Zukunft, strahlenfrei

24. Mai 2012, 19:53
13 Postings

Global 2000 lädt am Gelände des AKW Zwentendorf zum "Tomorrow Festival" - mit 15 Bands und 60 DJs an zwei Tagen

Zwentendorf - Es ist eine Geschichte, die viele als für Österreich typisch erachten. 1972 begann der Bau des Atomkraftwerks Zwentendorf in Niederösterreich. Nachdem das Kraftwerk fertiggestellt wurde, befragte man das Volk zum Thema. 1978 sagte dieses Nein zur Atomkraft, seitdem ist das AKW Zwentendorf nicht nur eine Art Industrieruine, sondern auch ein Sinnbild für Politik, die zuerst handelt und dann denkt.

Am Freitag  und  Samstag nutzt die Umweltschutzorganisation Global 2000 das der ursprünglichen Bestimmung entbundene Gelände des AKW Zwentendorf, um mit dem "Tomorrow Festival" das Thema Kernkraft und den geforderten Ausstieg aus derselbigen zu thematisieren.

Schließlich verfügt das Areal längst über eine Form von Strahlkraft, die die ursprüngliche Zweckwidmung nahezu ironisch konterkariert, was in Summe das wohl stimmigste Festival-Szenario weit und breit bedeutet.

Die geladenen musikalischen Protagonisten gehen es deshalb aber nicht unplugged an - ganz im Gegenteil. Neben der Hauptbühne, die von Acts wie Texta, Kreisky, Mono & Nikitaman, Culcha Candela, Killed by 9V Batteries, Sofa Surfers, Patrice, The Wombats oder den Leningrad Cowboys bespielt wird, widmet sich das Festival auch der elektronischen Tanzmusik in Form eines durchaus hochkarätigen Line-ups.

Am Freitag manipulieren u. a. Joyce "Ms. Kabinenparty" Muniz, Makossa & Megablast, Secret Cinema, Spektre, Brookes Brothers, Futurebound und Sebastian Schwarz von Tiefschwarz an den Plattentellern und Laptops. Steve Hope, Nicolas Bacher, Oxia, Shimon, Aphrodite und ein DJ-Set der chartserprobten Briten Kosheen lassen den Atommeiler am Samstag erklingen.

In Summe stellen sich knapp 60 DJs und Visualisten sowie 15 Bands in den Dienst der ökologisch-elektronischen Sause, die als sogenanntes Green Festival Sorgfalt hinsichtlich solcher Festivalfaktoren wie Energieverbrauch, Müllaufkommen, Anreisemodalitäten und Wasserverbrauch walten lassen will.

Auch mit dem der Festivalkultur längst anhaftenden, erhöhten Werbeaufkommen ist nicht unbedingt zu rechnen. Dafür darf man in Workshops die Energiezukunft debattieren. Gemessen an den herrschenden Festivalverhältnissen, nichts weniger als eine Wohltat.  (Johannes Luxner, DER STANDARD, 25.5.2012)

25./26. 5. Gelände des AKW Zwentendorf, ab 14.00

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    The Wombats und 14 weitere Bands treten beim "Tomorrow Festival" in Zwentendorf auf.

Share if you care.