Hohes Interesse an erster Präsidentenwahl nach Mubaraks Sturz

24. Mai 2012, 23:19
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Wahlkommission: Zahlen deuten auf Teilnahme von 50 Prozent hin - Präsidentenwahl gilt als richtungsweisend nach Revolution

Kairo - Bei der ersten Präsidentschaftswahl nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Hosni Mubarak in Ägypten ist etwa die Hälfte der Wahlberechtigten zu den Urnen gegangen. Dies gab die staatliche Wahlkommission am Donnerstagabend bekannt. Der Sieger der Wahl, die als Richtungsentscheidung für Ägyptens Zukunft gilt, wird vermutlich erst in der zweiten Runde Mitte Juni ermittelt.

"Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Wahlbeteiligung 50 Prozent erreichen wird", erklärte der Chef der Wahlkommission, Faruk Soltan. Er äußerte sich nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Mena rund drei Stunden vor dem endgültigen Ende der zweitägigen Wahl. Die Schließung der Wahllokale war zuvor wie bereits am ersten Wahltag um eine Stunde auf 21.00 Uhr verschoben worden. Am Mittwochabend war der Andrang angesichts kühlerer Temperaturen noch einmal angestiegen.

Kleine Zwischenfälle

Die Wahlbeteiligung war jedoch in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich - während sich vor einigen Wahllokalen lange Schlangen bildeten, gaben in anderen nur wenige Wähler ihre Stimme ab. Im Kairoer Bezirk Heliopolis trotzten am zweiten Wahltag Hunderte Frauen vor einem Wahllokal der Hitze, um ihre Stimme abzugeben. Auch wenn vielleicht nicht ihr Kandidat gewinne, sei dies ein deutlicher Unterschied zu bisherigen Wahlen, bei denen der Sieger praktisch immer feststand, sagte die 27-jährige Noha Hamdy. Nach Angaben von Innenminister Mohammed Ibrahim gab es nur vereinzelt kleine Zwischenfälle.

Die ägyptische Presse lobte den Verlauf der ersten Wahlrunde. "Wir haben einen Traum wahr gemacht", schrieb die regierungsnahe Zeitung "Al-Ahbar". Die unabhängige "Al-Juruk" bezeichnete den ersten Wahltag als "Tag der Freude und des Stolzes". Am Donnerstag hatten die Beamten des Landes frei, um wählen gehen zu können. Die Urnen mit den Stimmzetteln vom Mittwoch wurden über Nacht in den Wahllokalen mit Wachs versiegelt und von Militär und Polizei bewacht.

Zu der Wahl traten zwölf Kandidaten an. Keinem wurde eine absolute Mehrheit zugetraut. Hoffnung in die Stichwahl am 16. und 17. Juni zu kommen, machten sich der unabhängige gemäßigte Islamist Abdel Moneim Abul Futuh und der Bewerber der Muslimbrüder, Mohamed Morsy, außerdem Ahmed Shafik, der letzte Regierungschef unter dem zu Jahresbeginn 2011 gestürzten Mubarak, und Mubaraks früherer Außenminister und Ex-Chef der Arabischen Liga, Amr Moussa. Der Sieger soll am 21. Juni feststehen. Danach will der derzeit regierende Militärrat die Macht abgeben. Hinter den Kulissen dürfte das Militär aber weiterhin eine Rolle spielen.

Nach Einschätzung des ägyptischen Politikers und ehemaligen IAEA-Direktors Mohamed ElBaradei hat Ägypten noch einen "holprigen Weg" in eine bessere Zukunft vor sich. Er sei aber froh darüber, dass er nun zum ersten Mal nicht wisse, wer das nächste Staatsoberhaupt sein werde, meinte ElBaradei am Donnerstag in Wien. Der neue Präsident werde mit dem Parlament und den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten müssen. Allerdings werde er sich wegen der weit verbreiteten anti-israelischen Stimmung in der Bevölkerung mit der Forderung nach Aufkündigung des Friedensvertrags mit dem jüdischen Staat auseinandersetzen müssen, erklärte der Diplomat.

ElBaradei, der seine Präsidentschaftskandidatur zurückgezogen hatte, gab an, er habe bei der Wahl nicht abgestimmt. Er begründete dies mit dem Fehlen einer neuen Verfassung, die die Kompetenzen des Staatsoberhauptes festlegt. (APA, 24.5.2012)

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