Mäßig knackige Gesundheitsziele definiert

24. Mai 2012, 20:02
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4000 Interessierte definierten Faktoren für ein gesünderes Österreich. Ein Ziel: bis 2032 die Lebenserwartung um zwei Jahre zu erhöhen

Wien - "Luxemburg will das gesündeste Land der Welt werden", gab Mars Di Bartolomeo, der Gesundheitsminister des Zwergstaates, die Richtung vor. Schließlich müsse man sich ja "knackige Ziele" setzen. Österreich ist da nicht ganz so ehrgeizig: "Wir müssen nur das fünfterfolgreichste Land weltweit werden, wir sind auch das fünftteuerste", übertrug Hauptverbandspräsident Hans Jörg Schelling das Vorhaben auf heimische Dimensionen.

Donnerstagvormittag im Festsaal des Gesundheitsministeriums: Minister Alois Stöger (SPÖ) ist bei der Präsentation der Rahmengesundheitsziele für Österreich um Konkretisierung des wenig knackigen Begriffs bemüht. " Haben Sie heute Ihre Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht?", fragt er in das Auditorium. Und verspricht jedem, der das Treppenhaus zu seinem Büro findet, einen Preis. Was Stöger sagen will: Gesundheit müsse weiter gedacht werden, müsse etwa auch umfassen, welchen Einfluss die Verkehrsplanung auf das Gesundheitsverhalten hat.

Di Bartolomeo will, dass Gesundheit "in allen Politikfeldern zur Priorität wird". Und der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Agis Tsouros, sieht als oberstes Ziel, einen Lebensraum zu schaffen, der es allen Menschen ermöglicht, gesund zu leben. Dabei gehe es nicht um "nice words", sprich um schwammige Unverbindlichkeit, sondern um ganz konkrete Ziele (s. unten). Schelling will diese Verbindlichkeit in jedem Gesetzestext konkretisieren und die Auswirkungen des jeweiligen Gesetzes auf die Gesundheit hineinschreiben. Und auch Stöger will die Ziele "in der politischen Praxis umsetzen". Bis Jahresende soll es erste konkrete Maßnahmen geben. Die Basis dafür lieferten 38 Experten von Arbeiter- bis Wirtschaftskammer. Mehr als 4000 Personen brachten sich via Internet ein. Was herauskam?

  •  Kooperation aller Politik- und Gesellschaftsbereiche: Ein No-na-Ziel für die Prozessbegleiter. Trotzdem soll es den Rahmen dafür alle weiteren Ziele bilden.
  •  Chancengerechtigkeit: Gesund zu sein soll nicht vom Alter, Geschlecht oder Status abhängen. Dazu gehören: "faire Ausgangsbedingungen im Bildungssystem".
  •  Gesundheitskompetenz stärken: Betrifft Eigenverantwortung und die Möglichkeit, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden.
  •  Saubere Luft, Wasser und Boden: Erste Priorität hier: Lebensräume nachhaltig gestalten.
  •  Sozialer Zusammenhalt: "Solidarische Gemeinschaften sind gesünder", heißt es unter Ziel 5. Also wird ein "wertschätzender Umgang mit Vielfalt" und "Mitgestaltungsmöglichkeiten" betont.
  •  Gesunde Kinder: Ein Ziel, das von Anfang an außer Streit stand. Konkrete Maßnahmen sollen mit den Jugendlichen entwickelt werden, aber auch Elternarbeit umfassen.
  •  Gesunde Ernährung: Für Minister Stöger besonders wichtig. Erste Projekte laufen bereits.
  •  Raum für Bewegung: Radwege, Spielplätze oder Pausenräume sollen so gestaltet sein, dass sie zu Bewegung anregen. Und Sport soll in jedem Alter ein Thema sein.
  •  Psychosoziale Gesundheit: Ziel 9 handelt u. a. von Maßnahmen zur Gewalt- und Suchtprävention.
  •  Gesundheitsversorgung sichern: Das öffentliche, solidarische Gesundheitssystem gehöre abgesichert, die Vorsorge ausgebaut.

Damit gesellt sich Österreich zu Australien, Dänemark, England, Island, Polen oder Schweden, die bereits über ähnliche Ziele verfügen. Im September präsentiert die WHO ihr Konzept. (riss, DER STANDARD, 25.5.2012)

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