Ein Sandwich mit drei Stewardessen

24. Mai 2012, 19:57
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Marc Camolettis Boulevardklassiker "Boeing Boeing"

Aller guten Dinge sind drei. Ab vier Affären wäre es für Bernard ermüdend, unter zwei langweilig. In Marc Camolettis Boulevardklassiker "Boeing Boeing" im Vienna English Theatre (Regie: Keith Myers) unterhält er drei parallele Gspusis mit Stewardessen internationaler Fluglinien.

Der Stundenplan will gut getimt sein, dass sich Gloria (amerikanisch-aufgedreht: Tammy Joelle), Gabriella (italienisch-leidenschaftlich: Tara Dixon) und Gretchen (deutsch-dominant: Erica Guyatt) nicht in die Quere kommen. Bernards Schulfreund Robert kommt auch vorbei und partizipiert an dem moralischen Sinkflug.

Das Stück spielt in Bernards Pariser Wohnzimmer, die lachs-pastellfarbene Wand in seinem Liebesnest ist das Nervenaufreibendste, was dem Zuseher geboten wird. Der Spaß an der Farce für leicht Erheiterbare besteht darin, dass sich die Damen bis knapp vor Schluss verlässlich nicht treffen. Während die Fluglinien schneller werden und das Aufrechterhalten der Affären schwieriger, setzt die Inszenierung auf originalgetreue Wiedergabe. In den 1960ern hatte das Telefon eben einen Festnetzanschluss und der Organzier war aus Papier.

Nun wurde "Boeing Boeing" bereits 1960 uraufgeführt, das Auditorium weiß die Pointen verlässlich vorauszuraunen. Bernard (Charles Davies) grinst bis zum Nervenzusammenbruch, Robert (Max Davies) springinkerlt bis zum Geht-nicht-mehr. Wer hier eincheckt weiß, wohin die Reise geht. Auf jener akzeptiert man die leichte Kost des Bord-Sandwiches, das etwas sättigt und die Zeit rasch vergehen lässt. (mak, DER STANDARD, 25.5.2012)

Bis 4. Juli

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