Blaue Anstifter

Kolumne24. Mai 2012, 19:27
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Das Schicksal nahm seinen Lauf in einer Trafik in der Donaustadt

Schon die Wahl Martin Grafs zum Dritten Präsidenten des Nationalrates war eine Beschmutzung der Institution, an der sich SPÖ und ÖVP schuldig gemacht haben. Jetzt wird man sehen, wie lange sie und die Grünen gestatten, dass der unverbesserliche Burschenschafter seinem Ruf und dem seiner Partei auch auf anderen Betätigungsfeldern als dem der rechtsextremistischen Brauchtumspflege ungehindert gerecht werden darf.

Im Rotwelsch des einschlägigen Personenkreises ausgedrückt, soll alles supersauber abgelaufen sein. Aber alle formalen Argumente Grafs, bei der Privatstiftung einer zur Zeit der Einrichtung 84-jährigen, zwar überredeten, aber offensichtlich nicht wirklich aufgeklärten Frau wäre alles mit rechten Dingen zugegangen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dinge, mit denen es zugegangen ist, viel rechter waren, als es der bürgerliche Anstand erlaubt: Die Stifterin tappte ins Netz eines Ringes freiheitlicher Humanisten, die sich um die alte Dame in einer Weise kümmern, aus der Ernst Hinterberger einen Film gemacht hätte, lebte er noch.

Das Schicksal nahm seinen Lauf in einer Trafik in der Donaustadt, wo Graf als Abgeordneter dem Volk im Allgemeinen und fern seiner Kanzlei, aber keineswegs als Winkeladvokat, einer Kundin auf seine Art dienlich war. Sie wollte ihr Geld, eine Million Euro, als Vorsorge für den Fall ihrer Pflegebedürftigkeit anlegen, wofür Graf als beste Möglichkeit spontan die Idee einer Privatstiftung zündete. Gesagt, gestiftet!

Besonders sauber

Das ist kein Problem, hat man dafür nur das rechte Personal an der Hand. Wer konnte geeigneter sein, den Stiftungsvertrag zu errichten, als der freiheitliche Parteianwalt Michael Witt, in Geldsachen erfahren auch als Rechnungsprüfer der FPÖ Mödling und vertrauenswürdig als alter Aktivist der Neonazi-Truppe "Aktion Neue Rechte (ANR)"? Weil mit ihm und Graf im Stiftungsvorstand die FPÖ hätte unterbesetzt sein können, wurde als dritter Vorstand Alfred Wansch eingeladen, FP-Landtagsabgeordneter in Wien und in der "Olympia" mitschlagender Bundesbruder Grafs. Um jeden schäbigen Verdacht "parteipolitischer Dreckschleuderer" auszuschließen, wurde das Papier notariell beglaubigt von Harald Stefan, ebenfalls Olympier, FP-Abgeordneter zum Nationalrat und - als besondere Sauberkeitsgarantie - Stellvertreter von H.-C. Strache.

Es ist nicht die Schuld der genannten Wohltäter, wenn die Stifterin nun mit dem von ihnen Angestifteten nicht zufrieden ist. Schnöder Undank einer alten Frau! Erhält sie doch ohnehin 5000 Euro jährlich, und, wie Graf im ORF sagte, es werde alles für sie bezahlt. "Von der Zahnprothese bis zum Rasenmäher." Bei solchen exorbitanten Ausgaben musste die Stiftung sogar einen 200.000-Euro-Kredit aufnehmen, damit zur Krönung des Stiftungszweckes die Immobilie erworben werden konnte, in der Grafs Bruder sein Wirtshaus betreibt.

In ÖVP-Generalsekretär Johannes Rauch weckten diese Aktivitäten den Sprachkünstler. Er erblickt darin "einen weiteren Mosaikstein im blauen Sumpf". Wo hätte man dafür einen schärferen Blick als in der Volkspartei! Aber dem Blick in den Sumpf sollten Taten folgen. Graf gehört weg! (Günter Traxler, DER STANDARD, 25.5.2012)

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