Waschechter Gaudi-Roadster von Mini

  • Zweite Meinung
Der Mini John Cooper Works erinnert bewusst an die Jahre des vorigen Jahrhunderts mit den Legenden Rauno Aaltonen und Paddy Hopkirk. Damals reichten rund 100 PS für Kreisfahrten um die Großen, das schafft der Roadster heute mit 211. Die vielen Pferde zerren zwar an den Vorderrädern, der kurze Radstand verleitet das Heck manchmal zu einem dezenten Hüpfer, doch hinterm Lenkrad herrscht Spaß und hohes Sicherheitsgefühl. Vergleiche der Innenräume: In den glorreichen Tagen der Komfort einer mongolischen Jurte, 2012 der Luxus eines innerstädtischen Dachausbaus. (urb)
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    Zweite Meinung

    Der Mini John Cooper Works erinnert bewusst an die Jahre des vorigen Jahrhunderts mit den Legenden Rauno Aaltonen und Paddy Hopkirk. Damals reichten rund 100 PS für Kreisfahrten um die Großen, das schafft der Roadster heute mit 211. Die vielen Pferde zerren zwar an den Vorderrädern, der kurze Radstand verleitet das Heck manchmal zu einem dezenten Hüpfer, doch hinterm Lenkrad herrscht Spaß und hohes Sicherheitsgefühl. Vergleiche der Innenräume: In den glorreichen Tagen der Komfort einer mongolischen Jurte, 2012 der Luxus eines innerstädtischen Dachausbaus. (urb)

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Auch das könnte man Downsizing nennen: Mini hat bei diesem Auto die Rückbank wegrationalisiert - und das Blechdach

Links hinter dem Steuerknüppel ist er versteckt, "Sport" steht drauf. Drückt man ihn, den Knopf, verwandelt sich das Gefährt in ein kompaktes Kraftpaket. Zum Beispiel auf der Fahrt hinauf auf den kleinen Berg mit seinen charmanten Kurven, die sich harmonisch schlängeln zwischen Weinhängen und dazugehörigen Gütern, Steinbauten und Zypressen. Oder die Bergstraße hinunter, durch den Wald, an Felswänden vorbei. Der kleine Kräftige klebt sicher auf der Straße.

Bayerns Rekordstürmer Gerd Müller fällt einem schnell ein, auch "kleines dickes Müller" genannt, der durch seine Wendigkeit im Fußball weltweit zur Legende wurde. Das ist ganz Mini-like. Der kurvt im Collio rauf, runter und auf der Ebene, ist nicht vom Ziel abzubringen, hat wie seinerzeit Müller quasi den direkten Zug zum Tor und bereitet dabei echte Freude.

Die Lenkung: sehr direkt; das Fahrwerk: knackig; die Farbe: ein schönes Rot, quasi als Signal nach außen. So ließ sich der John Cooper Works-Roadster von den großmächtigen, protzenden Kollegen nicht und nicht abhängen.


Nur zwei Sitze - und ein, sozusagen, direkter Zug zum Tor.

Im Gegenteil: Oft half ihm seine Statur, die Nase frech vorn zu halten. Wie einst der Müller Gerd gegen baumlange Verteidiger - wenn es sein musste mit dem Abschluss zwischen deren Beine hindurch.

In Größe, Kraft und Ausstattung den vier Kollegen unterlegen, ist der Mini in zumindest einem Punkt den begleitenden englischen und deutschen Supersportlern voraus: Er ist in puncto Verbrauch - laut Bordcomputer genehmigte sich der 211-PS-Turbo moderate 8,4 l / 100 km - ein Star. Und beim Kofferraum konnte ihn nur der Bentley ganz knapp toppen. Gut, 240 Liter Volumen klingt jetzt nicht nach Platz ohne Ende, für den Transport der wichtigsten Güter reichte es aber locker: acht Sechserkartons Wein, Reisetasche plus diverses, schmales Füllgut - was will man mehr? Also, Wein verstaut, Kofferraum zu, schnell rauf nach Prepotto auf einer langgezogenen Geraden, wo sich die vier Zylinder austoben können, auch lautstärkemäßig wirkt der Kleine ziemlich ausgewachsen.


Mini Roadster, der Purist und Spaßmacher unter den Minis.

Der Innenraum mit seiner Bullaugen-Optik erfreut Junggebliebene ebenso wie reifere Design-Connaisseure. Auf die Außenwirkung ist beim Kleinen ohnehin von jeher Verlass. Wollte man eine Partnerschaftsanzeige für ihn schalten, könnte sie folgendermaßen lauten: Draufgänger, fesch, jung, dynamisch, sucht sonniges Wesen und Kurven zum Liebhaben.

Ein Mini-Haken vielleicht: Soll der Zweisitzer sein Textil abwerfen, sperrt er sich zunächst, er braucht beherzte Unterstützung durch einen kleinen Ruck nach oben. Aber dann geht's ruck, zuck zurück, und er kündet am Ende mit frecher Tonfolge vom Gelingen. (Armin Karner, Automobil, DER STANDARD, 25.5.2012)

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