolle eines ungarischen Ex-Polizisten "besorgt"

London/Wien - Die Untersuchung von Knochenteilen der 2009 in Ungarn ermordet aufgefundenen Tierschützerin Eva Rhodes durch britische Spezialisten bringt neue Brisanz in den Mordfall, der sich zu einem Vertuschungsskandal von Polizei und Justiz in Ungarn auswachsen könnte. Die Untersuchungsbeamtin des Londoner Stadtteils Westminister, Fiona Wilcox, stellte bei einer Anhörung in der Vorwoche den in Ungarn angestellten forensischen Untersuchungen ein vernichtendes Zeugnis aus. Es gebe Hinweise, dass Eva Rhodes brutal zu Tode geprügelt worden sei.

Bericht aus Ungarn inkonsistent

Der forensische Bericht aus Ungarn sei ebenso inkonsistent wie das Geständnis des Täters, der von der ungarischen Justiz zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war. Es stelle sich sogar die Frage, ob mehrere Personen in die Tat involviert waren, zitierte die britische Tageszeitung "Independent" die Ermittlerin. Bereits zuvor wirkten britische Stellen in Sachen Eva Rhodes alarmiert.

Die Schwester des Opfers, die österreichische Abrüstungsaktivistin Judith Majlath, wurde von britischen Beamten einvernommen und legte Unterlagen vor, die sie in rastloser Kleinarbeit zusammengetragen hatte. Sie hatte auch die sterblichen Überreste der Schwester, die ihr zur Bestattung übergeben wurden, nach London gebracht und dort eine weitere forensische Untersuchung durch britische Experten durchgesetzt. 

Berühmte Forensikerin untersuchte Knochen

Der zuständige Coroner beauftragte in der Folge eine schottische Forensikerin von Weltrang, Gaille MacKinnon, mit der Untersuchung der Knochen und Überreste. MacKinnon war auch bei der Untersuchung der Massenmorde im bosnischen Srebrenica und der Opfer der Anschläge von 9/11 in New York im Einsatz.

Wilcox zitierte laut "Independent" aus dem Gutachten von MacKinnon, dass die ungarischen Behörden die Überreste nicht einmal ordentlich gereinigt hätten. Deshalb habe gar nicht festgestellt werden können, welche Verletzungen dem Opfer vor und nach dem Eintreten des Todes beigebracht wurden. Die Expertise kulminiert in der Feststellung: "Hätten sie die Knochenteile gereinigt, hätten sie schwere Verletzungen gefunden, die dem noch lebenden Mordopfer beigebracht wurden. Es sind zu viele Ungereimtheiten im Geständnis und im ungarischen Forensik-Bericht." Das alles "deutet auf die Involvierung anderer Parteien in den Mord hin".

Schwerer Vorwurf der Vertuschung

Judith Majlath sagte bei der Anhörung in London aus, dass sie Besorgnis habe, es könnte im ungarischen Györ wegen Hinweisen auf eine Involvierung eines Ex-Polizisten zu Vertuschungen gekommen sein. Es handelt sich um jenen Polizisten, der bei einer Polizeiaktion gegen das Tierheim in Böny nahe Györ im Jahr 2002 gegenüber Eva Rhodes und ihrer Tochter gewalttätig wurde. Ungarn wurde deshalb am Eriopäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg wegen unverhältnismäßiger Polizeigewalt zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Angehörigen des Opfers, allen voran ihre Schwester Judith Majlath, ziehen jetzt wieder vor das Gericht in Straßburg, weil die Rechte der Angehörigen im ungarischen Verfahren auf das Gröbste verletzt worden seien. Majlath gibt sich kämpferisch: In Györ habe man von Anfang an mehr gewusst, als den amtlichen Dokumenten zu entnehmen ist.

Sie nennt das Beispiel eines Journalisten, der ihr kurz nach einem Lokalaugenschein der Polizei nach Auffinden der Überreste telefonisch jene Details der Ermordung von Eva Rhodes geschildert habe, die jetzt in London von der Ermittlerin herausgefunden wurden. Anstatt allen Hinweisen nachzugehen, habe man in Györ versucht, die Angehörigen bei den polizeilichen Ermittlungen und auch in der Gerichtsverhandlung einzuschüchtern. Sie selbst habe als Zeugin nie aussagen können, kritisierte Majlath.

Der Mörder wurde im Dezember 2011 von einem Berufungsgericht in Györ zu 13 Jahren Haft verurteilt. Damit revidierte das Gericht die Verurteilung zu zehn Jahren Haft im Erstverfahren um drei Jahre nach oben. Das Berufungsgericht bestätigte die Feststellung des erstinstanzlichen Komitatsgerichts, dass der Täter Csaba A. die Aktivistin in dem von ihr betriebenen Tierheim in Böny nahe Györ erschlagen und verbrannt habe.

Rhodes verschwand 2008

Die britische Staatsbürgerin, die in jungen Jahren die Hauptrolle in einem von Yoko Ono gedrehten Experimentalfilm gespielt hatte, verschwand im September 2008. Sieben Monate später wurden ihr Schädel und einige wenige Knochenstücke auf dem Grundstück des Tierheims gefunden. Der Rest des Leichnams blieb bis heute verschwunden.

Das Verfahren in Westminister ist noch nicht zu Ende. Vergangene Woche gab es eine erste Sitzung. Die Untersuchungsbeamtin vertagte auf Jänner 2013, um der Familie Gelegenheit zu geben, den Fall vor den EGMR zu bringen. Der Termin in Straßburg steht noch nicht fest. (APA, 25.5.2012)

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Eine Sauerei ist das, dass Tierschutz im 21.Jhd. in Europa noch

lebensgefährlich ist, ist eine Zumutung. Ich hoffe, dass der ungarische Staat da anständig eins auf die Finger bekommt!

Ich fürchte, durch die Zunahme der Rechtsradikalen in ganz Europa und der Gleichsetzung von Tierschützern sogar in Österreich mit Terroristen (!!!) existieren diesbezüglich keine Menschenrechte und kein Gewissen mehr. Offensichtliche Rechtsbrüche durch Justiz werden nicht verfolgt, in diesem Fall in Ungarn wird sogar Folter und Mord aus Rache durch die Polizei in Györ vertuscht. 13 Jahre für Mord, ist doch lächerlich...

Das ist dasselbe rechtsradikale korrupte Regime, dass Schüssel gerade gelobhudelt hat bei seinem Besuch... Höllenorange und rußschwarz passen als Farbe eben gut zusammen.

Polizei und Justiz in Ungarn ... 2. Teil

<--- kamen nie zur Verhandlung, auch zahlreiche nachfolgende Fälle von Hausfriedensbruch. Ich habe mich an die Staatsanwaltschaft gewandt, die gab den Fall zur Ermittlung an die POLIZEI. Als Einschüchterungsversuch seitens der Polizei wurde ich zur Verhaftung ausgeschrieben, da ich eine Vorladung missachtet haben sollte. Bei einem Termin mit meinem Rechtsanwalt konnte die Zustellung nicht nachgewiesen werden.

Ich habe im Jahre 2004 einen Klageantrag zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes eingebracht, da sich mein Vermieter unter Täuschung meinen Trafo angeeignet hat. Diese Klage wurde bis dato nicht verhandelt. Dafür wurde der Klage auf Mietrückstände stattgegeben, da Nutzung ohne Wasser und Strom gegeben war.

Klingt wie eine Aussage in Österreich A. 80er Jahre gegen Polizisten.

Polizei und Justiz in Ungarn ... 1. Teil

Leider kein Einzelfall in Ungarn.

Bin selbst betroffen. Ein Sicherheitsdienst (frühere Polizisten) haben mich niedergeschlagen und mißhandelt, um widerrechtlich meine gepachtete Liegenschaft vom Strom zu trennen. Auftraggeber = mein Verpächter. Vor der Polizei wurde zugegeben, mir das Bein gestellt zu haben. Ich bin mit dem Kopf auf der Straße aufgeschlagen, Gehirnerstütterung, Spitalsaufenthalt. Zeugen haben gesehen und ausgesagt, dass der Chef auf mir gekniet ist und dass ich geblutet habe. Der Auftraggeber und die Beauftragten dieser Aktion haben ausgesagt, ich hätte versucht, einen Mitarbeiter mit dem Auto umzufahren.
Dieser Aussage wurde geglaubt und ich wurde verurteilt. Meine Körperverletzung und der Hausfriedensbruch --->

Wer sich im Osten niederlässt ist selber Schuld.

Nicht nur, selbstverständlich,

mein TIEFES Mitgefühl, auch meine HOCHACHTUNG für Judith Majlath! Gehört viel und umfassende Stärke dazu diese Mafia als solche anzuprangern.

vertuschung ist wohl typisch ! Österreich ist nicht um vieles besser. Als Nachbarn bekommen wir wohl die besseren Nachrichten. Glaub nicht das die in Ungarn denselben Artikel zu lesen bekommen. ! Das ist ebenso Typisch ! ! !

ich würde sagen nicht nur der forensische bericht sondern ganz ungarn ist inkonsistent...

ungarn? war das nicht einmal eine demokratie?

tierschützer_innen? ÖSTERREICH???

Angeblich ist in Ungarn das auskundschaften von Mastbetrieben u.ä...

als Akt gegen den ungarischen Staat zu verstehen.
Nur zur Info!

Proftigeile reiche Privatiers (Oligarchen) haben somit den Staat in der Hand, inkl. Polit- und Justiz-Marionetten, und jeder der gegen sie was hat ist ein Staatsfeind.

die sind arg! warum ermorden?

nach österreich bringen, vor einer kleiderfiliale anketten. diese leute sind dann nach der untersuchungshaft auf jahre mit der verteidigung beschäftigt und wirtschaftlich ruiniert!

unsere justiz ist da viel cleverer. zur sicherheit natürlich mittels durandierendem maulwurf beobachten lassen und wenn dieser nix belastendes finden... einfach ned erzählen!

Wozu Geld für Justiz ausgeben? Parteispenden sind viel effizienter, fragt doch Fa. KB!

ungarn ist auch wirklcih ein grausiges land wer dort war weiß was ich meine.. die landschaft ist schön.. aber die menschne deprissiv und verbittert...

geh bitte. sind sie pharmavertreter und von psychoanstalt zu psychoanstalt gefahren?

Kein Wunder

es ist genug anzuschauen von wievel geld müssen sie monatlich auskommen.

Anderseits habe gestern eine tolle Portraitserie aus Indien gesehen: Bitter arm und trotzdem glückliche Gesichter!

Indien ist auch ein Land mit Kultur und Menschlichkeit.

naiv naiv,,.... die indische kultur ist nicht lieb und nett schaut von außen so aus wegen den lustigen filmen liedern und bunten kleidern ist im inneren aber toternst und brutal.. die leute bemühen sich halt einfach da sbest eaus ihrer situation zu machen ob das gut ist las sich dahin gestellt b es besser ist als frustriert über seine situation zu sein lass ich auch dahingestellt...
gewlat, zwangsehe, feudalhirachie, ausgrezung... patriachal..ect

Ibsens gedeihen dort auch nicht!

Aus so einem Land können nur nette Nachrichten kommen.

Es heißt depressiv.
Ungarn hatte lange zeit die höchste Selbstmordrate Europas. Grausig ist das Land dennoch nicht. Als halbe Ungarin weiß ich sehr gut, wovon ich rede.

Was genau ist eine "Abrüstungsaktivistin" ? Und was bekommt man da so bezahlt ? Und vom wem ?

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