"DiRT Showdown": Reminiszenz an "Destruction Derby"

Die Freude an der Autozerstörung ist zurück - für zwischendurch zumindest

Das waren noch Zeiten, als verbiegendes Blech und sprühende Funken für Stunden begeistern konnten. Die Boliden waren klobig, der Lack matschig und die Effekte pixelig, doch "Destruction Derby" sorgte seiner Zeit (1995) für wahnsinnigen, schadenfreudigen Nervenkitzel. Mit dem zweiten Teil setzte Hersteller Reflections 1996 noch eins drauf, was danach an Nachahmungen und Abwandlungen folgte, konnte die kurze Ära der rohen Autozerstörung nicht wieder aufleben lassen. Wenngleich: "Flatout" machte 2004 noch einen nennenswerten Versuch.

Fragt sich, wie das nun alles mit Codemasters Rennspielserie "DiRT" zusammenpasst, die als Off-road-Mekka aus der Rallye-Referenz "Colin McRae Rally" hervorging? Tatsächlich hat sich das britische Studio mit "DiRT Showdown" dazu entschlossen, auf Simulationsaspekte komplett zu verzichten und den Spaß an absichtlich herbeigeführten Karambolagen ins Rampenlicht zu rücken.

Viel Theater

Der reinrassige Arcade-Racer führt in die Welt der (Auto-)Agressionen, bei der Spieler sich auf einer Welttour ihren Weg mit Stoßstangenfeingefühl ins "Showdown"-Finale boxen müssen. Nach dem Motto "Alles ist erlaubt" drängt man in Rennen auf Zeit Kontrahenten in Pfeiler oder Leitplanken oder versucht in Bewerben um Punkte Dreher und Motorschäden zu verursachen. Die Schauplätze in San Francisco, Miami, London oder Tokio ähneln mit Pyrotechnik, Laser und tobenden Fans an Kolosseen für Gladiatorenkämpfe. Mehr als 50 Events in vier verschiedenen Meisterschaften fordern heraus, ebenso wie die unterschiedlichen Bedingungen bei Sonne, Schnee oder Regen, bei Tag oder nachts unter Flutlicht.

Blechschäden

Der technischen Entwicklung zu verdanken ist es, dass die zerdrückten, zersplitterten, rauchenden, verbogenen Vehikel 2012 nicht mehr wie geschmolzenes Lego aussehen. Schöne Dinge kaputt zu machen, bereitet unverschämt viel Freude - das Auge zerstört schließlich mit. Da dies nicht mit den Vermarktungsvorstellungen der Autohersteller einhergeht, können Originalmodelle von Ford, Subaru und Co. nur in den Weichspülmodi wie Zeitrennen eingesetzt werden. Für Arenenkämpfe mit Party-tauglichen Events wie Capture-the-Flag stehen aber nicht weniger hübsch modellierte, motorisierte Opfer bereit. Den fatalen Absichten weichen musste die mitreißende Cockpit-Ansicht der Vorgänger, was das Erlebnis insbesondere in Splitscreen- (nur für zwei Spieler) und Online-Auseinandersetzungen mit menschlichen Gegnern aber kaum trübt. Für zusätzliche Abwechslung sorgt die Möglichkeit, eigene Herausforderungen erstellen und diese mit Freunden teilen zu können.

Eine Runde Wert

Ruß und Rauchschwaden können dabei nicht verschleiern, dass "DiRT Showdown" gut und gern als Erweiterung des vielseitigeren Vorjahreswerkes "DiRT 3" veröffentlicht hätte werden sollen. Der Charakter der reichlich spaßigen und sinnfreien Unterhaltung passt heute wesentlich besser zu einem (günstigeren) Download-Game als zu einem Vollpreistitel. Wer sich nach dem Chaos von "Destruction Derby" sehnt und es nicht mehr abwarten kann, findet in "DiRT Showdown" so kostspieligen, aber exzellenten Trost. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 25.5.2012)

"DiRT Showdown" (Codemasters) ist für PlayStation 3 und Xbox 360 erschienen. Die PC-Version folgt am 31. Mai. Wie gefällt Ihnen das Spiel? Sagen Sie uns Ihre Meinung hier im Forum oder schreiben Sie uns auf Facebook, Google+ oder Twitter!

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